Er war der Sohn eines Schuldirektors, der 1945 nach der Befreiung Österreichs an den Folgen nationalsozialistischer Haft starb. Helmut Leherbauer maturierte 1951 am Hernalser Gymnasium Geblergasse in Wien und studierte von 1948 bis 1954 an der Akademie für angewandte Kunst in Wien und an der Stockholmer Akademie der Künste. 1955 wechselte er wieder nach Wien an die Akademie der bildenden Künste in die Klasse von Albert Paris Gütersloh, wo er die direkte Auseinandersetzung mit dem Surrealismus miterlebte. Gütersloh hat den Art Club mitbegründet und gilt als Begründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Leherb fand somit Zugang zu diesem Kreis von Künstlern und veranstaltete zusammen mit anderen Vertretern dieser Kunstrichtung diverse Ausstellungen, beispielsweise mit Anton Lehmden, Rudolf Hausner und Wolfgang Hutter. 1959 wurden ihre Werke im Oberen Belvedere gezeigt. Der Kunstkritiker Johann Muschik prägte damals den bis heute gültigen Namen des Phantastischen Realismus.
Von 1959 bis 1963 entstanden Kunstwerke in Wiener Parkanlagen, die noch heute existieren:
- Wiener Prater: das Keramik-Reliefbild Tschinellen-Fiffy (in Riesenrad-Nähe) und das Sonntagsgwand (dem Praterstern zugewandt), beide aus dem Jahr 1959
- Im Schulgarten Kagran: das Mosaik Blumengöttin Flora und Gärtnergott Vertumnus aus dem Jahr 1960
- Im Volkspark Laaerberg: die Keramikstele Tag & Nacht aus dem Jahr 1962
- Am Kaffeehausberg im Donaupark: das Keramik-Reliefbild Kaffeehausszene sowie das Bodenmosaik Die Vögel des Leherb (ein gemeinsames Werk mit Hermann Bauch, beide aus dem Jahr 1963), dies aus Anlass der Wiener Internationalen Gartenschau – WIG 1964, wie der Donaupark ursprünglich hieß.
Der Biennale-Skandal
1964 wurde Leherb mit seinem Zeitzerstörungsmanifest für die Biennale in Venedig nominiert, seine Teilnahme aber nach einer Regierungsumbildung vom neuen Unterrichtsminister Theodor Piffl-Perčević (ÖVP) verhindert.[4] Geplant gewesen wäre ein tiefblauer Pavillon, in dem tote Tauben, Regenschirme und Puppen an den Wänden hätten kleben sollen. Ein Kunstskandal zeichnete sich ab, und das tonangebende Kunstjournal in Paris „Arts et Loisirs“ titelte „Erster Skandal der Biennale in Venedig!“. Das deutsche Magazin „Stern“ brachte den Skandal auf das Titelblatt: „Surrealist Leherb: keine weißen Mäuse für Venedig“ und sparte nicht mit Ausfällen gegen das „Kulturland“ Österreich.
Walter Koschatzky bezeichnete Piffl-Perčević' Kunstverständnis in seinen Memoiren als „erschreckend gering“. Die Abwahl machte Leherb zu schaffen, förderte jedoch seinen Bekanntheitsgrad enorm und öffnete ihm die Türen zu den wichtigsten Galerien Europas: Galerie de la Madeleine und Isy Brachot in Brüssel, Galerie C.A.W. in Antwerpen, la Medusa in Rom; Galerie Mokum in Amsterdam, Peithner-Lichtenfels und Wolfrum in Wien sowie Galleria Viotti in Turin.
Leherb realisierte, fasziniert von malerischen Valeur, dem aquarellähnlichen sfumato, weiterhin Keramikreliefs und Mosaike. In der Villa Cabasso in Aix-en-Provence entstand 1963 der „Reaktionäre Konfirmantentraum“. 1964 schuf er das keramische Wandgemälde „Explosion der Stille“, für das Gebäude der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien.
Österreich Werbung und Olympia
1971 / 1972 wurde Leherb durch die spätere „Österreich Werbung“ (damals noch Österreichische Fremdenverkehrswerbung, ÖFVW) mit der Gestaltung von vier Plakaten beauftragt. Es entstanden die Plakate „I like Mozart“, „Ein Mädchen, das auf einer Wolke sein Cello spielt“, „Insel der Sehnsucht“ und „Eine Dame mit Lipizzaner“. Den Start der neuen Serie setzte der damalige Obmann der ÖFVW, Handelsminister Josef Staribacher, mit Öffentlichkeitswirksamkeit in Szene: Er setzte die Druckmaschine selbst in Gang. Die Plakate waren schnell vergriffen. Eine etwaige Neuauflage ist in Planung.
1976 folgte die Gestaltung des Posters für die Olympischen Winterspiele in Innsbruck: ein griechischer Kopf, den Leherb mit modernem Sturzhelm, Brille und als Erinnerung an die Grenzen des Leistungssports mit einer Zeituhr versah. Eingebettet wurde diese Darstellung in das Leherb-Blau. Auch dieses Plakat ist längst vergriffen.
Es folgte ein Fayencegemälde mit mehr als siebzehn Meter Länge und einer Höhe von fünfeinhalb Meter für das Rehabilitationszentrum am „Weißen Hof“ in Klosterneuburg.
Italien und sein monumentalstes Werk
Leherb selbst sagte dazu: „Keine Werkstatt, kein Experte, kein Keramiker in den europäischen Keramikzentren hielt 1980 die Realisation von acht mal acht Meter großen Majolikamalereien technisch für machbar: das hat es nie gegeben, das wird es nie geben und auch einem Leherb wird derartiges nicht gelingen.“[5]
Leherb zur Technik: „Man arbeitet auf spröden, bruchanfälligen Tonplatten, die mit Majolikstaub, der sogenannten ‚Smalte‘ beschichtet sind, einer überwiegend aus Metalloxyden bestehenden, mit Wasser angerührten Glasur. [...] Dieser Malgrund ist instabil und durch jede unsachgemässe Berührung zerstörbar. So gilt eine einmeterhohe Bodenvase als meisterliche Spitzenleistung. Für acht mal acht Meter große Majolika Tafelbilder - die Dimension entspricht einer zweigeschossigen Hausfassade - gab es weder Vergleichs- noch Erfahrungswerte. [...] Ich habe während des Entstehungsprozesses dieser ‚Universitätsfayencen‘ unzählige Tonnen Kunst bewegt. Es gab bei Motiven wie Gesichtern, Körpern, Händen einen Entstehungsprozess, der es notwendig machte, dass ich Platten bis zu 25 und 30 mal vom sechs Meter hohen Gerüst hinunter zur Detailstaffelei gebracht habe, ohne die Oberfläche berühren zu dürfen. Ein Vorzeichnen der riesigen Figuren war ja nicht möglich, auf Staub kann man ja nicht zeichnen.“[6]
1993 bis 1994 entstand der Universitätsbrunnen „Eine Tür für Eurydike“, der in der Badgasse in Wien IX (Lage) zu sehen ist. 1989 bis 1991 schuf Leherb für die Manufaktur Goldscheider in Stoob, Burgenland, das überdimensionale Werk „Tor für ein imaginäres Museum“ aus Bronze und Keramik sowie zwei (auf je 140 Stück limitierte) keramische Vasenköpfe.[7]
Des Weiteren nahm er eine Schallplatte mit dem Titel Autodafé eines Surrealisten auf.
Obwohl Leherb ein Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus war, wandte er sich später vom Stil von anderen Vertretern wie Arik Brauer und Ernst Fuchs ab und immer mehr dem Surrealismus zu.
Leherb starb 1997 an einem Schlaganfall. Er hinterließ seine Frau, die Malerin Lotte Profohs, seinen Sohn Anselm Daniel (1960–2001) und seine Enkelin, Angela. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.[8] Im Jahr 2018 wurde in Wien Donaustadt (22. Bezirk) der Leherbweg nach ihm benannt.
Lotte Profohs, auch Lotte Profohs-Leherb (* 16. November 1934 in Wien als Li(e)selotte Cäcilie Profohs; † 6. November 2012 ebenda), war eine österreichische Grafikerin und Malerin, die dem Expressionismus nahe stand.
Lotte Profohs war das jüngste Kind von Hermine Stephanie Heller (1897–1975) und Leopold Ferdinand Profohs (1895–1985). Letzterer war k.u.k. Hof-Hutmacher; schon sein Vater und sein Großvater übten diesen Beruf aus. Leopold Ferdinand und Hermine Stephanie Profohs kamen beide aus Wien, wo Lotte Profohs und ihre Geschwister im 2. und 3. Bezirk aufwuchsen. Ab der dritten Klasse Volksschule bis zu ihrem Abschluss besuchte Lotte Profohs das Sacré Coeur am Rennweg im 3. Bezirk. Ihr Bruder Leopold (1921–1940) diente im Zweiten Weltkrieg bei der Infanterie und fiel zwei Jahre nach Kriegsbeginn. Ihre Schwester Emilie (* 1926) lebt heute in Frankreich, Bordeaux.
Profohs studierte mit 15 Jahren ab 1949 an der Akademie für angewandte Kunst, wo sie auch ihren späteren Mann Helmut Leherbauer, (Maître) Leherb, kennen lernte. Die beiden besuchten einige Klassen an der Akademie gemeinsam, 1955 wechselten sie zusammen an die Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz. Im Dezember 1955 heirateten sie in der Rochuskirche im 3. Bezirk in Wien. Trauzeugen waren die Bildhauerin Trude Fronius und Franz Seipert. Am 24. Mai 1960 wurde Anselm Daniel Leherb († 11. Juli 2001) als einziges Kind geboren. Sie hinterlässt lediglich eine Enkelin, Angela.
Seit Beginn ihrer Beziehung Anfang der 1950er Jahre war Profohs ein wichtiges Modell für die Werke ihres Mannes. Sie unterstützte das Werk ihres Mannes intensiv; so gab sie ihre eigene Karriere nahezu auf und trat in den Hintergrund. Dies hatte die Konsequenz, dass sich ihr Bild in der Öffentlichkeit veränderte: „Ich wurde als Luxusgeschöpf abgestempelt, man sah mich nur noch als Madame Leherb, das blondhaarige Modell für die Bilder meines Mannes. Dabei habe ich wenig Zugang zum Surrealismus“. Sie bezeichnete sie sich selbst stets als Expressionistin.
Profohs war bereits Anfang der 1950er Jahre als Grafikerin und Malerin international anerkannt; ihre Arbeiten wurden von renommierten Museen (Louvre) und Sammlungen angekauft. Respektierung ihrer Person als Frau und ebenso die Anerkennung für ihr Werk, waren für sie sehr wichtig.
Im Jahr 2018 wurde in Wien Donaustadt (22. Bezirk) der Lotte-Profohs-Weg nach ihr benannt.
TRACKLISTE

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen