Gipsy Love - Gipsy Love (1971) CD 2011
Bass, Vocals, Piano: Kurt Hauenstein
Gipsy Love
Peter Wolf Objective Truth Orchestra - André Heller Poetic Sound (1975)
Bass: Kurt Hauenstein
André Heller Poetic Sound
Rigoni & Schönherz - Victor (1975)
Bass: Kurt Hauenstein
Victor
Don`t Stop The Music (1977) (RM 2005)
Don`t Stop The Music
World Of Today (The LoveMachine Collection) (1977) 1993
World Of Today
Bamboo - Bamboo (1979)
Programmed By [All Sound]: Kurt Hauenstein
Bamboo
Fly With Me (1979) (RM 2005)
Fly With Me
Types Of Skin (1980) (RM 2005)
Types Of Skin
Meets The Almighty (1981) (RM 2005)
Meets The Almighty
A Planet Called Earth (1982)
A Planet Called Earth
Electricity (1983) (RM 2005)
Electricity
London Aircraaft - Rockets (1984)
Backing Vocals, Keyboards, Bass [Moog Bass], Electric Guitar,
Percussion, Piano, Synthesizers, Programmed By [Drums And Synthesizers],
Timbales, Vibraphone, Marimba & Mixed By: Kurt Hauenstein
Rockets
S
omething In My Heart (1986) (RM 2005)
Something In My Heart
Just Before The Nightmare (1988)
Just Before The Nightmare
World Of Tomorrow (1990)
World Of Tomorrow
Tha Max Is Gonna Kick Ya (1992)
Tha Max Is Gonna Kick Ya
One And All (1993)
One And All
The Reggae Album (1994)
The Reggae Album
Living In A World (1996)
Living In A World
Spirits Of Love (1996)
Spirits Of Love
Wonderchild (1996)
Wonderchild
Magnethic Rhythm (1996)
Magnethic Rhythm
Yaku (United Ethno) - The World Behind You (Two Sense Music) (1996)
Voices: Kurt Hauenstein
The World Behind You
Dubbrass (1997)
Terminal (2002)
Terminal
Yaku - Total Immigration (2007)
LeadVocals, Keyboards: Kurt Hauenstein
Total Immigration
Yaku feat. Supermax - The Message (2012)
Voices. Kurt Hauenstein
The Message
25 Years Of Magic Dance Music 1977-2002 (2002) (6 CD)
alle Remixed Digital Remastered
01 Bodyheat
02 CooLove
03 Electricity
04 Power Groove
05 Reggae Total
06 Solid Gold
The Box 33rd Anniversary Special (2008) (10CD)
Limited Edition, Numbered
10 ×
CD, Compilation, Remastered
Familie
Kurt Hauenstein war der Sohn des
Wienerliedertexters[2] und Schriftstellers
Hans Hauenstein.
Nach eigenen Aussagen hatte Kurt Hauenstein adelige Vorfahren. Da
jedoch sein Großvater eine Bürgerliche geheiratet habe, sei diesem der
Adelstitel
aberkannt
worden. Hauenstein hinterließ aus seiner Ehe mit seiner aus Jamaika
stammenden Ehefrau Doreen Hauenstein zwei Töchter. Aus seiner späteren
elf Jahre dauernden Verbindung mit Betty Onore gibt es ebenfalls eine
Tochter.
[3]
Beginn in Wien
Kurt Hauenstein wuchs im 2. Wiener Gemeindebezirk,
Leopoldstadt,
auf und machte vor seiner musikalischen Karriere eine Ausbildung zum
Juwelier. 1971 gründete der damals 22-jährige Bassist gemeinsam mit
Karl Ratzer,
Peter Wolf (dem späteren Keyboarder von
Frank Zappa), Jano Stojka und George Dogette die österreichische Rockband
Gipsy Love. 1972 verließ Kurt Hauenstein
Gipsy Love und wurde von
Harri Stojka
am Bass ersetzt. Für Harri Stojka und Hauenstein, wie auch für Peter
Wolf, war die Band der Ausgangspunkt ihrer späteren Karrieren.
Gipsy Love
wird wegen ihrer musikalischen Qualitäten und des Einflusses, den die
Band auf die Karrieren der beteiligten Musiker hatte, enorme Wichtigkeit
für die österreichische Musikszene attestiert.
Das Projekt Supermax
Nach seinem Ausstieg bei
Gipsy Love zog Hauenstein nach
Frankfurt am Main, wo er bei diversen
Funksessions
spielte, sich aber auch schnell einen Ruf als Studiomusiker machte.
Gemeinsam mit den ebenfalls aus Österreich stammenden Musikern
Christian Kolonovits und
Richard Schönherz
wurde Hauenstein oft als „First cut“-Player engagiert (einmal
einspielen und fertig), womit die Studiokosten der Produzenten erheblich
gesenkt werden konnten. Mehr oder weniger gehörte Hauenstein in dieser
Zeit zum Inventar der von Fred Schreier in Offenbach betriebenen
Europasound Studios. Dort lernte Hauenstein 1976
Frank Farian kennen und wirkte bei dessen selbstproduziertem Hit
Rocky als Bassist mit.
Im selben Jahr traf Hauenstein bei einem Aufenthalt in England den in Frankfurt am Main für
Bellaphon Records tätigen, aber immer mehr für seine eigene Produktionsfirma
Rockoko Productions eigenständig wirkenden Produzenten Peter Hauke, mit dessen Unterstützung im Januar 1977 das erste Supermax-Album
Don’t Stop the Music
aufgenommen und bei Atlantic veröffentlicht werden konnte. Mit Hauke
hatte Hauenstein seinen wichtigsten Förderer gefunden. Hauke hatte
bereits vorher mit dem von ihm gegründeten Bellaphon Label
Bacillus Records erfolgreich Rockbands wie z. B.
Nektar,
Omega,
Karthago und
Jeronimo
mit Chart-Platzierungen produziert. Hauke hatte ein Gespür für
Hauensteins Ambitionen und war intelligent genug, Hauenstein bei der
Realisierung des Supermax-Projektes zumindest musikalisch freie Hand zu
lassen.
Der Projektname
Supermax hatte übrigens zu keinem Zeitpunkt etwas mit einem von der deutschsprachigen Presse assoziierten
Super-Max zu tun, sondern war lediglich eine Abkürzung für
supermaximal, eine Steigerung des vor allem in der von Hauenstein oft frequentierten schwarzen Musikszene benutzten Terminus
to the max. Dieser Unterschied wurde jedoch von den deutschsprachigen Journalisten weder wahrgenommen noch jemals hinterfragt.
Im November 1977 erschien das zweite Album
World of Today, das in Deutschland 1978 mit über 500.000 verkauften Exemplaren Platz 2 der LP-Charts
[4] und
Platinstatus erreichte. Der Song
Lovemachine entwickelte sich zum Discoklassiker und erreichte bereits 1977 Platz 4 in Deutschland
[5],
Platz 6 in der Schweiz und Platz 9 in der österreichischen Hitparade.
1978 ging Hauenstein mit einer aus Profimusikern der Frankfurter Musik-
und Studioszene formierten Band unter dem Namen Supermax auf eine
ausgedehnte Clubtournee mit über 160 Konzerten, die ihn und die Band
durch Deutschland, die Niederlande, Italien, Spanien und Belgien führte.
Zu Promotionzwecken seiner Alben trat Hauenstein in Ausnahmefällen auch
lediglich in Begleitung zweier farbiger Sängerinnen unter dem Namen
Supermax auf, zum Beispiel während einer TV-Show im bulgarischen Sofia,
was man als Geburtsstunde seines Erfolges im damaligen Ostblock
bezeichnen kann.
Im Jahr 1979 erschien das dritte Album
Fly with Me, das es in Deutschland ebenfalls bis auf Platz 9 schaffte,
[6] vor allem aber als internationaler Durchbruch für Supermax gilt.
Lovemachine wurde im selben Jahr erneut in den Vereinigten Staaten veröffentlicht und landete auf Platz 96 der
Billboard Blackcharts. Parallel zum eigenen Projekt Supermax produzierte Kurt Hauenstein die Mädchengruppe Bamboo aus
Surinam. Die beiden Sängerinnen hatte er bei einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten kennengelernt.
Im Jahr 1980 erschien das vierte Album,
Types of Skin, das
die Plattenfirma trotz 230.000 verkaufter Exemplare alleine in
Deutschland dennoch als Flop einstufte, da es keine Chartplätze
erreichte. Die Alben
Meets the Almighty (1981) und
Electricity
(1983) waren dann auch aufgrund mangelnder Medienpräsenz echte Flops,
zumindest gemessen an den Verkaufszahlen der ersten vier Alben.
Die Band Supermax
Hauenstein
hatte es immer wieder auf die Bühne gezogen. Daher ist es nicht
verwunderlich, dass er neben dem Projekt auch eine Live-Band als
Supermax ins Leben rief. Eine der ersten Besetzungen
[7] waren Hans Ochs (Gitarre), Rainer Marz (Gitarre; † 11. April 2016) von der deutschen Band
Jeronimo, Brad Howell (Drums),
Jürgen Zöller (Drums, 1987–2014 Mitglied von
BAP),
Peter Koch (Percussion), Thomas Jauer (Bass), Kurt Hauenstein am Mini
Moog sowie die Backgroundsängerinnen Cee Cee Cobb und Jean Graham.
Thomas Jauer wurde recht bald durch den Bassisten
Ken Taylor ersetzt, und für die anstehenden Live-Auftritte wurde der Frankfurter Keyboarder
Lothar Krell verpflichtet. Brad Howell war im Umfeld von
Frank Farian ein gefragter Arrangeur und Studiomusiker und widmete sich anderen Projekten; u. a. war er später einer der Studiosänger von
Milli Vanilli.
Wer sich Disco-Auftritte von Supermax erwartet hatte, wurde
zumindest live ziemlich enttäuscht. Von Anfang an waren die
Live-Auftritte von Supermax Rockkonzerte mit starkem Reggae-Einfluss.
Meist nahmen die Konzertbesucher mit ungläubigem Staunen erst nach
mehreren Songs wahr, was sich da auf der Bühne eigentlich abspielte.
Statt Discosound harte Drum Beats mit dem alles füllenden Bass von Kurt
Hauenstein, von
Santana beeinflusste Percussions, schwere Rockgitarren und prägnante Keyboards.
Nachdem Hans Ochs sein Glück suchend die Band in Richtung New
York verlassen hatte, stieß der österreichische Gitarrist Hannes Wildner
dazu. Er war sicherlich einer der am längsten zur Band gehörenden
Live-Musiker von Supermax. Ken Taylor und Lothar Krell dagegen verließen
Supermax bereits Anfang 1981 und wurden u. a. mit
Robby Musenbichler Gründungsmitglieder der international ziemlich erfolgreichen Band
Tokyo mit dem gleichnamigen Hit. Ken Taylor gehörte später zur Stammbesetzung der Band von
Peter Maffay.
Hauenstein übernahm nach dem Ausscheiden von Taylor selbst die Position
des Bassisten, und nach der Südafrika-Tour 1981, auf der aushilfsweise
sein alter Freund Christian Kolonovits die Keyboards bediente,
verpflichtete Hauenstein Thomas Schmitt von der Frankfurter Michael Wynn
Band als neuen Keyboarder. Ebenfalls nach der Südafrika-Tour stieg für
Peter Koch erneut Daniel Ford ein, der bereits in der Urbesetzung ein
kurzes Debüt an den Congas gegeben hatte, und die Sängerin Jean Graham
wurde durch den Sänger Larry London ersetzt.
Die Fluktuation in der Band war vorbestimmt. Da nur sehr wenige
Bandmitglieder in die Studio-Produktionen des Supermax-Projekts
einbezogen wurden, und wenn, dann lediglich als Studiomusiker abgespeist
wurden und daher finanziell kaum vom Erfolg des Supermax-Projekts
profitieren konnten, hatten sich im Laufe der Zeit fast alle Musiker
aufgrund mangelnder Perspektiven wieder von Supermax bzw. Hauenstein
getrennt.
Dazu kam, dass es dauerhaft nicht genügend Auftritts- und damit
nicht genügend Verdienstmöglichkeiten für die Bandmitglieder gab. Denn
obwohl bei den Besuchern erfolgreich, hatten Supermax-Konzerte nie die
gebührende Beachtung der Medien gefunden, da Hauenstein von deutschen
und österreichischen Redakteuren als Disco-Maxe schubladisiert und
ignoriert wurde. Hauenstein selbst sah sich aber auch als Rock- und
Livemusiker – er war tatsächlich ein hervorragender Bassist – und wollte
sich nicht von desinformierten und voreingenommenen Interviewern nur
auf seine Disco-Hits reduzieren lassen. Aus diesen Gegensätzen
entwickelte sich ein äußerst gestörtes Verhältnis zu den damals
wichtigen Fernsehmoderatoren und Musikjournalisten, was ihn letztlich
seine Publizität als erfolgreichen Livemusiker kostete, zumindest im
deutschsprachigen Raum, selbst in seiner Heimat Österreich, obwohl er
dort noch immer als Mitglied der legendären Band
Gipsy Love bekannt war.
Nord-Afrika und Ostblock 1979/1980
Völlig
anders war dies im Ausland, vor allem im damaligen Ostblock und in
Nordafrika. So wurde Supermax zum Beispiel zum Jahreswechsel 1979/1980
für zwei Konzerte in Tunis engagiert und als Topnachricht in sämtlichen
Medien platziert. Außerdem lief ihr Song
African Blood permanent
alle 30 Minuten im Radio. Nach Aussagen heimischer Musiker haben diese
beiden, teilweise frenetisch gefeierten Gigs enormen Einfluss auf die
tunesische und die afrikanische Musikszene insgesamt gehabt. Hauenstein
wurde danach mehrmals zu Sessions mit afrikanischen Jazzmusikern
eingeladen. 1980 durfte Supermax als erste westliche Popgruppe in
Jugoslawien, Bulgarien, Ungarn, Rumänien und der Tschechoslowakei sowohl
auf der Bühne als auch im Fernsehen auftreten.
Südafrika 1981
Im
März 1981 war Supermax die erste weiße Band, die bei real existierender
Apartheid mit zwei farbigen Backgroundsängerinnen ohne den bei
Konzerten vorgeschriebenen Trennvorhang zwischen weißen und farbigen
Musikern durch
Südafrika tourte. Es gibt nur wenig Material über diese Tour.
[8]
Erst einen Tag vor Tourbeginn hatte die nationale
Anti-Apartheid-Bewegung nach langen Verhandlungen ihren üblichen
Boykottaufruf gegenüber ausländischen Künstlern für Supermax aufgehoben.
Hauenstein hatte sich zwar nie politisch geäußert, doch schon die
einfache Missachtung der Apartheid war Provokation genug. Trotz
Warnungen und Morddrohungen aus beiden Lagern (Pro- und Anti-Apartheid)
gab es dann 21 Konzerte, bei denen es teilweise zu chaotischen Zuständen
kam. In einigen anderen afrikanischen Ländern wurde Hauenstein wegen
seiner Umgehung des damaligen Südafrika-Boykotts anschließend mit einem
Einreiseverbot belegt.
Hauenstein wurde erst in Südafrika bewusst, worauf er sich
eingelassen hatte, nahm die Realisierung der Tour jedoch als persönliche
Herausforderung an. Schon die gemeinsame Einreise von Hauenstein und
seiner farbigen, aus Jamaika stammenden Ehefrau Doreen war eine
Provokation des Regimes. Angeblich sollen die beiden eines der ersten
ausländischen gemischtrassigen Ehepaare gewesen sein, die zur damaligen
Zeit offiziell in Südafrika einreisen durften.
DDR-Tour 1983
Im Westen völlig totgeschwiegen und daher unbekannt ist die
DDR-Tour
vom Februar 1983 in über 20 Städten wie Cottbus, Weimar, Rostock, Suhl,
Dresden, Schkopau etc. in vollen Hallen mit jeweils ca. 2000 Besuchern
und mehr. Doch trotz hervorragender Resonanz bei den Konzertbesuchern
und der für ostdeutsche Verhältnisse hohen Gage war die Tour für die
Bandmitglieder kein Geschäft. Die Gage wurde nämlich in
Ost-Mark
ausgezahlt und durfte außerdem nicht ausgeführt werden. Die Versuche,
vor allem die der englischsprachigen Bandmitglieder, sich von der
DDR-Gage so weit wie möglich mit technischen Geräten wie Kameras oder
mit diversen Antiquitäten einzudecken, scheiterten kläglich. Der
Großteil der Tourgage (über 50.000 Ost-Mark) wurde daher
gezwungenermaßen an einige wenige Kontaktpersonen in der DDR verteilt,
in der vagen Hoffnung, dass das Geld zumindest in dem einen oder anderen
Fall in alternative künstlerische Kanäle der DDR fließen würde.
Jamaica Reggae Sunsplash Festival 1983
Ebenfalls 1983 wurde Kurt Hauenstein bzw. Supermax vom Tourist-Board in
Jamaika eingeladen, als erste Band mit auch weißen Musikern beim renommierten
Reggae-Sunsplash-Festival in
Montego Bay
vor über 40.000 Besuchern aufzutreten. Möglich wurde dies durch die
Initiative des Ministeriums, Jamaika als Touristikziel in Europa bekannt
zu machen, auch mit Hilfe von Berichten über einen Supermax-Auftritt
auf Jamaika in deutschen Medien. Selbst Redakteure des
Sterns, der
Bildzeitung
und einer Jugendzeitschrift haben auf Kosten des Ministeriums den
dreiwöchigen Aufenthalt begleitet. Bemerkenswert ist jedoch, dass die
Veranstalter des Sunsplash Festivals Hauenstein gar nicht eingeladen
haben und ihn auch nicht als Special Guest, sondern lediglich als
Opening Act auftreten ließen. Auch ist es sehr verwunderlich, dass die
Veranstalter persönlich versucht hatten, sich der Supermax-Anlage beim
Abflug durch gefälschte Beschlagnahmungspapiere zu bemächtigen. Auch
dass die Crewmitglieder von Supermax im Büro der Veranstalter ausgeraubt
wurden, spricht sicherlich nicht dafür, dass Hauenstein mit Supermax im
Umfeld der Festivalveranstalter wirklich willkommen war.
Während die Aktion
Supermax spielt auf Reggae Sunsplash Festival in Europa als gelungene Promotion für Jamaika sowie für das Label Supermax (das heißt: Kurt Hauenstein) gewertet werden darf,
[9]
werfen dagegen die Arbeitsbedingungen der Bandmitglieder einen weiteren
Schatten auf den sich seit der Südafrika-Tour 1981 gern als
avantgardistisch und politisch engagiert gerierenden Hauenstein: Die
Musiker wurden mit einer einmaligen Tagesgage von 300
DM
abgespeist und mussten sich drei Wochen ohne Einkommensmöglichkeit auf
Jamaika in einem aufgrund der damaligen politischen Unruhen bewachten
Hotel aufhalten.
Zeit der Neuorientierung
Nachdem
aufgrund der bekannten ablehnenden Art Hauensteins gegenüber
Fernsehmoderatoren trotz Bemühens des Managements keine
Promotionauftritte im deutschsprachigen Fernsehen mehr möglich waren –
in Österreich erhielt Hauenstein sogar Hausverbot – und sich die
bisherigen Bandmitglieder aufgrund mangelnder Auftrittsmöglichkeiten bei
anderen Projekten engagiert hatten, wurde es ab 1984 still sowohl um
Kurt Hauenstein als auch um die Band Supermax.
Hauenstein produzierte und veröffentlichte mehrere Titel des Supermax-Sängers Larry London unter dem Projektnamen
London Aircraaft, konnte damit aber keine Chart-Plätze erreichen. Für
Falco produzierte Hauenstein den Titel
Urban Tropical, die B-Seite von Falcos 1985 veröffentlichtem Welthit
Rock Me Amadeus.
Ohne Unterstützung seiner Plattenfirma, die sich inzwischen von
Hauenstein getrennt hatte, konnten die beiden 1986 und 1988 unter
musikalischer Mitwirkung seines Freundes Kolonovits selbstproduzierten
Alben weder in Deutschland noch im Ausland Chartplätze erreichen. Dazu
kam, dass die ihm als alleinigem Künstler bisher zugeflossenen Millionen
aus den Plattenverkäufen und Lizenzeinnahmen aus Urheberrechten für das
Projekt Supermax zwischen den Fingern zerronnen waren. Dass Kurt
Hauenstein nicht mittellos wurde, hatte er den inzwischen zwar spärlich,
aber immer noch kontinuierlich sprudelnden Einnahmen aus
Plattenverkäufen (vor allem seiner Hits auf Samplern im
nichteuropäischen Ausland) und daraus resultierenden
Urheberrechtslizenzen zu verdanken. Die von einem österreichischen
Fernsehmoderator nach der Jahrtausendwende während eines Interviews in
den Raum gestellten
über 30 Millionen verkauften Tonträger sind
allerdings völlig überzogen. Wohlwollend kann man weltweit insgesamt von
maximal vier Millionen verkauften Tonträgern ausgehen (ohne Sampler).
Im Jahr 1989 nahm Hauenstein mit alten Weggefährten aus den
1970ern wie den Gitarristen Johan Daansen und Rainer Marz sowie dem
Drummer Brad Howell sein inzwischen neuntes Album auf, zusätzlich
unterstützt von
Curt Cress und
José Feliciano.
Bemerkenswert dabei ist, dass er auch seinen ersten, inzwischen 2010
verstorbenen Produzenten Peter Hauke erneut für das 1990 unter dem Titel
World of Tomorrow erschienene Album gewinnen konnte. Das im
legendären Frankfurter Hotline Studio aufgenommene Album verkaufte sich
nicht schlecht, konnte aber auch nicht an die erfolgreichen Zeiten Ende
der 1970er anknüpfen.
Dennoch konnte Hauenstein wieder mit seiner Band Supermax auf
Tour gehen, darunter in Deutschland, Luxemburg, auf den Kanarischen
Inseln, aber vor allem im
Ostblock, wo Supermax eine eingeschworene Fangemeinde hatte. Aufgrund des Falles der
Berliner Mauer
im November 1989 musste Hauenstein allerdings seine zum damaligen
Zeitpunkt stattfindende Tour in der Sowjetunion abbrechen und konnte in
den entstandenen Unruhen in der
UdSSR nur mit größter Mühe sich selbst, seine Band und das gesamte Equipment heil nach Deutschland zurückbringen.
Nach weiteren erfolglosen Comebackversuchen verließ Hauenstein 1993 mit seiner Familie enttäuscht
Frankfurt am Main in Richtung
Gran Canaria und eröffnete dort nach sechs Monaten in
Puerto Rico die Diskothek
Supermax – MusicWorld. Hauenstein genoss die Sonne und kam anscheinend mit sich selbst ins Reine, ohne Tourstress.
Im Jahr 1995 wurde er allerdings schon wieder musikalisch aktiv.
Allein in jenem Jahr veröffentlichte er drei CDs. Dazu kamen
verschiedene Projekte, unter anderem auch mit seinem alten Freund Karl
Ratzer featuring
Chaka Khan. Auch stand Hauenstein bereits 1996 wieder auf der Bühne, unter anderem beim größten Music World Festival in
Las Palmas.
Ebenfalls 1996 rief Hauenstein gemeinsam mit den bulgarischen Musikern Konstantin Stoyanov und Yavor Roussinov das Projekt
Yaku ins Leben.
[10] Auf dem im Januar 1997 veröffentlichten Album
Total Immigration präsentierten sie eine Kombination aus
bulgarischer Folklore und
Dance.
Im Jahr 1997 stellte Hauenstein dann eine komplett neue Liveband
zusammen und startete zum 20-jährigen Jubiläum des Supermax-Projektes
seine erfolgreiche
20th Anniversary Tour durch den gesamten
Osten, die mit einem Privatkonzert in der Diskothek P1 in Wien beendet
wurde. Legendär ist das Supermax-Konzert in Sofia mit Hauenstein am
Bass/Vocals und den neuen Bandmitgliedern Manolo Guerra (Gitarre),
Gerhard Warnung (Gitarre), Ali Tersch (Drums), Edison Tadeu
(Percussion), Pedro Uche (Keyboards) sowie den Sängerinnen Cynthia
Sarraga und Betty Ann Samper.
[11] Außerdem gründete Hauenstein im selben Jahr in
Sofia sein eigenes Platten-Label
Venus Records.
Hauenstein erkannte seine Affinität zum Osten Europas und machte
daher 1998 Bulgarien neben Gran Canaria zu seiner zweiten Heimat. Mit
überwältigenden Konzerten in
Varna und
Burgas spielte sich der dort schon immer beliebte Hauenstein in die Herzen der Nation.
Auf der Suche nach neuen Herausforderungen gab Hauenstein nach sechs Jahren sein Domizil auf den
Kanarischen Inseln auf und übersiedelte in die
Excalibur City in Tschechien. Sein neuestes Projekt war der Bau einer Konzerthalle und eines Tonstudios unter dem Namen
SMX Terminal 2002, die er am Silvesterabend 1999 mit einem sogenannten
Millenniumskonzert eröffnete.
Die Jahre 2000 und 2001 widmete Hauenstein ganz seinem Projekt
Terminal 2002.
Dabei vergrub er sich in den SMX-Studios in Excalibur City und Sofia.
Das Album erschien im Dezember 2001. 2002 kümmerte er sich um den Aufbau
einer neuen Liveband, aber auch verstärkt um die Vermarktung seiner
bisherigen Produkte, unter anderem auch um das Merchandising seiner
Marke.
Im Jahr 2003 stand Hauenstein dann mit Supermax wieder auf russischen Bühnen, von
St. Petersburg bis
Wladiwostok. Außerdem zog er nach Bulgarien und begann mit den Arbeiten zum Projekt
YAKU II. In diesem Zusammenhang wurde auch der Soundtrack zu
The Land of Flies produziert.
Rückkehr nach Wien
Im Jahr 2004 veröffentlichte Hauenstein eine neue Maxisingle
Let’s Send a Message, einen klassischen Remix seines weltberühmten Superhits
Love Machine.
Dazu veröffentlichte er eine Supermax-Biographie der Jahre 1977–2004
und tourte wieder mit Band durch Russland mit Konzerten in Moskau,
Krasnodar, Wolgograd, Samara, Ufa, Perm, Ekaterinburg und vielen mehr.
Das wichtigste Ereignis des Jahres 2004 war jedoch seine Rückkehr in seine Geburtsstadt Wien.
Im Jahr 2005 unterzeichnete Hauenstein bei
Universal Music Austria einen neuen Vertrag. Die DVD
Rhythm of Soul Vol. 1 – Anthology ’77–’93 erscheint als Start der neuen Zusammenarbeit mit Universal. Bekannt aus dem Jahr ist außerdem sein Projekt
Atlantis – das Geheimnis der versunkenen Seele mit Manuel Rigoni und Stefan Tauber.
Im Jahr 2006 traf sich Hauenstein mit dem Soundspezialisten
Taliesin. Zusammen kreierten sie einen neuen Supermax-Sound für einige
Remixe sowie einen völlig neuen Bühnenauftritt für die geplante
Jubiläumstour 2007
The 30th Anniversary Tour. Im Dezember 2006
spielte Hauenstein bereits mit neu formierter Band wieder als Supermax
vor 2,5 Millionen Fernsehzuschauern am ersten
UNESCO-Friedenskonzert in
Colombo,
Sri Lanka, dies auf Einladung des UNESCO-Nationalkomitees Sri Lanka, des Sri Lanka Tourist Boards und Dji Dieng Managements.
Anfang 2007 engagierte Kurt Hauenstein ein neues Management für
sich. Im Mai spielte er mit Band als Supermax vor mehr als 60.000
Zuschauern bei einem Open-Air-Konzert in Bulgarien. Der Erfolg war so
groß, dass die bulgarischen Organisatoren weitere Konzerte ins Auge
fassten. Am 30. September 2007 entstanden in der Schweiz weitere
Aufnahmen des neuen
Doppelalbums in Zusammenarbeit mit Buddha Monk, einem Rapper aus dem Umfeld der Gruppe
Wu-Tang Clan.
Im Jahr 2008 nahm Hauenstein zusammen mit Buddha Monk auf Einladung des Gründers und Präsidenten
Gery Keszler am
Life Ball teil, eine der größten und spektakulärsten jährlichen Wohltätigkeitsveranstaltungen weltweit für an
HIV bzw.
AIDS erkrankte Menschen.
Ebenfalls 2008 erhielt Hauenstein für sein Lebenswerk den
Amadeus Austrian Music Award[12],
den größten österreichischen Musikpreis im Bereich Popmusik. Zusätzlich
wurde Hauenstein im selben Jahr mit dem silbernen Verdienstzeichen des
Landes Wien ausgezeichnet
[13],
eine der bedeutungsvollsten Ehrungen, die zum damaligen Zeitpunkt vom
Bundesland Wien ausgegeben wurde. Bereits sein 1989 verstorbener Vater
erhielt das goldene Verdienstzeichen des Landes Wien.
Tod und Grabstätte
In der Nacht vom 20. auf den 21. März 2011 verstarb Kurt Hauenstein an Herzversagen.
[14] Er wurde am 1. April in einem
ehrenhalber gewidmeten Grab (Gruppe 40, Reihe 5, Nummer 28)
[15] am
Wiener Zentralfriedhof in unmittelbarer Nähe zur Musikerlegende
Falco beigesetzt.
[16] Mehrere hundert Menschen gaben Kurt Hauenstein
das letzte Geleit, darunter persönliche Freunde wie die Produzenten
Frank Farian und
Christian Kolonovits, der eine Rede während der Trauerfeier in der
Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus hielt. Die bis zu seinem Tod bestehende Band erwies Hauenstein am Grab die letzte musikalische Ehre.
Hauenstein besaß eine Vorliebe für
Harley-Davidson-Motorräder und war den
Hells Angels verbunden. Mitglieder dieser Gruppierung hielten die Totenwache in der Kirche und trugen seinen Sarg zu Grabe.
Anscheinend ist Hauenstein völlig verarmt verstorben. Nach
Aussage von Ronald Seunig, einem – wie auch schon für Falco – zum
Nachlassverwalter berufenen langjährigen Freund Hauensteins, konnte aus
den Mitteln des Nachlasses noch nicht einmal ein Grabstein finanziert
werden. Seunig kündigte an, persönlich die Kosten für Hauensteins Grab
zu übernehmen.
[17] Bis zur endgültigen Gestaltung des Grabes übernahm ein Friedhofsgärtner unentgeltlich die Pflege von Hauensteins Grab.
[18] 2012 wurde dann das aus italienischem Marmor bestehende Grab Hauensteins fertiggestellt.
[19]