Von Gestern nach hier
Richtig schön abwechslungsreicher, handgemachter
deutschsprachiger Indierock mit dunkler Note, Tiefgang und einer Menge
Gefühl – genau einen solchen bringt der Wiener Vierer BRUECKE auf seinem
Erstlingswerk „Von gestern nach hier“ (Eigenvertrieb) in wirklich
starker Manier zum Erklingen.
Robert
Walther (Gitarre, Keyboards, Piano), Rene Hartmann (Gesang, Gitarre),
Thomas Hofer (Bass) und Georgi Tomov (Schlagzeug) – die vier Köpfe
hinter der Wiener Formation – bewegen sich auf ihrem Erstlingswerk „Von
gestern nach hier“ auf dem Pfad des Indie- und Alternativerock der alten
Schule, mit dem Unterschied, dass sie dabei erfreulicherweise in
keinster Weise irgendwie altbacken oder vergangenheitsverliebt
daherkommen. Ihre mit Elementen aus dem Post-Punk und New Wave
angereicherten Nummern erklingen wie solche der Gegenwart, sie folgen
ihrer ganz eigenen Linie, die sich entlang von sich sofort in den
Gehörgängen festsetzenden Melodien zwischen verschiedensten Intensitäten
– von laut und wild bis leise und sanft, von temporeduziert bis flott –
sehr wechselhaft entwickeln.
Dunkle Songs mit einem Hoffnungsschimmer
Der
Grundtenor auf „Von gestern nach hier“ ist ein eher melancholischer und
zum Teil sehr düsterer, auch weil die vier Protagonisten in ihren
Texten die eher die schweren Geschichten des Lebens thematisieren. Die
in Jahr 2015 gegründete Combo besingt die alltäglichen Ängste,
Benachteiligung und Aussichtslosigkeit, sie lässt aber immer wieder auch
leichte Anflüge von Hoffnung durchschimmern, sodass nicht alles in
einer vollkommenen Schwarzmalerei verliert. Es gibt ja schließlich auch
noch die Liebe, an der man sich anhalten kann und in der man
Geborgenheit findet, das Fünkchen Überlebenswillen, das einen nicht ganz
verzweifeln lässt.
bruecke
verstehen es ganz exzellent, ihre Musik mit Stimmung und Atmosphäre
aufzuladen, mit einer Note, die die Oberfläche auf wunderbare Weise
durchstößt und sich ohne jedes Schauspiel auf eindringliche Art in die
Tiefe entwickelt. Die Songs berühren und lösen etwas aus, das Gefühl,
tief in den musikalischen Kosmos dieser Band eintauchen zu wollen.
Die Wiener Band offenbart
auf ihrem Erstlingswerk Qualitäten, die auf jeden Fall auch für die
Zukunft hoffen lassen. Diese Band ist noch lange nicht am Ende der
musikalischen Fahnenstange angelangt. Wer so starke Songs zu schreiben
in der Lage ist, der wird definitiv nicht ungehört bleiben.
Michael Ternai

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