Sex The Nation
Chrono Popp & the Sorry Babies sind im besten Sinne eine
Veteranentruppe, deren Wurzeln zum Teil bis in die Punk- und New
Wave-Zeit der frühen achtziger Jahre zurückreichen, ergänzt durch
jüngere Kräfte. Bandleader Chrono Popp ist eine veritable Wiener
Musiklegende: er spielte in der New Wave-Band Radical Chic und der Free
Hop-Truppe Hip Hop Finger (Hit: "Boundaries"), produzierte Musik für
Filme und für die Hermes Phettberg-Show im ORF. Von ebendieser ist auch
Sänger Andreas Karner als eine Hälfte des Duos "Brüder Poulard" noch in
guter Erinnerung. Die Musik von Chrono Popp und seinen
Mitstreiter(inn)en nennt sich Austro-Funk und knüpft - World Schlager,
Baby! - an eine globale Lingua Franca zwischen Soul, Ska und Latin an,
die durch pointierte deutsch-englische Texte austrifiziert wird. Die
Sorry Babies situieren ihren Sound in der aktuellen Retro-Soul-Bewegung,
legen aber Wert darauf, nicht als Copycats zu agieren, sondern als
kreative Neuinterpreten traditioneller Musikformate."Man muss
sich Chrono Popp and the Sorry Babies wie die Minimalversion einer Big
Band vorstellen", schrieb das Nachrichtenmagazin profil. Man könnte auch
sagen: wie die Neuauflage einer Motown Soul-Revue unter den Bedingungen
eines globalisierten Medienenvironments und samt stets als Bruchlinie
mitgedachtem Culture Clash. Nun steht das Debütalbum als tönendes
Belegstück im Regal."Sex the Nation" versucht zeitgenössischen
Befindlichkeiten zwischen Liebe und Verzeiflung, zwischen Alltag und
Staat eine Stimme und einen Klang zu verleihen. Vor allem Karners
schamanistisch-suggestive Präsenz als Sänger und Maitre d'Honneurs
verleiht den Songs den Charakter von regional verankerten Kleinoden, die
gleichwohl in Sichtverbindung mit den etablierten Stilen der
afroamerikanischen Black Music wie Funk, Soul, Ska und Latin ihre
Klangspuren ziehen.Chrono Popp & the Sorry Babies versuchen
sich nicht als Imitatoren etablierter Musikformate, sondern als
Guerilla-Appropriateure, die sich Beutesounds - Steely Dan, James Brown,
The Specials und der klassische Stax-Sound - so zurecht schnitzen, dass
sie als Trägerraketen für zündende Slogans und Epigramme zwischen
politischer Anomie und emotionalem Ausnahmezustand funktionieren: "Ich
hab dich nur für Sex gebraucht. Angezündet und nicht zu Ende geraucht."
Chrono Popp & the Sorry Babies singen Leibeslieder um Liebesleid ad
absurdum zu führen.

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