i bleib do
Woke up this morning. So
beginnt der Blues, noch immer die gültige Keimzelle moderner Songs.
Absolute Gegenwärtigkeit als Grundvoraussetzung für ein Lied, das vom
singenden zum hörenden Menschen überspringen und letzteren berühren
soll. Wenn dieser Mensch eines sicher weiß, dann das: Heute früh bin ich
aufgewacht. Hier und Jetzt sind alles, was zählt. Das übrige ist,
bestenfalls, Gepäck.
I glaub i woa am Mea, singt Sigrid Horn in der ersten Zeile ihres zweiten Albums „I bleib do“. Ein erster Regelverstoß also, denn nichts ist in dieser Zeile sicher. Im Gegenteil, es herrscht der offene Zweifel, aber dieser ist wie alles von Sigrid Horn mit solcher Autorität vorgetragen, daß die Hörerin, der Hörer die ausgestreckte Hand ergreifen müssen und mitgehen. Schauen wir, was ist hier passiert? Und allmählich schält sich Gewißheit wie eine Perle aus dem Song: Die Sängerin war nicht am Meer, nein, sie ist nicht ganz weit hinaus geschwommen und auch nicht fast ertrunken. Der Kontrollverlust, der Taumel, der Schwindel und die roten Augen, all das kommt einmal nicht vom Abgrund her. Nein: She’s in love.

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