Donnerstag, 16. Januar 2020

Willi Warma - Stahlstadtkinder 1979 - 1982 (2008)

 
BassPeter Donke 
DrumsChristian Unger, Hardy Walenta* (tracks: 5, 11, 12) 
GuitarJulius Zechner, Mad Max (28) (tracks: 12) 
ProducerFelix Rausch (tracks: 5, 11), James Bourke (tracks: 1 to 4, 6 to 10, 13), Willi Warma (tracks: 1 to 4, 6 to 10, 12 to 14) 
Remastered ByAlexander Jöchtl* 
VocalsKurt Holzinger
 
Für die Musik meinten sich die verschwitzten Jungs zu interessieren, die mit ihren Pappbechern voller Bier in der ersten Reihe vor der Bühne herumtrampelten.
Nein – das Publikum der Willi Warma waren die Mädchen!
Ganze Schulklassen haben auf diese Band masturbiert.
Willi Warma hatten nämlich etwas, was ich so bei keiner Band in Österreich je wieder gesehen habe – 

SEX APPEAL! 

Ab 1980 spielen Willi Warma fast öfter in Wien als in Linz (jedoch auch in Graz, Innsbruck, Salzburg und sogar Bad Ischl sind sie gern gesehene Gäste) und werden – als einzige Band aus den Bundesländern – schnell in die dortige Punk/New Wave-Szene rund um Lokale wie das U4 und das Metropol aufgenommen. Sogar die “Kronen Zeitung” wird auf die vier kajalgeschminkten, gefährlichen Sex-Appeal verbreitenden und im Falle von Gitarrist Julius Zechner in Strapsen auftretenden Linzer aufmerksam und tituliert Sänger Kurt Holzinger ob dessen orange gefärbter Haare kurzerhand mit “karottenhaariger Willy”. Willi Warma stehen nun durchschnittlich sieben- bis achtmal pro Monat österreichweit auf Live-Bühnen und bringen selbst in das allerletzte Provinzkaff eine Ahnung von Rock’n’Roll – sowohl als Style- wie als Attitude-Rebellion wie auch als utopisches Versprechen, doch ein irgendwie richtiges Leben im falschen finden zu können. Das probieren zwar andere auch, aber Willi Warma sind die einzigen, denen das auch abgenommen wird und wo man am Tag danach, wenn sich der Kater langsam wieder verflüchtigt, nicht wieder ins provinzielle (Da-)Sein zurückgeworfen wird. So was geht natürlich nicht nur über klasse Musik, was Willi Warma auch ganz genau wissen. Als “die arroganteste Band im Land” (“Der Wiener”) gilt es auch, wie Popstars zu agieren, ohne wie peinliche Kopien angloamerikanischer Vorbilder zu enden. Und genau das war bei Willi Warma nie der Fall. All das unnahbare, unberechenbare, zornig-aggressive Gehabe, das verspätete Auftreten, die Ekstase während des Spielens (legendär etwa Julius Zechners Version von “I’m Waiting For My Man”, nackt in Schlüpfern und Strapsen gesungen), die Exzesse nicht nur am Ende der Shows (die teilweise zu Auftrittsverboten führen), die Publikumsprovokationen, der Sarkasmus und Zynismus der Zwischenansagen, das zerstörte Mobiliar (in Salzburg wird etwa während eines Konzerts bei einem Uni-Streik ein Hörsaal, der als Bühne fungiert, während der Zugabe “I Wanna Be Your Dog” auseinandergenommen) wie auch das mitunter Von-der-Bühne-Fallen und die schiere “Raw Power”, gepaart mit einem Sex-Appeal, von dem heute noch geschwärmt wird, ist zwar auch ganz klassiches Pop-Show-Entertainerhandwerk, aber Willi Warma produzieren damit einen Mehrwert, der nicht nur das kollektive “Stahlstadtkinder”-Bewusstsein sozusagen in die Bundesländer trägt, sondern einen auch selber teilhaben lässt an einer verschworenen Gemeinschaft. Als Eintrittskarte reicht oft das Erkennen einer Cover-Version aus dem – damals noch äußerst obskuren – 1960er/1970er Proto-Punk-Songbook. Und dann, speziell wenn sie einen guten Tag haben, können sie ganz unvermutet auch relativ umgänglich sein, jedoch nicht ohne einem selbst eine Dosis Arroganz, Zorn und Unnahbarkeit mit auf den Weg zu geben.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen