Sonntag, 12. April 2020

TINI TRAMPLER

Tini Trampler & Die dreckige Combo - Eiscrème–Raspoutine (2010)
Eiscrème–Raspoutine

Tini Trampler und ihre Dreckige Combo zählen aufgrund ihrer außergewöhnlichen Veröffentlichungen mit zu den facettenreichsten und interessantesten Ensembles innerhalb der heimischen Weltmusikszene. Mit “Eiscrème – Raspoutine” präsentiert die Truppe am 15. Oktober im Wiener Radiokulturhaus nun ihr neues Album.
Im Jahre 2002 beschlossen Schauspielerin, Sängerin und Texterin Tini Trampler und der Bassist Philipp Moosbrugger, sich zusammenzutun und Musik zu machen. Der Name war für das Projekt schnell gefunden – Dreckige Combo. Frei nach dem Motto “alles ist erlaubt”, bediente sich das inzwischen zu einem Ensemble angewachsene Projekt, aus dem reichen Fundes an Liedern verschiedenster Musikepochen und verpasste diesen einen neuen und zeitgemäßen Sound. Im Laufe der Zeit wuchs bei den MusikerInnen aber zunehmend der Drang, sich auch an eigenen Liedern und Kompositionen zu versuchen. Das Ergebnis dieses ersten Versuchs erschien unter dem Titel “Declaracion amor a Mexico”. Wie der Name schon verrät, handelte es sich dabei um eine Art Liebeserklärung an das mittelamerikanische Land und dessen volkstümliche Musiktradition, welche mit Surfsounds, Flower-Power-Swing und slawischer Folklore angereichert wurde.Unterstützung fand die vielseitige Künstlerin dabei in der Person des Komponisten Florian Kovacic, der auf Basis ihrer textlichen Vorgaben damit begann, Stücke für das Ensemble zu schreiben. Um die Kompositionen schließlich auch umsetzen zu können, wurde die Dreckige Combo schließlich ganz neu besetzt. Auf dem Zweitlingswerk setzten Tini Trampler und ihre Band den eingeschlagenen Weg konsequent fort. Mit dem Unterschied, dass die MusikerInnen im Vergleich zum Debüt noch detailverliebter an die Sache herangingen.
Generell lässt sich sagen, dass die Musik der Dreckigen Combo von einer hohen Emotionalität und von viel Spielwitz geprägt ist. Sie beinhaltet eine ungewöhnliche Mischung markanter Einflüsse, die auf den ersten Blick eher unvereinbar erscheinen. Doch der Truppe gelingt das Kunststück, solch unterschiedliche Genres wie den Berliner Chanson, Klassik, slawische Volksmusik, den “Western Sound” des Italo Pop und Flamenco unter einen gemeinsamen Hut zu bringen. Dieser wilde Stilmix aus allen Himmelsrichtungen wird neu interpretiert und vor dem Hintergrund einer kulturellen Vielfalt weitergedacht. Einen hohen Stellenwert in der Musik nehmen auch Tini Trampler`s berührende Texte über Liebe und Tod, Sehnsucht und Leidenschaft, Trennung und Schmerz ein.
Schon die bisherigen Veröffentlichungen von Tini Trampler und ihrer Dreckigen Combo waren in ihrer Stilvielfalt kaum mehr zu überbieten. Mit dem in Kürze erscheinenden neuen Album “Eiscrème – Raspoutine” aber setzt die Truppe noch eins drauf. So finden nun vermehrt auch Elemente des Swing, Funk, Country Ragtime und Ska Eingang in die Songs. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass im Vergleich zu den ersten beiden Werken, erstmals nicht mexikanische Volkslieder als Hauptinspiratinsquelle dienten, sondern vielmehr auf eigenes Songwriting Wert gelegt wurde. Und das beherrscht die Truppe vortrefflich. Die MusikerInnen scheuen keinerlei Experimente und unterstreichen einmal mehr ihre Offenheit unterschiedlichsten Strömungen gegenüber. Tini Trampler und die Dreckige Combo erschaffen irgendwo zwischen intensive Bässen und treibende Beats auf einprägsame Melodiebögen ihre ureigene und faszinierende Interpretation des Chansons. (mt)
 
 Playbackdolls - Out Of The Blue (2011)
Out Of The Blue

 Mit Spannung wird es erwartet, das Erstlingswerk der Playbackdolls. Wer die Band rund um Sängerin und Schauspielerin Tini Trampler und den Elektroniker und Multiinstrumentalisten Stephan Sperlich in den vergangenen Monaten bereits einmal live miterleben durfte, der kann bereits erahnen, dass es sich bei „Out of the Blue“ (Monkey) um ein wirklich starkes Stück Musik handeln muss. Und so ist es auch. Was die Playbackdolls musikalisch abliefern, ist schlicht, und das kann man jetzt schon sagen, mit das Interessanteste, Spannendste und Herausragendste, das 2011 aus Österreich zu hören sein wird. Erhältlich ist das Album ab 11. März.
Mit Superlativen sollte man eigentlich eher sparsam umgehen. Doch was Tini Trampler (Die Dreckige Combo), Stephan Sperlich (78plus, Mann über Bord, Elektro Farmer), Schlagzeuger Erwin Schober (Fatima Spar & The Freedom Fries, 78plus) und Gitarrist Florian Wagner hier auf die Beine stellen, ist ganz großes Kino. Das Quartett zelebriert unter Mithilfe einiger, nicht weniger herausragender GastmusikerInnen (Maria Düchler, Bernhard Rabitsch) einen Sound, der so abseits jeglicher Standards und Konventionen angesiedelt ist, der so unverkennbar eigenständig, facetten- und variantenreich aus den Boxen schallt, dass es eine wahre Freude ist. Wie dem Vierer es gelingt, Einflüsse aus den Bereichen Chanson und Elektronik, Blues und Industrial, Trip Hop, slawischer Folklore, Rock in der Tradition eines Tom Waits, Ragtime, Pop und New Wave in den insgesamt dreizehn Songs Verbindung zu setzen, nötigt einem schlicht und einfach Respekt ab.

 Playbackdolls - Delightful Songs (2014)
Delightful Songs

 Die Playbackdolls waren noch nie eine Band, die sich, was die stilistische Ausrichtung ihrer Musik betrifft, wirklich nur auf einen Stuhl gesetzt hat. Die Truppe rund um die charismatische Frontfrau Tini Trampler und den Multiinstrumentalisten Stephan Sperlich war immer schon bestrebt, sich mit ihrem sehr facettenreichen Sound musikalisch abseits des Pop-Mainstreams zu verorten, was sich auch auf dem nun erscheinenden zweiten Album der Wiener Band „Delightful Songs“ (Monkey Music) in aller Deutlichkeit zeigt. Im Vergleich zum 2011er Debüt „Out of the Blue“ um eine Spur mehr in den Pop eintauchend, sorgen der klangliche Ideenreichtum, der Wille, auch schon mal die eher experimentellen Wege zu gehen und natürlich die unverkennbare Stimme von Tini Trampler dafür, dass die Playbackdolls musikalisch immer noch ihren sehr eigenständigen und manchmal auch ein wenig schrägen Charakter bewahren.
Tini Trampler, die dieses Mal gut die Hälfte der Songs in Englisch singt, Stephan Sperlich (Synthesizer, Cello, Theremin, Elektronik), Tino Klissenbauer (Akkordeon), Bernhard Rabitsch (Trompete), Florian Wagner (Gitarre) und David Strobl (Schlagzeug) haben sich auf „Delightful Songs“, wie auch schon auf ihrem Erstlingswerk, einen stilistisch erfrischend bunten Cocktail gemixt. Die Ingredienzen ihres Sound aus dem Elektropop, französischen Chanson, Blues, Jazz und Folk beziehend, entwerfen die Playbackdolls Nummern, die ihre eigenen Schwingungen und Vibes besitzen, solche, die erfreulicherweise nicht im Oberflächlichen abebben, sondern sich sehr wohl in die Tiefe entwickeln.
Natürlich lassen sich hin und wieder musikalische Linien zu Bands wie Element of Crime ziehen, doch erstens gibt weniger interessante Vorbilder, und zweitens gelingt es der sechsköpfigen Truppe immer die notwenige Distanz zu halten. Was auch Tini Tramplers eindringlicher Performance zu verdanken ist, die eigene Akzente setzt und auch Emotionalität, wie Glaubwürdigkeit besitzt. Nicht unerwähnt bleiben darf die einmal mehr exzellente songwriterische Arbeit von Stephan Sperlich, der der klanglichen Vielfalt der Lieder eine Richtung und Form gibt. Ihm und seinen Mitmusikern gelingt es auf sehr schöne und charmante Weise, alles im leichtfüßigen und verspielten Fluss zu halten, obwohl doch recht viel passiert.
„Delightful Songs “ ist auf jeden Fall ein Album geworden, das aufgrund seiner vielen Farben und Schattierungen sehr viel Spaß macht, auch weil den Playbackdolls der oftmals schwierig zu meisternde Spagat zwischen Niveau und Anspruch auf der einen Seite, und einer gewissen Gefälligkeit auf der anderen, erneut vortrefflich gelungen ist. (mt)

 Tini Trampler & das dreckige Orchestra - Delphine (2016)
 Delphine

TINI TRAMPLER, die sich in den letzten Jahren vor allem mit den PLAYBACKDOLLS einen Namen machen konnte, erweckt nun mit dem Anfang Oktober erschienenen Album „Delphine“ (Preiser Records) ihre einstige DRECKIGE COMBO als TINI TRAMPLER UND DAS DRECKIGE ORCHESTRA wieder zum Leben. Und das auf eine mitreißende Art.

Es ist ein Soundtrack eines weit entfernten imaginären Landes, in dem von den Menschen die vielen musikalischen Traditionen der ganzen Welt gepflegt und miteinander verwoben werden. So etwas wie eine stilistische Benennung der Musik findet dort nicht statt, die an diesem Ort zum Erklingen gebrachte Folklore ist eine der unzähligen Dialekte, Epochen und klanglichen Ausschmückungen. Tini Trampler und das dreckige Orchestra verwirklichen auf „Delphine“ eine Art musikalischer Utopie. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Spielformen sind in ihren Stücken einfach aufgehoben, obsolet und vernachlässigbar, sie werden einfach überschritten, kunstvoll, stilvoll, in aller Offenheit und mit jedem kreativen Geist.
Die charismatische Sängerin mit der rauen Stimme und ihr Ensemble bestehend aus Jakob Kovacic (Schlagzeug), Tino Klissenbauer (Akkordeon), Florian Wagner (Gitarre), Stephan Sperlich (Theremin, Synthesizer), Lina Neuner (Kontrabass), Bernhard Rabitsch (Trompete) und David Strobl (Perkussion) öffnen auf „Delphine“ die Tore zu einem neuen, ganz eigenen Klang, dessen Hauptmerkmal vor allem seine immense Vielfalt ist. Lauscht man sich durch die insgesamt 14 Nummern, ist es fast so, als begäbe man sich auf eine Reise rund um den Globus und durch die Zeit. Man startet in Berlin der 1920er im Chanson und wandert von dort zu den Melodien der mexikanischen Volksmusik. Dazwischen macht man halt im traditionellen Klang Ost- und Südeuropas, im Klezmer, im Jazzigen, im psychedelisch angehauchten, kunstvollen Rock, im anspruchsvollen Pop, im Wienerlied, im Blues und Tango und, und, und.
Bei einer so großen Zahl an Einflüssen kann es natürlich sein, dass man sich verliert, zu viel will und dazu neigt, die Dinge zu überladen. Bei Tini Trampler und das dreckige Orchestra passiert das nicht. Den Beteiligten gelingt es in wirklich fesselnder Weise, die Linie zu halten und aus diesem Verschiedenen etwas sehr Stimmiges und Spannungsgeladenes zu formen. Sie lassen Stücke entstehen, die genauso in schönster Melancholie schunkeln, wie auch elegant das Tanzbein schwingen lassen, denen etwas Geheimnisvolles und auch ein stets Augenzwinkern inne ist.
Tini Trampler und das dreckige Orchestra brennen auf „Delphine“ ein musikalisches Feuerwerk ab, das in den buntesten emotionalen Farben leuchtet. Das Album ist voller Charme, Gefühl und Witz und bereitet den Zuhörenden wirklich viel Freude. Ein wirklich schönes und gelungenes Comeback.
 
 Tini Trampler & PlaybackdollsThe Town In Between 1 - Lieder an die Städte der Welt (2018)
Lieder an die Städte der Welt


 Tini Trampler & Playbackdolls - The Town In Between 2 - Lieder an die Stadt Wien (2018)
Lieder an die Stadt Wien

Back in town! TINI TRAMPLER & THE PLAYBACKDOLLS melden sich mit „The Town In Between 1 & 2“ (Preiser Records), einem Doppelalbum, zurück und schaffen es, in ihren Liedern konstruiertes Genredenken auszublenden, und gestalten dabei unterschiedlichste kreative Universen.
Zwischen Wien und der Welt. Stimmung, Texte und musikalischer Zugang schwanken irgendwo zwischen Tradition, Folklore und Avantgarde. So sind auf „The Town In Between 1 & 2“ sowohl Chanson- und Tango-Klänge, anspruchsvoller Pop als auch Swing und verschiedenste Liedformen heimischer Gefilde zu finden. Jedoch verbeißt man sich hier nicht an genrespezifischen Stilmitteln, sondern entführt die ZuhörerInnen in teils surrealistische, aufregende und neue Sphären.
Wiener Rebellion
Kaum denkt man, die musikalische Welt eines der insgesamt 20 Titel entschlüsselt zu haben, wird man eines Besseren belehrt und bekommt das kreative Talent der beteiligten Musiker vor die Ohren gehalten. Ein unerwartetes angezerrtes E-Gitarren-Solo, der von Science-Fiction geprägte Klang eines Theremins und ein gelungener Groove-Wechsel sind hier als Beispiele für die wunderbare Umsetzung künstlerischer Freiheit innerhalb eines Songs zu nennen. In dieser Freiheit bzw. Rebellion gegen Stilzwänge besteht auch der Reiz dieses Doppelalbums. Vertrautes wird aufgebrochen bzw. mit Ungewöhnlichem kombiniert verhilft so den Titeln zu einer erfrischenden Unvorhersehbarkeit. 
„Am besten schmeckt uns das, was wir nicht kennen, doch können wir vom Schnitzel uns nicht trennen.“
Ein weiterer starker Aspekt dieses Albums sind die sich wandelnden erzählerischen Welten, welche uns durch deutschen und englischen Text und dessen gesangliche Interpretation zugänglich gemacht werden. Als sozialkritisch, etwas morbid und humoristisch kann der Grundtenor der literarischen Aspekte von „The Town In Between 1 & 2“ beschrieben werden. Tini Trampler kreiert und unterstützt dabei die erwähnten Stimmungen durch den ausdrucksstarken Einsatz ihrer Stimme. Beeindruckend ist hier besonders der spielerische Wechsel zwischen rauen, dreckigen und dann wieder verspielten, sanften Passagen.
„The Town In Between 1 & 2“ ist ein wunderbar abgeschmecktes Potpourri exotischer und heimischer Klänge, welche das Hören zu einer spannenden Reise durch unterschiedlichste Genres, Spielweisen und musikalische sowie kreative Welten macht.








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