Wegweiser (2008)
Ein Streichquartett und ein
Singer/Songwriter? Genau. Der erste offizielle Release des Wiener
Indie-Labels Problembär Records ist gleich das Debütalbum einer eher
ungewöhnlichen Formation. Angeführt vom eingangs zitierten
Singer/Songwriter Hans Wagner (das Trojanische Pferd, Hans im Glück,
KES) präsentieren sich Neuschnee als eine Formation die aus dem
Dschungel der austauschbaren Indie-Pop/Rock-Gruppen unserer Tage
herausragt, mitunter auch aneckt. Dabei gehen sie keineswegs
grundsätzich in Opposition, weil sie sich demonstrativ von Anderen
abgrenzen, sondern primär mit sich selbt beschäftigt sind. Die Einflüsse
reichen von Radiohead über Nick Drake bis hin zu Franz Schubert; doch
am Ende bleiben einfach „unerhört schöne Lieder“. Lieder vom Suchen und
Finden und vor allem dem Weg dazwischen.Bipolar (2011)
Bipolar
Ein Album, das Grenzen auslotet und Befindlichkeiten neu
dekliniert, weil es Worte in die Hand nimmt, die so noch nicht gesagt
worden sind. Introversion trifft auf Extroversion, dünne Haut auf dicke
Lippe. Ein Album, das sich traut an Messers Schneide zu spazieren und
mit einer hierzulande nie dagewesenen Leichtigkeit musikalische Grenzen
sprengt. Klassik, Indie, elektronische Musik und auch Hiphop (Zu Gast:
Parkwächter Harlekin) werden nahtlos aneinander gereiht.
Das Album ist – wie schon Titel und Artwork zu erkennen geben – in zwei Hälften gegliedert. Es beginnt mit Neuschnee, wie man sie vom ersten Album kennt: aufgewühlte Streicherballaden, bei denen jedes Gramm Schmalz mit einem scharfen Wort austariert wird. Wie beim hitverdächtigen Opener „Kettenkarussell“ arbeitet Wagner dabei sehr oft mit widersprüchlichen Bildern: „flieg – soweit dich die Kette trägt“. „Du bist schön“ hingegen ist ein lupenreiner Lovesong, der keine Zwischentöne kennt. Ab „Sag mir nicht (feat. Parkwächter Harlekin)“ – der Vorab-Single (Video auf Youtube) – wandelt sich das Sound-Bild. Eine fast schon übertrieben „fette“ Produktion – allerdings mit einem Beat, der einem beim Tanzen oftmals zum Stolpern bringen wird. Großer Pop mit Zähneknirschen. Ambivalenz. Bipolarität. Zähneknirschen auch bei „Karneval“, einer Anklage gegen das Finanzsystem im Popsongformat. „Nur der Mond“ ist das wahrscheinlich intensivste Stück des Albums. Beginnend mit einem schwelgenden Rhodes steigert es sich in ein Beziehungsdrama bis zum bitteren Ende. „Du bist nicht allein“ stellt einen fulminanten und auch sarkastischen Schlußpunkt dar. Ein das Album-Konzept auf den Punkt bringendes, anti-karrieristisches Manifest, eine Anti-Überhaupt Tirade, die uns gerade in ihrer Zerworfenheit vereint.
Schneckenkönig (2016)
SchneckenkönigDas Album ist – wie schon Titel und Artwork zu erkennen geben – in zwei Hälften gegliedert. Es beginnt mit Neuschnee, wie man sie vom ersten Album kennt: aufgewühlte Streicherballaden, bei denen jedes Gramm Schmalz mit einem scharfen Wort austariert wird. Wie beim hitverdächtigen Opener „Kettenkarussell“ arbeitet Wagner dabei sehr oft mit widersprüchlichen Bildern: „flieg – soweit dich die Kette trägt“. „Du bist schön“ hingegen ist ein lupenreiner Lovesong, der keine Zwischentöne kennt. Ab „Sag mir nicht (feat. Parkwächter Harlekin)“ – der Vorab-Single (Video auf Youtube) – wandelt sich das Sound-Bild. Eine fast schon übertrieben „fette“ Produktion – allerdings mit einem Beat, der einem beim Tanzen oftmals zum Stolpern bringen wird. Großer Pop mit Zähneknirschen. Ambivalenz. Bipolarität. Zähneknirschen auch bei „Karneval“, einer Anklage gegen das Finanzsystem im Popsongformat. „Nur der Mond“ ist das wahrscheinlich intensivste Stück des Albums. Beginnend mit einem schwelgenden Rhodes steigert es sich in ein Beziehungsdrama bis zum bitteren Ende. „Du bist nicht allein“ stellt einen fulminanten und auch sarkastischen Schlußpunkt dar. Ein das Album-Konzept auf den Punkt bringendes, anti-karrieristisches Manifest, eine Anti-Überhaupt Tirade, die uns gerade in ihrer Zerworfenheit vereint.
Schneckenkönig (2016)
Das Album „Schneckenkönig“ der Wiener Band Neuschnee ist ein
wundersames Popmärchen und eine Metapher für den Um- und Aufbruch im
Leben eines Menschen. Es beschreibt die Reise eines rastlosen Königs
durch sein aus dem Gleichgewicht geratenes Reich. Sie beginnt im
irdischen „Hotel zum Paradies“ in einem der kleinen Zimmer mit großer
Aussicht und endet in den großen Weiten des Universums. Auf der Suche
nach der Antwort auf die Frage, ob „nicht Sinn sondern Bewegung über
allem thront“, trifft er unterwegs auf andere rastlose Gestalten, deren
Geschichen ihm neue Hoffnung geben.
Dort, wo diese Geschichten auf die Musik von Neuschnee treffen,
verschmelzen auf „Schneckenkönig“ Text und Musik, Inhalt und Form zu
einer Synthese, die einen Schritt über die traditionell eng geschnürten
Grenzen des Popsong-Formats hinausgeht. Dieses lässt die Band immer
stärker hinter sich und so entwickeln sich die Stücke des dritten Albums
ganz organisch hin zu Kompositionen, ohne dabei auf eingängige Melodien
und musikalische Zugänglichkeit zu verzichten. Das Album ist schon beim
ersten Hören greifbar, erlaubt aber auch nach mehrmaligem Hören noch
überraschende, neue Details zu entdecken.
Vielschichtig, detailreich, und doch schwebend und leicht zugleich – wie frisch gefallener Schnee.
Stilistisch werden die Lieder in verschiedenste musikalische Gewänder gekleidet: Es trifft Elektro auf Kammermusik (Schneckenkönig, Blatt im Wind), auf Rock (Des Kaisers neue Kleider, das große Vielleicht), auf Ballade (Nimm mich mit, wenn du gehst, Seemann ohne Schiff), auf Klassik (La Folia, Planeten). Zusammengehalten und bestimmt wird die Musik dabei durch den Gesang, die Texte und den charakteristischen Klang der Streicher.
Auf seinem Weg erkennt der König schon bald, dass Glück kein äußeres Ziel, sondern ein innerer Zustand ist – und damit vor allem eine Frage der Einstellung. Wenn er also am Ende seiner langen Reise im Weltall ankommt und das letzte Stück des Albums mit Chor, Bläsern und orchestralen Streichern episch ausklingt, wird klar: Schmerz und Freude sind auf einer tieferen Ebene miteinander verwoben und diese Erkenntnis beunruhigt nicht nur, nein, sie macht auch Sinn – und sie tröstet, ungemein.
Das Album markiert eine sehr prägende Zeit im Leben des Sängers.
Als Erinnerung daran (und als tatsächlicher Hinweis für Ärzte, dass die inneren Organe spiegelverkehrt liegen) hat er sich die medizinische Bedeutung des Wortes Schneckenkönig „Situs Inversus“ in seine Haut stechen lassen.
And when you leave the orbit
Please don’t hide your face
Cause after all, after all
Tears don’t fall in space
Okay (2018)
Okay
Besetzung:
Hans Wagner – Gesang, Gitarre, Bass, Klavier
Martin Reining – Violine
Florin Sighartner – Violine
Emily Stewart – Viola, Bassynth
Raimund Seidl – Cello
Andi Senn – Schlagzeug
Vielschichtig, detailreich, und doch schwebend und leicht zugleich – wie frisch gefallener Schnee.
Stilistisch werden die Lieder in verschiedenste musikalische Gewänder gekleidet: Es trifft Elektro auf Kammermusik (Schneckenkönig, Blatt im Wind), auf Rock (Des Kaisers neue Kleider, das große Vielleicht), auf Ballade (Nimm mich mit, wenn du gehst, Seemann ohne Schiff), auf Klassik (La Folia, Planeten). Zusammengehalten und bestimmt wird die Musik dabei durch den Gesang, die Texte und den charakteristischen Klang der Streicher.
Auf seinem Weg erkennt der König schon bald, dass Glück kein äußeres Ziel, sondern ein innerer Zustand ist – und damit vor allem eine Frage der Einstellung. Wenn er also am Ende seiner langen Reise im Weltall ankommt und das letzte Stück des Albums mit Chor, Bläsern und orchestralen Streichern episch ausklingt, wird klar: Schmerz und Freude sind auf einer tieferen Ebene miteinander verwoben und diese Erkenntnis beunruhigt nicht nur, nein, sie macht auch Sinn – und sie tröstet, ungemein.
Das Album markiert eine sehr prägende Zeit im Leben des Sängers.
Als Erinnerung daran (und als tatsächlicher Hinweis für Ärzte, dass die inneren Organe spiegelverkehrt liegen) hat er sich die medizinische Bedeutung des Wortes Schneckenkönig „Situs Inversus“ in seine Haut stechen lassen.
And when you leave the orbit
Please don’t hide your face
Cause after all, after all
Tears don’t fall in space
Okay (2018)
Okay
Besetzung:
Hans Wagner – Gesang, Gitarre, Bass, Klavier
Martin Reining – Violine
Florin Sighartner – Violine
Emily Stewart – Viola, Bassynth
Raimund Seidl – Cello
Andi Senn – Schlagzeug




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