Half Town Blues
Mit „Half Town Blues“ hat die in Wien ansässige Band The Blues Infusion
ein Musterbeispiel für die gelungene Verbindung eines traditionellen
Bluesverständnisses mit den modernen
Ausdrucksmöglichkeiten des Blues und Bluesrock hinbekommen. Little
Walter mit „Up The Line“, Sonny Boy Williamson mit „Still Wonder“ und
Junior Wells mit „Little By Little“ sowie ZZ Hills „Down
Load Home Blues“ liefern quasi die Vorlagen. Die Band nimmt die
Pässe auf, dribbelt elegant und landet diverse Volltreffer. Im
Mittelpunkt stehen Gitarren, die Orgel und bisweilen auch eine
Trompete. Das Ganze ist durchaus rocklastig, aber eben kein
Bluesrock im engeren Sinne mit den obligatorischen Gitarren-Breitseiten.
Im Gegenteil, die Songs wurden luftig und transparent
arrangiert, und jeder der insgesamt elf Titel für sich hat das
gewisse Etwas, das ihn unverkennbar macht und von den übrigen abhebt.
Adaptionen von John Hiatt und Robben Ford, also von Künstlern
der nachfolgenden Generation, sind zudem Fixpunkte und zusätzliche
Highlights eines Albums, mit dem eine Band zwar nicht den Blues neu
erfindet, aber beispielhaft ist für eine gelungene
Übersetzung einzelner Kapitel aus der Blueshistorie in eine
zeitgemäße Sprache. Das mache dem Quintett aus Wien erst mal einer auf
dermaßen beeindruckende Weise nach.

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