Young & Restless
Bluespower (2003)
Bluespower
Peter Kern hatte die Protagonisten der zweiten und dritten Bluesgeneration als Lehrer und mich, wenn ich hie und da meinen Elfenbeinturm verließ, um im „Papas“ zu spielen. Das Publikum, das für diese Musik empfänglich war, wuchs bald zu einem nicht zu übersehenden Faktor in der heimischen Populärszene heran und Peter debütierte im Vergleich zu mir in einem gemachten Nest. Bereits sehr früh stellte sich heraus, daß er kein oberflächlicher Saisonklimperant war, sondern ein ernstzunehmender Könner, der sich selbstbewußt in die Bluesspur einreihte. Eines Abends hörte ich ihn zufällig mit der Akustikgitarre klassischen Country-Blues spielen und war sehr angetan, denn der Jüngling war etwas zum Zuhören. Er war gottseidank nicht einer von den sklavischen Imitatoren, die in der Verehrung ihrer Vorbilder erstarren, sondern integrierte seine eigene Persönlichkeit in die Stücke, die er vortrug.
Rasch stieg er zum hervorragendsten Nachwuchskünstler seit der Entdeckung des Blues durch die Medien auf und ich war der festen Überzeugung, daß Peter Kern einst meine Nachfolge antreten wird. Wie mir zu Beginn meiner Laufbahn der Alien-Effekt dienlich war, mischte in Peters Fall der „Süßbuberl“-Appeal kräftig mit, was ich in diesem Fall nicht negativ verstanden haben will. Um dieses Phänomen mal objektiv zu betrachten, kann man den Fall etwa so diagnostizieren......Peter Kern spricht durch sein im zeitgenössischen Sinne gutes Aussehen ein jugendliches Publikum an, das nicht unbedingt den Blues als non-plus-ultra der Musik betrachtet. Der Saal ist voll, weil der liebe Peter die Herzen der Puppi-Mädchen höher schlagen läßt, gleich was er da oben macht. Als er in der ZuGaBe Frank Stokes‘ „I Got Mine“ unter dem Jubel der Zuschauer spielte, wußte ich, daß keiner von denen je von einem Frank Stokes noch von der Charakteristik des Memphis-Blues auch nur die geringste Idee hatte. Ich wollte schon fragen, ob einer weiß was das ist, was der Peter da spielt. Da mir klar war, daß ich mitten unter einem Publikum stand, das nie von einem Al Cook gehört hat, unterließ ich es, womöglich ungut zu provozieren. Es genügte mir bereits, als ich vor Jahren einmal in einer Gaststätte konzertierte und von einem Küchenmädchen gefragt wurde, wer denn Bill Haley gewesen sei. Das zieht einem schon manchmal die Schuhe aus. Doch wenn man sich so umhört, hapert es bereits bei den 40jährigen mit der Geschichte. Seht Euch etwa Armin Assinger’s Millionenshow an. Da könnt Ihr Eure blauen Wunder erleben. Gab es da einmal jemanden, der mit dem guten Eric Clapton nichts anfangen konnte. (Frage: Wer war Mitglied bei Cream ? Kann das Publikum helfen?) (Al COOK)


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