Schmusen
Liebevolle Ironie
Das Bild, das Monica Reyes und Regisseur Markus Schleinzer in dem Video zu "Schmusen" zeichnen, thematisiert auf liebevoll ironische Weise Monicas Generation, die nicht recht erwachsen werden kann oder will. Dazu passen die im Hintergrund tanzenden Pensionistenpaare, die anscheinend mehr Zärtlichkeit und Liebe erfahren, als die junge Diva im Vordergrund. Und wenn der Titel "Schmusen" doch einmal in die Tat umgesetzt wird, dann kann es der charmanten Sängerin passieren, dass sie nach einer wilden Nacht einen unbekannten Mann neben sich im Bett liegen hat, dem sie dann in verwirrtem aber nicht uninteressiertem Ton "Wach auf Fremder" ins Ohr flüstert.
© Anna Rosa Krau
Allerdings ist Monica Reyes die Sprache fast noch wichtiger ist, als die musikalische Umsetzung. Auf "Schmusen" bedient sich bewusst einer jugendlichen Begrifflichkeit. Sie erinnert an Teenagerzeiten und die damit verbundenen ersten Liebeleien, wie zum Beispiel das zuckersüße "Du stehst auf mich". Doch die selbsterschaffene Rolle der Musikerin Monica Reyes ist nicht die einer immer schwachen, verwirrten oder gar naiven Frau. Neben den lustigen Verrücktheiten und schrägen Unzulänglichkeiten kann die Sängerin im "Exfreund Song" auch voller Lebensweisheit und pointiert über ehemalige Beziehungen chansonartig schwadronieren.
Eine gehörige Portion Fett kriegen auch die von neuen Medien und sozialen Plattformen geprägten Mitt-Dreißiger ab, die enttäuscht von ihren virtuellen Freundschaften einsam ihren "Whisky Song" dem geduldig zuhörenden Barkeeper entgegenlallen. Dass Monica Reyes ihre musikalische Kunstfigur sehr verehrt, aber zugleich nicht ganz so ernst nimmt, macht auch das lustige Fotoshooting für das CD-Cover deutlich.
Der Druck, nicht zu genügen
Neben all den Verwirrungen der Liebe kreist das Solo-Debüt von Monica Reyes auch um ein gegenwärtig brisantes Thema: gesellschaftlicher und selbst auferlegter Druck. Selbst wenn der Titel "Besonders" unweigerlich zum Grinsen animiert, wird in guter Brecht-Weill'scher Manier dem schunkelig-schönen Lied ein verzweifelter Text gegenübergestellt. Der unbändige und unerfüllte Wunsch, besonders zu sein, in der Gesellschaft als etwas zu gelten und Vorbild oder sogar Heldin zu sein. Demgegenüber steht zugleich die traurige Erkenntnis, ein zerbröckeltes Selbstwertgefühl zu haben, das unentwegt suggeriert, niemals zu genügen.
Es wäre nicht Monica Reyes, würde sie nicht auch für dieses Problem ein doppelbödiges Auswegsszenario parat haben. In dem absoluten Highlight der Platte, dem Song "Gemein", ist Angriff die beste Verteidigung. Denn anstatt zwischen all den Konventionen, von außen auferlegten Regeln und deren inneren Interpretationen zerrieben zu werden, wird über melancholische Harmonien der Entschluss gefasst, einfach mal "gemein" zu sein. Und sollte selbst diese Strategie nicht funktionieren, hilft vielleicht die poppige und hedonistische "Revolution in der Disco".
© Anna Rosa Krau

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