Sonntag, 12. April 2020

ALICIA EDELWEISS

 ALICIA EDELWEISS ist wohl eine der derzeit interessantesten Stimmen der österreichischen Musikszene. Ihr eigenständiges Songwriting war bisher auf einer EP („I should have been overproduced“, Label, 2012) und einem Album („Mother, how could you“, Glowing Records, 2016) zu hören, im September soll das neue Album auf dem Label „MedienManufaktur“ erscheinen. Neben ihren mitreißenden Live-Shows, die in letzter Zeit meist als Trio mit LUKAS LAUERMANN und MATHIAS FREY an Cello und Geige bestritten wurden, ist ALICIA EDELWEISS auch als Akkordeonistin bei VOODOO JÜRGENS’ ANSA PANIER aktiv. 

I Should Have Been Overproduced (2012)
 I Should Have Been Overproduced

 Mother, How Could You (2016)
 Mother, How Could You 

 When I'm Enlightened, Everything Will Be Better (2019)
When I’m Enlightened, Everything Will Be Better

ist der unschlagbar gute Albumtitel, den Alicia Edelweiss für ihr neuestes Album gewählt hat und schon in diesem witzigen und dennoch zutiefst ernst gemeinten Satz spiegelt sich die schöne Ambivalenz in der sich Edelweiss mit ihrer Kunst bewegt.
Alicia Edelweiss / Medienmanufaktur Wien
Das neueste Album von Alicia Edelweiss heißt „When I’m Enlightened, Everything Will Be Better“.
In meinem Bericht zu ihrem letztjährigen Popfest-Auftritt steht: „Es gibt zwei Alicia Edelweiss: die lustige und beschwingte, die von ihrem Zusammen-Leben mit Kakerlaken singt (...). Und dann gibt es noch die traurige, melancholische und dramatische Alicia Edelweiss.“ An diesem doppel-deutigen Konzept hat sich auch auf diesem Album nichts geändert, ja und wie denn auch, ist es doch das Grundprinzip von Edelweiss’ Schaffen und auch das Grundprinzip des Lebens: Hochs und Tiefs im ewigen Wechselbad der Gefühle.
Was sich geändert hat am Musikschaffen von Alicia Edelweiss ist die Produktionsweise. Die Songs wurden für die derzeitige Band-Besetzung mit Cello und Geige neu arrangiert und haben auch genau so, mit denselben Musikern, ihren Weg ins Studio gefunden. Die Songs klingen reich und groß, das liegt auch daran, dass es keine Deadline gab, also Zeit en masse und daran, dass Edelweiss - so verriet sie im FM4 Soundpark Interview - das Album nicht abschließen wollte, bis die Lieder nicht den Grad an Perfektion erreicht hatten, den sie verdienen.
Starke und wichtige Geschichten
Und diese Songs verdienen nur das Beste, denn es sind starke und wichtige Geschichten, die sich auf „When I’m Enlightened, Everything Will Be Better“ finden. Es geht um Freundschaft („Leonie“), das Leben im Prekariat („The Cockroaches And Me“) und um märchenhafte Abenteuer („The Secret Garden“) und magische Reisen („Feeling Like The Last Unicorn“). Es geht aber auch um die Ungerechtigkeiten, die den Frauen seit Jahrhunderten angetan werden („Skeleton Woman“) und um Initiationsriten, die den Verlust von geliebten Menschen mit sich bringen („Dead Skin“).
Die Lieder von Alicia Edelweiss bringen uns zum Lachen, bereiten uns Gänsehaut, erschüttern uns in ihrer Sanftheit, und zerreißen die Stille, wenn es die Geschichte des Liedes verlangt. Fans der emsig tourenden Alicia Edelweiss werden bereits viele der Songs von ihren Live-Auftritten wiedererkennen. Dass man sich diese Erzählungen nun anhören kann, wann und wo auch immer man sich befindet, ist ein Geschenk der Musikerin an uns.
„When I’m Enlightened, Everything Will Be Better“ ist auf jeden Fall die, im besten Sinne, polierteste und zugänglichste Platte der Künstlerin. Auf Seite der Produktion hat Edelweiss’ Musik vielleicht den rohen DIY-Touch eingebüßt, doch so ist der Werdegang von vielen Musiker*innen. Aufgabe der Fans ist es, diesen Weg mutig mitzugehen. Und es zahlt sich aus, denn es ist - ganz im Sinne der Ambivalenz - schmerzhaft schön, sich zusammen mit Alicia Edelweiss auf die Reise dieses vielfältigen Albums zu begeben.

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