Sonntag, 28. Februar 2021

FELIX KRAMER

 

EP (2018)

Wahrnehmungssache (2018)

Alles Gut (2020)

 Felix Kramer (eigentlich Felix Pöchhacker[1], * 1994 in Wien) ist ein österreichischer Liedermacher und Singer-Songwriter

In seiner Jugend wollte Pöchhacker professioneller Basketballspieler werden und besuchte deshalb ein Sportgymnasium. Nach einem Unterarmbruch im Alter von 12 Jahren[1] wechselte er an ein Musikgymnasium.[2] Danach absolvierte er ein Studium in klassischer Konzertgitarre an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien und wurde dort unter anderem vom Gitarristen Michael Langer ausgebildet. Weiters besuchte er ausgewählte Fächer in Kompositionslehre und Jazztheorie.[3]

Nach einigen, wenig erfolgreichen Projekten wie einer Ska-Band und einem elektronischen Noise-Projekt widmete sich Pöchhacker ca. 2017 seiner Karriere als Liedermacher.[1] Dafür verwendet er anstatt seines bürgerlichen Namens den Nachnamen seiner Mutter, da Felix Kramer leichter merkbar sei und schöner klinge als Felix Pöchhacker.[2] Nach erfolgreichen Auftritten und Wettbewerben veröffentlichte er im März 2018 seine erste, selbstbetitelte EP, welche von der Zeitschrift The Gap als eine der wichtigsten Veröffentlichungen im März 2018 in der Kategorie "Muttersprachenpop" genannt wurde.[4]

Am 21. September 2018 veröffentlichte er schließlich sein Debütalbum Wahrnehmungssache, welches alle Lieder der zuvor veröffentlichten EP enthält.[5] Das Album wurde von Kritikern in höchsten Tönen gelobt und war für drei Wochen in den österreichischen Charts vertreten.[6]

Zu Kramers Einflüssen zählen neben österreichischen Liedermachern wie Ludwig Hirsch auch Chansonniers wie Jacques Brel oder Singer-Songwriter wie Bob Dylan. Auch Leonard Cohen und die Band Element of Crime wurden von Kramer als Vorbilder genannt.[7]

 

Dienstag, 23. Februar 2021

PETER HAVLICEK

 Steinberg und Havlicek - 1997 (1997)

1997

Steinberg und Havlicek - Unhamlich leicht (2002)

Unhamlich leicht

Steinberg(Traude Holzer) und Havlicek - Himmel und Höll' (2002)
 Himmel und Höll'

Steinberg und Havlicek sind ein Wienerliedduo der neuen Wiener Volksmusik.
Das Duo wurde 1988 von der Steirischen Sängerin Traude Holzer und dem Wiener Kontragitarristen und Sänger Peter Havlicek gegründet. Nachdem sie sich an der Jazzabteilung der Musikhochschule Graz kennengelernt hatten, entdeckten die Beiden bald ihre gemeinsame Leidenschaft für die Wiener Musik und begannen, immer mehr Wiener Gstanzln und Lieder in ihr Jazzprogramm aufzunehmen. In den weiteren Jahren und nach vier gemeinsam veröffentlichten CDs mit Wiener Musik finden sich jazzige Klänge genauso im Programm, wie Gedicht und Prosavertonungen und tragen so zum Klang der 2 Stimmen samt Kontragitarre bei.
Steinberg und Havlicek wurden immer wieder durch Karl Hodina, Roland Sulzer, Walther Soyka oder Helmut Stippich an der Harmonika, sowie die Neuen Wiener Concert Schrammeln unterstützt.

 Zwiefoch+ (Neugebauer, Micko, Havlicek) - 3 für Weihnachten und eins für Sylvester (2006)
3 für Weihnachten und eins für Sylvester

 Steinberg(Traude Holzer) und Havlicek - Alles Gute! (2010)
 Alles Gute!

Mischwerk als Gast Peter Havlicek - Rejodelt (2012)

   Helmut Stippich, Maria Stippich, Reinhard Uhl, Peter Havlicek, Franz Hofferer, Mischwerk
Rejodelt


 Peter Havlicek - Schrammel und Die Jazz (2013)
Schrammel und Die Jazz

Dickbauer Stippich Havlicek - Vienna Folk (2016) 
 Vier musikalische Größen der lokalen Szene legen ihre erste Zusammenarbeit vor. Maria Stippich (Gesang), Helmut Stippich (Knopfharmonika), Peter Havlicek (Kontragitarre) und Johannes Dickbauer (Violine) legen traditionell Wienerisches wie den Dudler über bisweilen disharmonisch anmutende Jazzklänge. Trotzdem: Die Töne greifen ineinander und bescheren den Hörenden, begleitet etwa von einem Text des Autors Robert Kolar, weichen, bekömmlichen Musikgenuss. Das Experiment ist also gelungen. 
 Vienna Folk

 Kolar, Sulzer, Havlicek - Mach dir nix draus (2016)
 Mach dir nix draus

 Claudia Rohnefeld und Peter Havlicek - Schee Fad (2019)

 Die Schauspielerin und ehemalige Conferenciere des Kabarett Simpl Claudia Rohnefeld und Peter Havlicek bilden seit über 10 Jahren ein eingespieltes Wienerliedduo.
Mit Dauer der Zusammenarbeit wurde der Wunsch nach eigenen Liedern immer größer.
Seit 2015 arbeiten Claudia Rohnefeld und Pepe Starman an Texten, die das Wienerische als Sprache und Kulturgut hochleben lassen. Das Alltägliche findet in ihren Songs dabei genauso Platz, wie das Skurrile, das Herzliche und das Morbide.Peter Havlicek hat - teilweise gemeinsam mit Claudia Rohnefeld - diese Texte groovig wienerisch vertont. Aufgeführt wird mit Stimme, Kontra- oder Jazzgitarre – immer wieder mit Schlagzeugbegleitung.
Hier entsteht Musik, die sowohl berührt, als auch zum Lachen bringt, und in ihrer Form aussergewöhnlich ist.
Schee Fad

 Peter Havlicek (* 17. April 1963 in Wien) ist ein österreichischer Musiker (Kontragitarre, Jazzgitarre, Komposition, Gesang).

Havlicek studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz klassische und Jazzgitarre bei Harry Pepl; 1991 erwarb er das künstlerische Diplom Jazzgitarre. Er widmet sich der Erneuerung der Wiener Musik sowie neuen Musikformen zwischen Klassik und Jazz. 1988 gründete er gemeinsam mit der Sängerin Traude Holzer das Duo Steinberg und Havlicek. 1994 war er Mitbegründer der Neuen Wiener Concert Schrammeln; 2000 war er Mitbegründer der Gruppe Des Ano.
Er spielte am Wiener Burgtheater, der Volksoper in Wien, dem Wiener Volkstheater, dem Theater in der Josefstadt, sowie u. a. mit Robert Meyer, Karl Heinz Hackl, André Heller, Michael Heltau, Karl Markovics, Wolfgang Böck, Hansi Lang, Ed Thigpen, Benny Bailey, Karl Hodina, Trude Mally, Karl Ferdinand Kratzl und Bodo Hell.




In Memoriam KARL HODINA (7. Juni 1935 in Wien; † 24. März 2017)

Seine schönsten Lieder (1988)
Seine schönsten Lieder

 Duo Hodina - (Edi) Reiser - Dort nur wo a Musi klingt! (1992)
Dort nur wo a Musi klingt!

Karl Hodina & Alegre Corea - Brasilianische Schrammeln (2002)
Brasilianische Schrammeln

 Karl Hodina & Roland Neuwirth - Briada (2007)
Briada

Duo Hodina - Havlicek - Impressionen am Schafberg (2016)
Impressionen am Schafberg

 Geborgene Schätze

Geborgene Schätze

 Karl Hodina & Peter Havlicek - Neue Schätze (2020)

 Neue Schätze

25 Freunde spielen Lieder von Karl Hodina

(Rudi Koschelu, Bertl Mayer, Nikolai Tunkowitsch, Martin Spitzer, Peter Havlicek, Karl Sayer, Tommy Hojsa, Traude Holzer, Fredi Gradinger, Tini Kainrath, Joschi Schneeberger, Wolfgang Linhart, Claudia Rohnefeld, Marie Theres Stickler, Alegre Corrêa, Johannes Dickbauer, Bernhard Ehrenfellner, Helmut Stippich, Katharina Hohenberger, Robert Reinagl, Diknu Schneeberger, Julian Wohlmuth, Martin Heinzle, Aljoscha Biz, Roland Sulzer)
 


das ist nur ein ganz kleiner Auszug seines Schaffens 

Karl Hodina gründete 1957 das Vienna modern Jazzquartett und arbeitete dann mit Fatty George zusammen. Seit den 1970er Jahren widmete er sich dem Neuen Wienerlied, beginnend mit einer Vertonung eines Gedichts von H. C. Artmann, „Fia d’Erni.“ Viele Lieder schrieb er zu Texten von Walter Pissecker. Er komponierte bekannte Lieder wie „Herrgott aus Sta“ oder „I lassert Kirschen für di wachsen“. Auch trat er – teilweise als Moderator – in verschiedenen Rundfunk- und Fernsehsendungen des ORF auf, unter anderem bei der Leitung des ORF-TV-Beitrages „Der letzte Werkelmann“ zur Berlinale 1972. 1979 verfasste er das Wienerliederbuch „O du lieber Augustin“. Er war ein Virtuose auf dem Akkordeon. Insbesondere im Duo mit Gitarrist Gerd Bienert spielte er daneben auch Jazz. Mit Roland Neuwirth war er im Jahr 2000 künstlerischer Leiter des Wienermusik-Festivals wean hean.
Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Ottakringer Friedhof (Gruppe 4, Reihe 21, Nummer 16) in Wien.


Montag, 22. Februar 2021

Camo & Krooked, Christian Kolonovits & Max Steiner Orchestra - Red Bull Symphonic (2020)

 

Red Bull Symphonic

Bei ihrem neuesten Projekt stehen Camo & Krooked nicht nur vor einer Mauer, sondern auch vor einem Graben. Einem Orchestergraben, um genau zu sein. Bei Red Bull Symphonic interpretieren sie ihre besten Tracks mit einem Orchester – eine Idee, mit der sie schon länger schwanger gingen. Als Hebamme für das opulente Werk fungiert niemand Geringerer als Christian Kolonovits, 67, Altmeister des Austropop, Komponist und generell Mensch vieler Talente. Schon bei den Proben wurde klar: Klassische Musik und Drum ’n’ Bass klingen nicht nur unterschiedlich, Arbeitsweise, Energie und Fachbegriffe sind es ebenfalls.
Camo & Krooked und Christian Kolonovits mussten erst eine gemeinsame Sprache finden, die Essenz der Tunes, Grooves und Klangfarben herausarbeiten. Töne, die am Computer synthetisch erschaffen wurden, für ein siebzigköpfififiges Orchester übersetzen. Harte Arbeit, hart am Burnout, aber erneut hat sich die Akribie in Magie verwandelt. „Wir wussten, unser normales Leben steht nun drei Monate still. Aber dafür ist das Ergebnis am Ende einzigartig.“
 

Sonntag, 21. Februar 2021

KONKORD 2

 

The Tangerine Turnpike ‎– Transmission Tiffany (2011)

Psychedelic jam band hippie folk dance blues retro punk country indie lounge electro infected rock ‘n’ roll. Ja, es gibt ihn auch im Rock’n’Roll – den kategorischen Imperativ: “Bretter einen Song so kompromisslos dahin, dass auch der letzte Einzeller im Universum versteht, dass Rock kein rechtsdrehendes Diät-Jogurt ist!” Deswegen spielen ihn The Tangerine Turnpike gerne fett und funky. Als Salzburger starten sie mit ihrem Transmission Tiffany gleich ab Sekunde 0,001 eine fetzige Attacke auf süßliches Mozartkugel-Gedudel und schleimiges Smalltalk-Gewinsel. Das gitarrenschwere Quartett ist eigentlich und soundso in Motor City Detroit zuhause – dort, wo die Architektur auf Abbruch und Wildwuchs scharf ist.MC5, Mitch Ryder und die Stooges hätten ihren hartgesottenen Spaß an TTT gehabt: die Gitarren so tief wie möglich gelegt, der Sound wie eine Big-Block-V8-Maschine, Feuerwasser brennt sich seinen Weg durch die Einspritzanlage. In Zombie Dust geben sie Vollgas bei gezogener Handbremse, lassen sich Synthie-Sounds in Gitarrenlicks verbeißen und knallen in Zeitlupe in eine Wall of Sound. Abgehackte Grooves tanzen in Kill the Stag mit am Irrwitz vorbeischrammendem Gitarrenprügeln. Fix und fertig in 2 Minuten. Jede gesparte Sekunde zählt doppelt: Zeit ist Rock’n’Roll. Mit Pink Banana Boogie heizen sie den Tanzboden schon mal vor und bringen den Chicken Shack zum Kochen. Die Königsdisziplin heißt im Rock immer noch: wie der Teufel in Tanzbein und Hüften fahren. Mit This Electricity schieben sie sich lässig die Krone ins Genick. Freakout auf der Tanzfläche. Die Regler stehen Anschlag auf noise und beat as beat can. Bis zur totalen Verausgabung. Dreschen in die Luftgitarre ist verdammt nochmal erlaubt! Headbangen mit dem Holzboden auch. Das Haupthaar geschüttelt und das Hirn zu Brei gerührt.


 Paul Divjak ‎– Science Fiction Pocket Museum (2012)

 Nach a glimmer of hope, rauschgold, aural siesta und money präsentiert der Multiformat-Künstler Paul Divjak wieder eines seiner feinen elektronischen Konzept-Minialben. Das Thema diesmal: das Space Age, die Zeit der obskuren SciFi-Trashfilme und der Faszination über fremde Planeten und entfernte Welten der Zukunft. Wie der lange verschollene Soundtrack eines abgefahrenen Late-Night-B-Movies der 50er Jahre klingt das aus den Lautsprechern, was Paul Divjak gemeinsam mit Mix- and Master-Mind Hans Platzgumer hier produziert hat. Es knarzt und piepst und rauscht aus den verstaubtesten Ecken des Universums. Kosmische Hintergrund-Drones – Beauty survives, wie Captain James T. Kirk völlig richtig erkannt hat!

Sweet William Van Ghost ‎– For God And Christoph Marek (2013)

Freak Out, Bitches Brew, London Calling, Trout Mask Replica, Zen Arcade, Electric Ladyland … wenn die Töne & Textschleifen im Kopf explodieren, sind A-Seite & B-Seite einer 12-Zoll-Vinyl-Schallplatte einfach zu eng gesteckt. Dann ist die Königsdisziplin Doppel-Album angesagt.Das cranky universe des Schwarzen Prinzen der Wiener Musik-Szene – Sweet William van Ghost – in vier Vinyl-Seiten reinzupressen war für Konkord die Herausforderung des letzten Jahres. Herausgekommen ist For God and Christoph Marek – ein radikal solitäres Album, das in der österreichischen Musiklandschaft steht wie der Monolith aus “2001: A Space Odyssey”. Eine melodiöse Folterkammer mit Piano und bizarren Soundskizzen, ein melancholischer Folterknecht, der keine Gefangenen macht: “The kids ain’t allright // So let’s fucking shoot them all”. Grausamer Schmerz zum Mitpfeifen. Hier ist nichts lau. Hier geht’s immer ums Ganze. “I’m so full of love // And it’s all for you” – was beim Befindlichkeitssongwriter von nebenan nach Fertiggericht aus dem Gefühls-Plug-in klingt, schmeckt bei Sweet William van Ghost nach Lust, Gefahr & Chaos.Dabei verschwimmen Grenzen von Genres und lösen sich auf. Chanson? Pop? Elektrofrickelei? Exorzismus? “Porn is art.” Musikalisches Borderlinertum kombiniert mit der Grazie eines im dunklen nordischen Winter abgedrehten Schwedenpornos. Hardcore mit Seele. “Music is for dreamers // I don´t dream anymore” – dort, wo die Musik aufhört, beginnt For God and Christoph Marek erst. Phantastisch.

The Pet Goats ‎– Cartoons (2012)

Es gibt Bands, die schmecken nach parfümiertem Vollbad und stundenlanger Session vorm Handspiegel. Never ever!, rotzen The Pet Goats. Noise und Trash sind die einzigen Geschmacksverstärker dieser Band aus dem angefaulten Big Apple. Gitarren prügeln eine Handvoll Akkorde zu einem hypnotischen Soundteppich. Der Rhythmus rumpelt, als hätte der Schlagzeuger den Beat auf den Küchengeräten von Velvet Undergrounds Mo Tucker gelernt. Man muss nicht Punk sein, um Punkrock zu machen. Denn wisse: Weniger ist viel mehr, wenn du wirklich was zu sagen hast. Kuscheltiere sind The Pet Goats keine. Aber das Zeug zur Lieblingsband haben sie allemal.
 

Bonanza - We Never Die At Home (2012)

Das Wiener Elektronikduo bonaNza präsentiert mit we never die at home seinen frischen Clubsound aus unkonventionellen und virtuosen Beats und Samplingarbeiten. Fließend koppelt bonaNza kargen Minimalhouse mit Noise und Industrial, kantige Techno-Beats mit verträumten Filmmusikversätzen, oder fröhliche Reggaeton-Rhythmen mit düsteren, angezerrten E-Gitarrensounds. Vertraute Stimmungselektronik erscheint dabei in einem völlig neuen Kontext. Seit 2006 treten Eberhard und JSX, zwei Altbekannte der Wiener Musikszene, als bonaNza sowohl auf Tanzflächen wie auch auf Kunstfestivals auf. Sie schaffen mit diesem Projekt Genre-Mixes und Neuentwürfe einer Clubmusik, die trotz ihrer Verspieltheit nichts an ihrer Tanzbarkeit einbüßen.

Alexander J. Eberhard – viola, electronic devices
JSX aka Jorge Sánchez-Chiong – turntables, electronic devices

Lorelei Lee - Teddy Toys (2012)

Betörende Bilder stellen sich beim Hören von Lorelei Lees neuem Album TEDDY TOYS ein. Die Sängerin Sonja Romei, der Elektroniker/Gitarrist Palme und ihre Mitmusiker Julian Preuschl, Jakob Schell und  Jakob Kovacic haben eine cineastische Art Musik zu machen für sich gefunden, die einen sanft aber unwiderstehlich mitnimmt – auf die Reise in eine faszinierende Zwischenwelt aus Vaudeville-Verlockung, Broadway-Extravaganz, Jazzclub-Intimität, Dancefloor und Elektronik-Klanglabor.Die leidenschaftliche und noble Diseuse Sonja Romei erzählt mit lasziver Stimme Geschichten aus einem verspielten, glitzernden Mikrokosmos zwischen Hinterzimmer und großer Bühne. Mit sicherem Gespür fürs Arrangement und einer stilvollen Vintage-Klangästhetik zaubern Lorelei Lee aus charmanten Grooves, eleganter Instrumentierung und elektronischen Klängen ihre reduzierten und doch so reichen Atmosphären und Songs.Perfekt hingehauchte Chansons, Downbeat-Pop mit viel Jazzappeal, verblüffende elektronische wie instrumentale Details und die hervorragende Produktion von Rene Kornfeld und Patrick Pulsinger erzeugen einen Gesamtsound, in dem die Grenzen zwischen gespielt und programmiert zusehends verschwinden. Kongenial der Gastauftritt des großartigen Crooners David Kleinl (Tanz Baby!) auf dem nonchalant-fiesen Track “Mann Deiner Wahl”. Und als passenden Abschluss gibt’s eine auf die Essenz reduzierte, hintersinnige Version des Hildegard-Knef-Klassikers “Für mich solls rote Rosen Regnen” – könnten Sie da widerstehen?

Bee Pop (Paul Divjak & Wolfgang Schlögl) ‎– Team Tool Time (2012)

Bee-Pop-A-Lula, you´re my honey!

Zwei Dirigenten und gut 100.000 Musiker – solch ein großes Orchester gab es wohl noch nie zuvor in der Geschichte des Field Recording. Die beiden Künstler Paul Divjak und Wolfgang Schloegl bilden zusammen das Team Tool Time, verpflichtet der angewandten Klangforschung an der Schnittstelle zwischen Alltag und Kunst. Für das erste Album des Teams wurde im Sommer 2012 der Lebensraum der Apis mellifera, also der westlichen Honigbiene besucht.Das beiden Künstler im Imkergewand, die Stöcke mit hochsensiblen Mikrofonen verwanzt und 100.000 Bienen lautstark bei der Arbeit: erstaunliche Klangwelten aus dem Mikrokosmos der Drohnen, Arbeiterinnen und ihrer Königin!
Nach getaner Klangernte wurde das vielstimmige Summen, Brummen, Schwirren und Kommunizieren mit den Geräuschbeigaben der Imker-Gerätschaften zu einem faszinierenden Bienen-Soundtrack verdichtet.Bienen-Beats und Drohnen-Drones, buzzing, buzzing in your head!

Paul Divjak, Autor, Künstler, Kulturwissenschaftler

 Wolfgang Schlögl (aka I-Wolf), Musiker, Komponist, Produzent


 Wintergarten - Wintergarten (2013)

Musik aus dem finsteren Herzen der bayrischen Seele

Satter bayrischer Dialekt auf einem Wiener Platten-Label? Ja dürfen’s denn des? Und wie sie das dürfen! Denn der Tod ist zwar ein Wiener, aber das Sterben beginnt schon in Bayern. Schon der erste Song des Albums ist eine Hymne an die Lebens-Müdigkeit: Mia san miad. Nach ein paar Minuten zieht das Münchner Duo Wintergarten, das sich aus dem gebürtigen Chiemgauer Andreas Moosmüller und Oliver Lichtl zusammensetzt, schon das gnadenlose Resümee: „Ois hamma gsehgn / und nix hamma gspürt / aber jetzt samma miad“. Mit letzter Kraft wird noch der Drumcomputer eingeschalten, und das Unfassbare geschieht: Mit Rhythmus klingen Wintergarten noch desperater! Electro trifft auf getragene Dorfkapellen-Bläser in slow motion. Die oft in tiefem Timbre gehaltene Stimme singt von Vergänglichkeit, Einsamkeit und Sehnsucht. Knarziger Bontempi-Sound schultert sich mühselig empor schraubende, fast sakral anmutende Passagen. In düsteren Musikschleifen verfangen sich schwermütige Textfetzen in bayrischer Mundart. Eiseskälte zum Mitsummen. Stubenmusik im Angesicht des letzen Gerichts. Da schickt uns Wintergarten auf die „Bluadwiesn“, stimmt uns ein „Requiem“ an und zimmert uns einen „Sargg“. In Schubladen lassen sich die düster-grauen Songs nicht einordnen. Der Geist von Ludwig Hirsch und seinen „Dunkelgrauen Liedern“ grüßt aus weiter Ferne, die Experimentierfreudigkeit von Attwenger wird aufgegriffen und an manchen Stellen fühlt man sich gar an die morbid-düsteren Klangwelten von Portishead erinnert. Und was oft so klingt wie nebenbei hingeklimpert, erweist sich als teuflisch gut arrangiert: Jeder Sound sitzt, jede Melodie pickt und lieber einen Ton zu wenig als zu viel. „Wennts moants ihr habts mi kennt / dann habts eich sowieso teischt“. Irgendwie hört man dabei auch alte Volksmusik, in Zeitlupe ächzend, vom Schicksal gerädert, heraus. Aber das passt schon. Denn das Volk, das hatte auch noch nie was zu lachen. Und der nächste Frühling, der kommt bestimmt.

Protestant Work Ethic ‎– Rush For Second Place (2013)

Mit so viel sympathischem Hohn wurde dem wahnwitzigen Effizienzdenken selten eine reingesemmelt. Denn dass sich eine derart relaxte und verspielte Combo “Protestant Work Ethic” nennt, zeugt von subtiler Ironie & der einzig richtigen Sicht auf die Welt. Das Geheimnis zeitloser Songs? Simon Usaty & seine Mitarbeiter praktizieren es: sich Zeit nehmen und genau in sich hinein hören. Mollige Weihnachtsbläser geben die Staffel in aller Ruhe weiter an ein Banjo, das über Stock und Stein hüpft. Dabei trifft es auf verstreute Choristen & Harp-Töne, die sich alle mit auf den Weg machen, um dem weiten Horizont hinter die Kulissen zu schauen. Ankommen heißt weiterschlendern – auch wenn in den Songs gern mal ein Gang zugelegt wird.Große Gesten werden hier nicht zelebriert, sondern tauchen nebenbei auf. Folk, Pop oder Americana mit einem kräftigen Schuss Wiener Melange-Melancholie? Ja, das auch. Aber noch viel mehr. Protestant Work Ethic schenken uns mit Rush For Second Place eine akustische Foto-Collage mit ins Pastell verwaschenen angegrauten Momentaufnahmen, die unaufdringlich aber dafür umso dauerhafter in den Gehörgängen ihre Zelte aufschlagen.

Tschok - Tschok EP (2013)

Eine Flaschenpost aus dem Reich vergehender Geister.

Was ist eigentlich ein Tonträger? Rillen verpackt in einem Kartonumschlag? Nicht nur. Ein Statement? Ein Versprechen? Das auch. Manchmal ist ein Tonträger so etwas wie eine Flaschenpost. Wie dieses Debüt in Vinyl, das Konkord jetzt entkorkt. Der Geist aus der Flasche namens Tschok schwebt in den glory days des Pop: Synthesizer vibrieren und fiepen als gäbe der Electro-Wave der 80er-Jahre sparsam Morsezeichen aus dem Winterschlaf. Und auch die Nonchalance, mit der Michael Lahner einen Hauch von schaumgebremsten Pathos in seine Stimme einschmuggelt, erinnert an die ganz großen Popbands dieser Zeit – ohne danach zu klingen. Das Geheimnis von Geistern ist ja schließlich: dass sie da sind und doch nicht da sind. Aber sind Geister nicht auch nur Skizzen? Mit diesen vier Songs gelingt Tschok das Kunststück, bei minimalem Aufwand vier vollendete Entwürfe vorzulegen.Bei “Ikebana” wird entspannt ein lässig treibender Groove aus dem Ärmeln geschüttelt, der auch Schildkröten mit Faible für Postrock zum Swingen bringt. Und “The Slumber” zerfasert gegen Ende so wunderbar melancholisch, man möchte sich mit Zeitschleifen in diesen Song verlieren, nur um die letzten Zeilen immer aufs Neue summen zu können. Diese EP ist eine Flaschenpost aus dem Geisterreich der Zwischentöne. Denn nicht alles, was das Ohr erfreut, muss gespielt werden, damit es auch klingt. “Ach du lieber Tschok. Die Abenteuer eine Dohle in einem oberbayrischen Dorf.” – so lautet der Titel eines alten Kinderbuches. Was haben Dohlen mit diesem Sound zu tun? Rätsel über Rätsel.

The Pet Goats ‎– Operetta (2013)
 

Mopedrock!! - Virage (2014)

Pfiffiger Garagenpunk – Mopedrock!! und die Jagd nach dem Noise in der Melodie.

Roooooar! – grölten einst schwer die aufgemotzten Maschinen der “Easy Rider”-Leibgarde. Dem setzen jetzt Mopedrock!! charmant und laut ihr Shooobidooobidooo! entgegen und knattern damit gleich auf der Überholspur los. Und statt auf schwere Bikerstiefel und Fransen setzen sie auf La France und lässige Sonnenbrillen. Kein Wunder, dass sie 2011 mit ihrem grandiosen Debutalbum “Vasistas” (KONKORD 057) eine furiose bombe surprise zündeten: Rau und schlau zugleich knallten uns die Chansons wie übermütige Straßenjungs um die Ohren. Endlich wieder high energy Rock’n’Roll zum Mitpfeifen – Plastic Bertrand schickt Tulpen. Geht’s noch schärfer? OUI!!! Die Wiener Chansonpunkfanatiker schweißen auf ihrem neuen Album Virage (KONKORD 078) einfach einen fetten V8-Motor aufs petite Moped, kleben Silvesterraketen drauf und geben mit dem Hinterreifen Gummi, bis er sich rotzfrech durchs Tanzsaalparkett durchgräbt (Tipp des Hauses: Ca me fait voler).

Jakob Ortis, Marlies Schläger, Nicoletta Hernández und Andreas Leikauf haben fürs neue Album in die Hände gespuckt und noch ein paar Schrauben fester angezogen: Avec Lässigkeit und Lockerheit schütteln sie 13 charmant funkelnde Songperlen aus dem Ärmel – inklusive schönschrägen Gitarren, die wie bei L’arrache-bras mal wild, mal groovy – Faut que tu viennes – um die Ecke schrabbeln. Trompete bei Place de l’Étoile and more und Backgroundchöre fetten den Sound kräftig ein. Damit bleibt er geschmeidig und flott. Wie das klingt? Fantastique, denn dieses Moped fährt mit einem exzellenten Mix aus staubtrockenem Champagner und hochprozentigem Pastis und fetzt Ohrwürmer wie Mme Beauvoir und Sous la scène mit einem leichten Schwips auf die Platte – und in die Discos. Bon!

A Colourful White - Change Is An Engine (2014)

2014 Die ersten Sekunden entscheiden. Diese Hürde gilt es für jeden Song zu meistern. Speziell seit digitalen Zeiten. Und besonders, wenn der Absender ein noch unbeschriebenes Blatt ist. Nur wer es schafft, mit den Anfangstakten einzuhaken, eine Punktlandung auf der Gefühlsebene hinzulegen, braucht das Wegzappen des Publikums nicht zu fürchten. Diesbezüglich können a colourful white absolut beruhigt sein. Mit „Change Is An Engine“ ist dem Quintett aus Linz gerade ein Debutalbum gelungen, das gleich mehrere solcher Songs aufbietet, die einen sofort packen und bis zum Ende nicht mehr loslassen. Von akustischen Gitarren und einem Piano getragen, treiben auf dem Album die Melodien mal munter mal melancholisch dahin. Die bewussten Anklänge an die eine oder andere englische Vorzeigeband der letzten Jahre verweisen dabei auf Quelle und Pool aus dem A Colourful White freizügig schöpfen. Auf „Change Is An Engine“ funktioniert das aus drei Gründen hervorragend. Erstens kann der mit Travis, Blur & Co. sozialisierte Sänger und Songwriter der Band, Gerhard Scheuchl, eigenhändig eingängige, eigenständige Songs schreiben, die sich nicht verstohlen im Schatten besagter Bands herumdrücken. Zweitens verfügt er obendrein über die perfekte Stimme dafür. So appelliert er etwa in „Don’t Go Astray“ fallweise an die Sehnsucht, während er in „Benny & the Bats“ nicht minder gekonnt auf das Euphoriepedal drückt.
 Drittens kommt zum Tragen, dass der Kern von a colourful white den Trümmern einer lange dem Postrock zugeneigten Band entstiegen ist. Die einstige musikalische Schwere wurde zwar abgelegt. Die Eingespieltheit blieb aber erhalten. Und mit dem Piano von Maria Feldmann kam exakt die Klangfarbe hinzu, die Scheuchl für seine Art transparent und ideenreich arrangierter Songs unbedingt benötigt. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Von der ersten bis zur letzten Sekunde.
 

 Propella - Turn It On (2014)

Propella oder: In voller Fahrt aufs Riff knallen. Mit einem gut platzierten Tritt in die Magengrube springt die knarrende Tanzmaschine gleich beim Titelsong “Turn It On” an. Intensiv, unverblümt, spontan – Sängerin/Gitarristin Babl Raketa verstörte schon mit ihrer Band Pantskirt das Publikum mit ihrem Rock’n’Roll der völligen Verausgabung. Da spürt der Zuhörer den rotzig-trotzigen Atem Polly Jean Harveys im Nacken. Bei Propella fügen Nadine Abado (Gesang/ Bass) und Heike Mangold am großartig verschleppten Schlagzeug dem Ganzen eine fette Dosis an Lässigkeit und hinterfotziger Entspannung hinzu. “I put my dancing shoes on and I dance” – aus der gefährlichen Kampfansage der Generation Disco schnitzen Propella im Song Dance mit schartigen und gleichzeitig messerscharfen Gitarren die heimtückische Eleganz eines Schlagabtauschs von räudigen Katzen auf dem heißen Blechdach. “Swim on the top of the wave before it breaks” – eine Songzeile als Gebrauchsanweisung. Keine Zeit für Kompromisse, viel Zeit für glänzende Schnappschüsse. Stimmen schieben sich aus dem Hintergrund nach vorne, hebeln gekonnt das gekannte Soundgefüge aus, schrauben sich ins Ohr und fluten wieder zurück. “Turn It On” ist nicht einfach nur eine lässige Platte. “Turn It On” ist der Beweis, dass Zerrissenheit als Fahrplan eine runde Sache ist.

Protestant Work Ethic - Are Wading In The Shallows (2016)
 

The Good Library - Trails (2016)

Schallmauern einreißen und mit auf den Trip kommen – The Good Library „Trails“

„Welcome on board! Please fasten your seatbelts. Our pilots have already left the ground. Ein Jet zieht seine Linie. Pflügt er über uns elegant durch den Wolkenozean? Oder knallt er wie eine Spacerocket geradewegs Endstation All? Wohin nimmt uns Trails (Konkord 091) mit – auf welchen Wegen und Routen sind wir on air? Die abgefeimten Flugkapitäne der in Wien stationierten Psychedelic-Airline „The Good Library“ räkeln sich in ihrem Cockpit, legen die Füße hoch – und schieben sich ihre Pilotenbrillen vor die Augen: „Steig ein, schnall an, heb ab!“ Abflughafen Wien – mit wehleidigen Wienerliedern, sterbenskranken Schmonzetten haben The Good Library nichts am Hut. Das englisch-amerikanisch-österreichische Quintett fräst und hämmert sich intensiv und unbeirrbar seine ganz eigene Spielart des Psychedelicrock – nachzuhören auf ihrem 2008er Longplayer Shhh! (Konkord 026). Wer an flower denkt, liegt falsch, wer an power denkt, liegt richtig: Trails (Konkord 091) zeigt, was passiert, wenn schwer pumpender, urbaner Dancefloor, repetitiv-grooviger Krautrock gemeinsam mit spacerockiger Wall of Sound für denselben Flug einchecken. Die drei haben einen Mordsspaß an Bord – und das hört man Trails in jedem einzelnen Moment an. The Good Library haben ein Geheimnis, das sie den HörerInnen ins Ohr eingießen: Gerade beim Psych-Freakout muss der Groove stimmen! Der fies verschleppte Beat des Openers Ice Throat, der einen lässigen Soundtrack für die Eröffnungsparty einer Opiumhöhle in Amityville abgeben würde, oder die Coolness eines funky Money Runner bei Man on Fire. Groove is a state of mind. The Good Library setzen zu einem Looping an, lassen sich in eine Soundcloud fallen – eine Orgel schwebt durch den Raum – und landen straight auf ihren Tanzbeinen. Mit Flight 19 ziehen The Good Library die Kiste hoch zu einem mehr als sieben minütigen Steilflug ins Universum Spacerock – flirrende Sounds, Echos von Lautsprecheransagen schwirren im Raum, ein bluesiges Slide aus 100 Meter Tiefe ausgegraben startet den Wolkenritt mit Destination Zeitlupenland. Die Gitarren schieben und brummen kurz mit wie Triebwerke einer Boeing an. „We’re flying home“ – Heimat als safety zone? Nach dem Song ist man nicht sicher, ob sich die Dinge um uns nicht heimlich bewegen, wenn wir wegsehen. Mit Tantum geht Trails in den Landeanflug und startet, wie es sich für das Energiebündel Psychedelic gehört, noch einmal durch. Drums krachen sich ihren Weg, Soundscapes ziehen vorbei, die Voices surfen im Welthall. Das ist ganz einfach großes Kino, was hier abgeht. Vielleicht nicht die passende musikalische Untermalung des Clown-Auftritts bei einer Kinderparty. Außer. Außer Tante Elsi stopft ihm einen herzhaften Spacecake ins lachende Maul.



Loose Lips Sink Ships - Loose Lips Sink Ships (2017)

In-A-Gadda-da-Vida – 17 Minuten. Und keine Sekunde zu lang. Aber. Wünschen wir uns wirklich Songs, die so lange dauern wie diese großartige LSD-Operette? Mit Where’s My Love drehen uns Loose Lips Sink Ships auf ihrem Debut in eine wundervolle Spirale von leidenschaftlichen Chören, zarten Stimmen, warmen Bässen, simpler, aber raffinierter Instrumentierung. Ein Song, der die Tristesse wie selten einer ohne Kitsch in eine Hymne verwandelt. Und den man am besten mehrmals hintereinander hören sollte, um all die Feinheiten, die sich in diesen drei Minuten verstecken, schätzen zu lernen. Überhaupt ist dieses Debut ein Fest der Stimmen. Gegründet von der Cellistin und Sängerin Meaghan Burke, dem Songwriter Werner Kitzmüller, Multiinstrumentalisten David Schweighart (Shrack, The Gore Gore Boys, Voodoo Jürgens) und von Simon Usaty – der mit seiner Band Protestant Work Ethic bereits mehrere Platten auf Konkord veröffentlicht hat – verschreibt sich Loose Lips Sink Ships dem Abenteuer Gesang. Mit dem Geiger Matthias Frey (Sweet, Sweet Moon) und der Künstlerin Mimu Merz stiegen noch weitere Members auf das sinkende Schiff. Diese ganz eigene musikalische Mischung bezeichnet dieses Kolllektiv selbst als Biedermeier-Punk. Befremdend auf den ersten Blick, treffend auf den zweiten. Die Freude am Zerstören eines Songs hört man im Mittelteil von Hatboy. Der Spaß am Subversiven tropft aus Walzer in jedem Takt. Hunde kläffen, ein Cello rülpst in Horses. Schnippschnapp, schnippschnapp. Punk bedeutet für Loose Lips Sink Ships nicht, lautstark krachende Gitarren von der Kette loslassen, sondern mit best mates in lockerer, neugieriger Weise etwas ausprobieren, Grenzen ausloten, sich blind auf die Mitmusiker verlassen. Dazu reichen oft eine akkustische Gitarre, ein Streichinstrument, ein paar Töne vom Piano und einige loose lips. Simpel und fein. Punk is beautiful. Denn wie im Opener Out die Stimme Kitzmüllers zuerst leicht, und dann immer tiefer eingebettet wird in die der anderen, das hat nicht nur Verve, das hat Intensität, die ins Herz zielt. Low würden kurz die Instrumente beiseite legen, und Jason Peirce von Spiritualized würde zufrieden den Taktstock heben. Womit wir wieder bei Psychedelic gelandet wären. Oder einfach bei Musik, die mehr sein will als bloße Unterhaltung. Soulfood. Warm Room wird von Simon Usaty beinahe nicht einmal mehr gesungen, sondern nur noch gehaucht, und entwickelt mit Hilfe einer Begleitstimme eine Energie, die lange nachzittert. Loose Lips Sink Ships. Folk? Punk? Oder die biedermeierliche Lust an der einfachen Hausmusik? Musik als gemeinsames Ankämpfen gegen die Zeit. Die Weiterführung des Wienerliedes mit englischen Texten? Alles gleichgültig, alles gleich gültig. Loose Lips Sink Ships ist das Ergebnis, wenn verwandte Seelen miteinander Geschichten erzählen und sich die Melodien dazu vorsingen. Und dann kann passieren, was uns von Konkord beim Anhören der Songs passiert ist: Wir suchen das Schlupfloch zu ihrem In-A-Gadda-da-Vida … And we all fall in love mit Loose Lips Sink Ships.


 Brainmanagerz ‎– Brainmanagerz (2018)

„An American in Vienna“ – Stephen Mathewson springt mit vollem Elan in jede Wasserlache: Dreck, Energie, Krach, Melodie. Auf den fünf Songs des Debut-EP der Brainmanagerz liefern
sich Noise-Godzillas und Feedback-Frankensteins ein Kopf-an-Kopf Rennen. Listen to Miami Death Wish 2! Da jault es, brummt es, fetzt es.Stephen Mathewson hämmert mit Eloui am Bass und den Backgroundvocals, Thomas Geldmacher an der Gitarre, Trompeter David Quigley und Dieter Preisl (†) am Schlagzeugeinen kantigen Sound aus dem Felsen Noise Pop heraus, der elegant in jede Ecke rotzt. Wer Spaß hat an Rock’n’Roll, der kompromisslos die Treppen in den Keller runterbraust, wer schräge Melodien schätzt – Brainmanagerz haben fünf heavy Säcke voll davon.

 

The Kinder - Tumultus Cras (2018)

„Ja, bin dabei, spielen wir!“ – bevor die Ohren und Beine durch ein knallbuntes und mit allen Wassern gewaschenes Soundgroovefourtotheflooroderauchnicht-Universum mit Warp-Geschwindigkeit geschossen werden, wird im Intro gleich mal der Zünder eingestellt, der dieser neuesten Konkord-Release den fetten Boost mit auf die Reise gibt. Das Dynamit heißt schlicht … Spielen. Spielen: Ausprobieren, Experimentieren, Regeln kennen, Regeln brechen, neue Regeln aufstellen, Langeweile abstellen, neue Situationen aufploppen lassen. Spielen heißt auch Performen, die Crowd zum Shaken, Instrumente zum Tanzen bringen. Kinder können Spielen am besten, und thE KindeR allemal. „Der Sound von thE KindeR bei einem Live Konzert versprüht einen „don’t give a fuck and have cosmic fun“ Charme, der sich genau so schwer ohne Kompromisse auf Studioaufnahmen bändigen lässt, wie die Improvisationen einer frühchristlichen Garagenband, die beim Pilzepflücken im Wald das Tamburin gegen ein Casio-Keyboard tauscht.“ (Michael Kirchdorfer , The Gap). Dass es gelingt, beweisen sie gleich mal in Horror – straighter Four-to-the-Floor knallt auf Orgelexzesse aus den tiefen Tunneln der 1970er Jahre. thE KindeR wischen und mischen den Schuppen auf, als gäbe es kein Morgen Get up entpuppt sich als hibbelige Reminiszenz deluxe an dancefloor classics wie Deee Lite, Paraden stolzieren nicht im Stechschritt vorbei, sondern swingen sich die Seele raus, miauen und flöten uns den fake Marsch. Froschchöre quaken zu Hiphop, springen in den Tümpel called jazzy feeling, das Leben löst sich auf in Blubberblasen. Groovy, verspielt, charmant vertrackt – das sind die wichtigsten Bauklötze, die sich thE KindeR beim Spielen ständig zuwerfen. Zuwerfen und Spielen wird in höchster Perfektion beherrscht. Beispiel? Die Songbricolagen in Tide in Decay.Auch vokal gilt als oberste Devise: bombe surprise. Jazzdiva, Punkrotzpippen, Catwoman – Christina Bachler zieht sich Kostüme und Farben über die Zunge wie ein Chamäleon im Stroboskopgewitter. Und Bachlers Querflöte? Die legitime Nachfolgerin der Rockgitarre, Aron Tompa aka Aronizer rappt, tanzt und hämmert Klangkaskaden in ein Meer voller Tasten. Er bildet die harmonische Sektion innerhalb der Band, kitzelt synthetische Frequenzen aus Platinen heraus wie ein Hacker auf Speed. Robert Duda aka Relups steuert nicht nur Vocals bei und produzierte diese Tanzrakete. Als Percussion-Herz-Lungen-Maschine baut er das Fundament für das KindeRhouse mit seinen vertrackten Spielereien auf den Töpfen und Deckeln seiner Rhythmusküche. Aber stopp, weiter! „What I deserve is not another perv!“, und rein geht es in die Achterbahn namens New Age Love. Keine Räucherstäbchen vernebeln den Beat, kein sanftes Gelabere verwischt den Song – „Hey honeybunny, let’s do it!“ Exakt, let’s do it – mixen wir Dancefloor mit Krautrock. Zersägen wir Pop und pressen jazzy Tunes rein. Punk? Punk ist das sowieso. Be kind – and freak out!

 

Konkord - Das höfliche Label aus Wien ist ein 2004 in Wien von den vier Freunden Matthias Kastner, Roman Mesicek, Wolfgang Reitter und Joachim «Josh» Schnaitter gegründetes Label, das sich mit seinen Veröffentlichungen an den Rändern der Popmusik bewegt. Beim Label wird Wert darauf gelegt die Veröffentlichungen in der für den Musikkonsumenten jeweils richtigen Form anzubieten. Dazu zählen Veröffentlichungen als MP3s, auf Vinyl oder als CD. Die Veröffentlichungen reichen von Ambient über Minimal Electronic bis zu Extended-Country und Noiserock. Am 1. Mai 2005 erschien mit Traveling Matt´s Musik zum Lachen das erste Album. Bekannte Künstler sind unter anderem Hans Platzgumer und Karl Schwamberger alias die Laokoongruppe.

2010 erschien die 50te Veröffentlichung, die mit einer Label-Compilation, der KONKORD-Jubel-CD, gefeiert wurde. Der Sampler kann nach wie vor kostenlos auf der Soundcloud Webseite von Konkord heruntergeladen werden.

Wien Musik 2020 (2 CD)

 

Wien Musik 2020

Keine langen Vorreden. Was die österreichische Musikszene gerade benötigt, sind handfeste Argumente. Homeoffice-Übungsstunden, virtuelle Konzerte und staatliche Notgroschen sind hilfreich, aber es bedarf deutlicherer Signale. Die Musik soll aus sich und für sich sprechen. Wir haben uns dazu etwas einfallen lassen: WIEN.MUSIK, der jährliche Szene-Überblick als CD-Compilation zum Quer-durch-den-Gemüsegarten-Hören, Herzeigen, Angreifen und Weiterschenken, ist anno 2020 doppelt so stark ausgefallen. Corona zum Trotz. Also: zwei Silberscheiben statt einer. Eine Doppel-CD, prallvoll mit dem Besten, was Wien zu bieten hat in diesem speziellen Jahr. Und es ist - einmal mehr - eine erstaunliche Fülle, Breite und Tiefe. Von Voodoo Jürgens bis Buntspecht, von André Heller bis Ernst Molden & Ursula Strauss, von My Ugly Clementine bis Alicia Edelweiß, vom Nino aus Wien bis Kreiml & Samurai gibt es viele alte Helden wieder zu begrüßen. Und neue Namen zu entdecken. Ein denkwürdiges Statement. Es erzählt vom Leben, Überleben und Wiedererblühen einer Stadt und ihrer Szene. Wer immer hier mit an Bord ist: willkommen! Für kleingeistige Eifersüchteleien und Distinktionsrituale ist kein Platz. Wien ist anno 2020 eine bunte, lebendige, multikulturelle Metropole. Die lokale musikalische Szene – abseits der traditionellen Klassik-Hegemonie – war noch nie so dicht, vielgestaltig und künstlerisch interessant wie heute. Und das exakt fünfzig Jahre nach den ersten Lebenszeichen der „Dialektwelle“ und des frühen Austropop. Respekt! Nun: diese 11. Ausgabe von WIEN.MUSIK soll ein besonderes, maskentragendes, in mancher Hinsicht beinahe tödliches Jahr dokumentieren - und einerseits diese Zeit und ihre Stimmung einfangen, andererseits auch Optimismus, Aufbruchsstimmung und Zukunft versprühen. Mit Eigeninitiative, Crowdfunding und Sponsoren geht einiges… Danke! Unsere Freude ist groß. Und wir hoffen, dass sie so - positiv - ansteckend ist wie ein Virus.

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Samstag, 20. Februar 2021

aNNika - Luv (2020)

 

Luv

Durch Geschichten von tanzenden Tigern, straßenmusizierenden Piraten, tödlichen Wahlergebnissen und 29 Knochenbrüchen zieht sich ein strammes Seemannsgarn des musikalischen Geschicks, welches das neue Album der Wiener Singersongwriterin aNNika fest zusammenhält und zu einem wahren Fundus melodischer Fantasiewelten macht.

aNNika schafft es in ihrem neuen Album „LUV“, das fast 5 Jahre nach ihrem Debütalbum bei Kleio Records erschienen ist, die Kunst des Geschichtenerzählens in einem klangvollen Musikkontext zu bringen und dabei nie die ihren musikalischen Anspruch zu vernachlässigen. „LUV“ entführt den Hörer wortwörtlich in die Tiefen der See und die Höhen der Lebenslust. Die naturelementarischen Symbole spiegeln sich im Wasser der Melancholie wieder, verlieren sich aber nicht darin. aNNika verzaubert mit ihrer verspielt kraftvollen Stimme und die verträumten, eindringlichen Melodien erinnern nicht zuletzt an die Tonkunst die man aus Werken wie denen von Sufjan Stevens kennt.

DOWN THE RABBIT HOLE

Von kraftvoller Festivalstimmung und hymnenartiger Euphorie wie bei „Still“ und experimentierfreudigen Esprit wie bei „Elsa“ in französischer Sprache, ist für alle Nuancen der menschlichen und musikalischen Gemütsbewegung eine Reise geplant. Durch das Einbringen von komödienartigen Elementen und ausgeklügelten, fantasievollen Lyrics schafft es aNNika die Hörer*innen bis zum Schluss zu unterhalten.

Der Zuneigung zum unermesslichen Heimatgefühl und seinen Facetten hat aNNika gleich zwei Songs gewidmet. Mit der gleichnamigen Ode an „Wien“ und die Hauptstadt Südtirols („Sleeping Beauty Bolzano“) wird eine Klanglandschaft entfesselt, die an das unverkennbare Gemeinsamkeitsgefühl der Klänge von Of Monsters and Men erinnert.

„The sails are set and I am ready to float”

Man wird das Gefühl nicht los, mit jedem Song tiefer in den Kaninchenbau zu fallen. aNNika zeichnet ein deskriptives Klangbild, das die musikalische Reise so lebendig und dynamisch gestaltet, dass der letzte Song mit einer ähnlichen Bedrücktheit verbunden ist, wie die letzte Seite eines mitreißenden Romans. Die Wienerin hat eine wahrhaftige Musik-Schatztruhe kreiert, in der jeder Song einzeln funktioniert, aber am besten konsekutiv genossen wird.
Lasst Euch also mitreißen in die metaphorischen Tiefen der See und lasst tanzen mit Tigern und Krakauer Rittern – alles ist möglich in „LUV“.

Freitag, 19. Februar 2021

Andy Lee Lang - Get Rhythm (2020)

Get Rhythm

Das 31. Album von Andy Lee Lang ist ein klassisches Cross-Over Album. „Rockin‘ Rollin‘ Country Music“ beschreibt schon worum es geht - es ist eigentlich Country Music - aber nachdem Country auch eine der Wurzeln des Rock’n Roll war, hat man sich hier eher den rockigen Country Songs verschrieben. Eine CD, mit der sowohl Rock’n Roll Fans wie auch Country Fans ihre Freude haben sollten. Der 4-fache ACMF (Austrian Country Music Federation) Award Gewinner (2 x Album des Jahres, 2 x Sänger des Jahres) hat wieder die besten Country Musiker des Landes für dieses Album engagiert und es zeigt einmal mehr, Andy Lee Lang ist in vielen Musik-Richtungen zu Hause. Highlights neben vielen weniger bekannten Songs sind natürlich der Titel Track der CD „Get Rhythm“ (Johnny Cash), „Sundown“ (Gordon Lightfoot) und „Drivin‘ My Life Away“ (Eddie Rabbitt). Insgesamt sind 21 Titel auf dieser CD - 20 rockige und zum Abschluss die wunderschöne Ballade „If Tomorrow Never Comes“ (Garth Brooks). 

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Donnerstag, 18. Februar 2021

Amanda - Durch die Ewigkeit (2020)

 

Durch die Ewigkeit

Amanda ist kosmischer Space Rock aus den Ennstaler Bergen. Die Reise geht in die unendlichen Weiten des Universums. Sphärisch nimmt Amanda die volle Ausdehnung des Klangraums in Anspruch, bleibt dabei aber immer eine Rock'n'Roll-Band.

Ausgehend von Einflüssen wie Pink Floyd oder der Canterbury Szene (Caravan, Soft Machine), wird Art- und Psychedelic Rock zelebriert, ein bisschen so als hätten Jefferson Airplane einen steirischen Sänger gehabt.

Mit viel aktuellem Pop-Appeal und Mundartlyrics entsteht jedoch etwas, das wir so noch nie gehört haben. Denn neben dem ätherischen Sound, tragen vor allem die steirischen Dialekttexte die Musik von Amanda. Dabei drehen sie sich meistens gar nicht um etwas konkret und eindeutig Benennbares, sondern vermitteln vielmehr ein Gefühl, eine Vision, eine Sehnsucht.


Dienstag, 16. Februar 2021

Sigrid Horn - i bleib do (2020)

 

i bleib do

Woke up this morning. So beginnt der Blues, noch immer die gültige Keimzelle moderner Songs. Absolute Gegenwärtigkeit als Grundvoraussetzung für ein Lied, das vom singenden zum hörenden Menschen überspringen und letzteren berühren soll. Wenn dieser Mensch eines sicher weiß, dann das: Heute früh bin ich aufgewacht. Hier und Jetzt sind alles, was zählt. Das übrige ist, bestenfalls, Gepäck.

I glaub i woa am Mea, singt Sigrid Horn in der ersten Zeile ihres zweiten Albums „I bleib do“. Ein erster Regelverstoß also, denn nichts ist in dieser Zeile sicher. Im Gegenteil, es herrscht der offene Zweifel, aber dieser ist wie alles von Sigrid Horn mit solcher Autorität vorgetragen, daß die Hörerin, der Hörer die ausgestreckte Hand ergreifen müssen und mitgehen. Schauen wir, was ist hier passiert? Und allmählich schält sich Gewißheit wie eine Perle aus dem Song: Die Sängerin war nicht am Meer, nein, sie ist nicht ganz weit hinaus geschwommen und auch nicht fast ertrunken. Der Kontrollverlust, der Taumel, der Schwindel und die roten Augen, all das kommt einmal nicht vom Abgrund her. Nein: She’s in love.

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