Wie konnten die Tage nur so sehr an Wert verlieren
Du Riechst Jedes Mal Anders (2017)
Du Riechst Jedes Mal Anders
Perineum (2018)
Perineum
Immer gut da, wo du nicht geboren (2018)
Immer gut da, wo du nicht geboren
Meine Arme sind weit (2019)
Meine Arme sind weit
Überwiegend akustische Popmusik mit deutschsprachigen Texten von einem Musiker aus Wien 3.
Deutschsprachige Popmusik überwiegend Akustisch. Aufbauend leicht und fröhlich. Wackelig hoch und dem Einsturz nahe. Zwei grundverschiedene Eigenschaften die der Band tapfer zur Seite stehen. Der Hörer erleidet Schläge und Tritte, fühlt sich aber gleichzeitig erholt und lebendig. Ein ständiges Auf und Ab der Gefühle und die kreativen Lyrics machen Lust auf mehr mehr mehr!
Wenn
uns ihre Bandinfo sagt, dass Kartenhauskörper 2014 gegründet wurden und
schon am 20. Jänner desselben Jahres ihr erstes Album mit Titel „Wie
konnten die Tage nur so sehr an Wert verlieren?“ veröffentlichten, dann
bedeutet wohl, a) dass die erste Intention und das fertige Produkt im
Zeitalter von Bandcamp/Soundcloud eigentlich weit näher aneinander
liegen könnten, ja sollten, als das im heutigen Musikgeschäft
üblicherweise der Fall ist, und b) dass trotz des beklagten Wertverfalls
der Tage an sich die spezifischen ersten 20 des heurigen Jahres im
Leben von David Sommeregger und Gregor E. Sauer (beide Gitarre, einer
Stimme) dann doch ziemlich lohnend gewesen sein müssen. Das
erste Album der beiden nach Wien verzogenen Kärntner ist eine große
Entdeckung, noch dazu, wo die Suchmaschine des geheimdienstlichen
Vertrauens zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Programmtexts fast gar
nichts über diese Band auszuspucken weiß. Lange werden die nicht so
unsichtbar bleiben können. Mit Titeln wie „Rumliegen“, „Müdigkeit“,
„Freikopf“ (auch hier kommt die Müdigkeit wieder zur Sprache) oder „Auf
einem Bein stehen sehr angenehm“, reihen sich Song um Song voller
existenzieller Dinge ohne Belang aneinander, begleitet vom „Gesangschor
der Junggebliebenen“ („Mein Name ist Dave“), dem Kontrabass von Mathias
Bucher und Günther Lenart am Saxophon („Du hast gesagt es ist
Wahnsinn“). Soviel dazu, was sonst noch aus dem Bandinfo hervorgeht,
obwohl jenes noch lange nicht erklärt, wer da Klavier und Schlagwerk und
sonstige Blasinstrumente spielt, bzw. Kartenhauskörper genau die Sorte
Band zu sein scheinen, die einen Programm‐Schreiber genüsslich ins
Bockshorn jagt. „Wo spielen die Kinder, wenn der Garten nicht mehr da
ist?“, fragt Gregor Esra Sauer in einem seiner Lieder, und das
offizielle Bandfoto zeigt ihn (?) in aller Öffentlichkeit auf der Straße
von hinten im Spitalsnachthemd, den Rücken und Hintern freigelegt, ein
Krankenhauskörper eben, beraubt aller Würde und allen Eros, wie er
hilflos über die eigene Schulter schaut. „Können wir bitte damit
aufhören einander zu zeigen, dass wir gute Menschen sind?“ singt er in
„Schlau Beide“, und „Dir soll’s auch schlecht gehen, wenn’s mir schlecht
geht“ im Bonustrack „HilfeHilfe“. Endlos könnte man da – vielleicht bei
einer billigen, aber brauchbaren Flasche Wein – Dinge zum Gutfinden
finden. Schade, dass der Programmschreiber schon wieder weiterziehen
muss.





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