Dienstag, 21. Januar 2020

BOHATSCH & SKREPEK

 Alles Liebe (2004)
 Alles Liebe

13 herrlich schleppende, swingende LiebesliederDreizehn Mal singt das Wiener Duo Bohatsch & Skrepek von der Liebe. Wie immer, wenn das bestimmte Gefühl hochkommt, herrscht helle Freude: „I winsl wie a hund, quak wie a frosch und schrei – I mog di“. Dann gehen die Herren zur Sache: „Hoid mi, druck mi, beiss mi, schluck mi, kum vanosch mi, wannst wist wosch mi, reiss ma uns nieda, imma wieda“. Wie immer in diesem Leben kommen nach der Klimax den feurigen Liebhabern erste Zweifel, wie lange das noch weiter geht. „Sie is a Wundafrau“, singt Helmut Bohatsch im Lied „Wundafrau“. Wunder gibt es zwar immer wieder, doch die dauern nur kurze Zeit: „I glaub i bin net mea i, ewig scho kenn i di, frog mi wias weida geht, irgendwos stimmt do net“. Und es kommt, wie es kommen muss: „Es gibt a nix zum wissen, wos ma was des was ma eh, es geht an sunst nua gschissn, ma hoit si söwa nua am schmeh“. Da hilft nur noch ein Rezept: „Fernet, Whisky, Zippero und Schnaps mit eingelegte Kräuter, trinken muss er sowieso, liebste tot doch leben geht weiter, hijo,...“.Ein Album mit derart intimen Liebes- und Leidesliedern funktioniert nur, wenn die Texte musikalisch und gesanglich kongenial umgesetzt werden. Der hauptberuflich als Schauspieler tätige Helmut Bohatsch spürt genau, wie lange er Silben zerdehnen kann, wie viel Pathos, wie viel Ächzen und Stöhnen, wie viel Säuseln und Schmalz ein Lied verträgt. Der Gitarrist und Perkussionist Paul Skrepek erteilt Branchenkollegen eine Lektion, wie man mit unanständig viel Zeit zwischen den Tönen Wirkung erzielt, er setzt keinen Ton zuviel, aber auch keinen zu wenig. Und wenn im Lied „Ned gnua“ im Bett die Post abgeht, heizen die Herren ihren Akt vom sanften Vorspiel über die beschwingte Bossa Nova zur lodernd flamencoiden Glut auf, nur um wieder sanft wiegend Rückschau zu halten.Als Anspieltipp für die Liederbestenliste eignen sich der wunderschön schleppende Blues „Kumm mit zu mia ham“ oder das bedächtig swingende „Stew in my own salsa“, dessen Elektrogitarre tönt, als wäre Carlos Santana auf LSD.Hätte es nie einen François Villon oder Tom Waits gegeben, hätten Bohatsch und Skrepek wohl kaum ein solches Album eingespielt. Doch so echt und stimmig sind Deutsch, pardon wienerisch, gesungene Liebeslieder schon lange nicht mehr daher gekommen. Wer jedoch des wienerischen Dialekts nicht mächtig ist, kann höchstens erahnen, was dort in Sachen Liebe nach ein paar Gloserl Woi so alles abgeht. Da wäre ein Beiheft mit Texten in Druckbuchstaben äußerst hilfreich. Die handschriftlichen Textentwürfe mit unterschiedlichsten Schriftbildern sind zwar ein netter, von Booklet-Grafikern gern eingesetzter Gag. Das Entziffern fremder Schriftzeichen überlasse ich jedoch lieber den Archäologen, die sich an ägyptischen Sarkophagen zu schaffen machen. Trotzdem: Die Arbeit mit dem Textbüchlein lohnt
sich und zeigt, dass die Herren dem Thema Liebe mit wahrem Ernst und genau der richtigen Prise Humor begegnen.
Alles in Butter (2012)
 Alles in Butter

Bohatsch & Skrepek gibt es seit 2004. Ihr Zusammenwirken erstreckt sich über unterschiedliche Genres. Zum einen treten sie gemeinsam in Theaterproduktionen oder Kurzfilmen auf, zum anderen produzieren sie Songs. Drei CDs gibt es mittlerweile, ALLES LIEBE, ALLES IN BUTTER und BUAZLBAM. Die Titel klingen recht bejahend. Die einzelnen Nummern sind es auch, für diejenigen, die zwischen den Zeilen spazieren und freie Sicht haben wollen. Die Texte schreibt meist Helmut Bohatsch. Die Musik, reduziert bis überbordend aber immer glasklar, stammt meist von Paul Skrepek. Grundlegendes Instrument ist die Kontragitarre, sie gibt quasi den Ton an. Manchmal gesellt sich ein kleines Ensemble zu ihr, dann wird es bunt. Wienerlied, Jazz, Pop, Experimentelles – alles darf sein.
Helmut Bohatsch, siehe Website und Vita ebendort.
Paul Skrepek ist Musiker, im Speziellen Schlagzeuger, aber eben auch Kontragitarrist, zum Beispiel bei Kollegium Kalksburg oder Bohatsch & Skrepek. Zusätzlich ist er mit diversen anderen Ensembles im Bereich improvisierter Musik tätig. In diesem Rahmen gab er im In- und Ausland Konzerte u.a. beim Jazzfest Salzburg, Jazzfestival Saalfelden, Konstanzer Jazzherbst, Jazzfestival Wien, Nickelsdorfer Konfrontationen, Jazzfestival Sibiu, Jazz aux Oudayas (Rabat), V:NM Festival Graz, Vilnius Jazzfestival, the Knitting Factory (NYC), Unlimited (Wels) und bei Festivals der Wiener Musik (Wean hean, Wien im Rosenstolz, Akkordeonfestival, Schrammelklang). Tonträger von und mit ihm gibt es jede Menge – wie gesagt, Hauptsache es wird gearbeitet.
“Bohatsch & Skrepek – das sind Text & Musik zum Abheben: Ausgangspunkt ist das Wienerische,
doch findet man sich bald in Betrachtungen wieder, die Menschliches, allzu Menschliches thematisieren:
Es sind liebevolle Blicke auf die Mitmenschen, ironisch-philosophische Nachdenklichkeiten, Aufrüttelungen und Besänftigungen, Trauergesänge und Liebeslieder. Dies alles durchsetzt von bittersüßer Melancholie
und feinem Humor. Paul Skrepeks Musik bringt die Poesie von Helmut Bohatsch’ Worten virtuos zur Geltung. Kontragitarre, Melodica, Mundharmonika und Percussion – das reicht, um in die weite Welt zu entführen: Es gibt Anklänge an französische Chansons, Tango-Rhythmen und spanische Melodien, das gute alte Wiener Lied und angloamerikanische Introspektion. Im Arrangement liegt die Finesse, in der Interpretation eine ansteckende Leichtigkeit und Lebensfreude, Temperament und – Achtung: Ohrwurmgefahr!”


 Buazlbam (2018)

Buazlbam


Sie sind wieder zurück. Wobei, wirklich weg waren sie eigentlich nie. Das Wienerlied-Zweiergespann BOHATSCH & SKREPEK hat sich nach Jahren der relativen Ruhe dazu entschlossen, mit „Buazlbam“ (non food factory) ein neues Album unter die Leute zu bringen. Und dieses kann sich mehr als hören lassen. Was HELMUT BOHATSCH und PAUL SKREPEK auf ihrem dritten Werk in eindrucksvoller Manier zu ihrem musikalischen Programm machen, sind Lieder, die die wienerische Seele in all ihren emotionalen Schattierungen auf wunderbare Weise zum Ausdruck bringen.

Zugegeben, Helmut Bohatsch und Paul Skrepek haben sich viel Zeit gelassen. Seit ihrer letzten Veröffentlichung „Alles in Butter“ sind mittlerweile fast sechs Jahre ins Land gezogen, ein Umstand, der – lauscht man dem Ergebnis – aber schnell verziehen ist. Das Zweiergespann zeigt sich auf „Buazlbam“ in Hochform und liefert ein Stück Wiener Musik ab, welches wirklich hochgradig zu begeistern vermag.
Helmut Bohatsch, die mit rauer Stimme singende und lyrisch textende Hälfte des Zweiergespanns, und der für die edlen musikalischen Klänge sorgende Multiinstrumentalist Paul Skrepek spielen sich auf ihrem dritten Album durch eine Liedersammlung, die die Luft Wiens in vollen Zügen atmet und das Gefühl und den Charakter der Stadt auf ungemein charmante und zugleich kunstvolle Art einfängt. Der Ton, den die beiden in ihren Nummern anschlagen, ist von einer bittersüßen Melancholie, von einer tiefgründigen Schwermut und berührenden Verträumtheit, von einem dunklen, bissigen und augenzwinkernden Humor, der zum Schmunzeln wie auch zum Nachdenken anregt.
Helmut Bohatsch und Paul Skrepek wissen mit ihren wirklich feinen Melodien auf wunderbar abwechslungsreiche Art umzugehen, sie lassen es tänzeln und leichtfüßig schwingen, bluesig und schwer werden, an einer Stelle packen sie das verspielt Jazzige aus, an einer anderen ist es der Tango oder sind es soulige Elemente, die den Klang der Lieder stilvoll verfeinern. Auch vor gelegentlichen Abstechern in Richtung Pop scheut das Duo nicht zurück. Die musikalischen Geschichten, die Bohatsch & Skrepek erzählen, entfalten auf jeden Fall viel Stimmung, sie laden zum intensiven Hinhören ein und sprechen eine gefühlvolle Sprache, die einen nicht kaltlässt.

Bohatsch & Skrepek beweisen auf „Buazlbam“ einmal mehr ihre ganz besonderen Qualitäten. Das neue Album offenbart sich als ein echtes Hörerlebnis, das einen sanft verführt, mitreißt und vortrefflich zu unterhalten weiß.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen