Waldorf Hysteria
Der Kalksburger Schlagzeugler Paul Skrepek hat sich mit Tastenmann Hannes Löschel und Rohrblattler Martin Zrost schon vor 23 Jahren zu
einem Trio zusammengefunden, das nun auf „Waldorf Hysteria“
(Loewenhertz) in einer knappen Stunde 24 Stücke von aphoristischer Prägnanz und nonchalanter Eleganz
kompiliert hat: artifiziell wackelige Ostfolklore meets proggy
Chamberjazz – ganz großes Kurzfilmkino! (Klaus Nüchtern)
Das
im Jahre 1995 gründete Ensemble erhielt bereits mit seiner ersten CD
„While You Wait“ (1997) den – damals glücklicherweise noch
ausgeschriebenen – Hans Koller-Preis für Jazz und improvisierte Musik.
Eigentlich kein Wunder, waren doch die drei Musiker bereits in
zahlreichen anderen namhaften Projekten als kreative Köpfe involviert.
Bei der ersten Präsentation ihres Programmes im Porgy & Bess,
angesiedelt im Etablisement der ehemaligen Fledermausbar und wohlfeil
anmoderiert vom Mitbegründer und damaligen Mitgesellschafter Renald
Deppe, schrieb der hochtalentierte Essayist und Textpoet Klaus Peham,
seinerseits in späteren Jahren zu Ruhm, Ehre und Mythos gelangt als Zug-
und Bahnführer der Yppsthalbahn wie folgt:
„Also, ihr
für einen Moment geöffneten und eingelassenen Kaleidoskop-Ohren, merket
auf: Die Musik des Trios gehört zum Aufregendsten, Frischesten und
zugleich Schönsten, was unser Arbeiter-, Bauern- und Hausmeisterstaat
der Welt an akustischen Kulturleistungen heutzutage anbietet. Ihre
weltgeschichtliche Bedeutung […] hat sie dadurch erlangt, dass sie die
wertvollsten Errungenschaften des bürgerlichen Zeitalters (Anm.: zum
Beispiel ein oder mehrere Instrumente meisterlich beherrschen;
Notenlesen; Sinn für das Klangschöne ohne jeden Kitsch; feine Ironie)
keineswegs ablehnte, sondern sich umgekehrt alles, was in der mehr als
zweitausendjährigen Entwicklung des menschlichen Denkens und der
menschlichen Kultur wertvoll war (i.e. Free Jazz, Improvisationsmusik,
Neue Musik, Sampler und Kaleidoskope), aneignete und verarbeitete. (W.
l. Lenin, Ausgewählte Werke, Bd. 5) Aber Obacht! Die Gelassenheit,
Prägnanz, ja: Strenge, mit der sich da vor Ihren geöffneten und
eingelassenen Kaleidoskop-Ohren musikalische Miniaturen entwickeln, darf
nicht über die Vielschichtigkeit dieses akustischen Vexierspiels
hinwegtäuschen. Stellen Sie sich eine jener wertvollsten
Errungenschaften des (vor-)bürgerlichen Zeitalters vor: Sie sind in
eines dieser streng geometrischen, weitverzweigten Labyrinthsysteme
eines französischen Barockgartens geraten; hinter jeder Hecke scheinbar
vertraute Stimmen; an jeder Abzweigung glauben Sie schon einmal
vorbeigekommen zu sein … Seither gelten Sie als vermisst … Also seien
Sie auf der Hut, und lassen Sie sich – insbesondere bei Stücktiteln wie
Clips & Tips – kein ,p‘ für ein ,t‘ vormachen.“

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