Montag, 7. September 2020

Chris Watzik - Weit weg (2005)

Weit weg

 Seit drei Jahrzehnten steht der Steirer Chris Watzik auf der Bühne. In den letzten 10 Jahren hauptsächlich mit der Liedermacherband SOLOzuVIERT.
Kompositionen, Arrangements, Gesang, Themen – wirklich alles, wie man es vom steirischen Triumvirat kennt und liebt. Und jetzt kommt das Beste: Nichts, aber auch gar nichts, wirkt her wie ein Plagiat, wie „abgekupfert“: Die Texte genau so ehrlich und authentisch, die Musik genau so unspekulativ und selbstverständlich, wie STS-Fans das auch an „ihrer“ Band so lieben. Die Stimme klingt mal ein bisschen nach Schiffi, mal fast wie Timischl, bei den Liebesliedern meint man manchmal, der Herr Fendrich käme einem aus dem Membran entgegen – nur nach Steinbäcker klingt er nie  der hat einfach ein ganz eigenes Timbre…. Dafür könnten einige Kompositionen – vor allem ruhigere Stücke, wo das Piano schön zur Geltung kommt, auch durchaus aus dessen Feder sein.
Nun – ich finde meinen eigenen Einstieg jetzt etwas merkwürdig: Dauernd die Vergleiche mit „großen Nummern“ und „Vorbildern“ (wenn sie es denn überhaupt sind…): das ist eigentlich verdammt ungerecht und auch in keinster Weise böse gemeint – es bietet sich hier einfach nur an, um „zu zeigen, was einen hier erwartet“ – weil sich die Parallelen halt geradezu aufdrängen.Eines möchte ich aber hier ganz vehement betonen: Chris Watzik ist ein hervorragender, eigenständiger Künstler, der den hier angestellten Vergleichen auch jeder Zeit absolut Stand hält! „Weit weg“ enthält 14 Titel mit deutlich über 1 Std. Spielzeit, allesamt handwerklich auf Spitzenniveau eingespielt und produziert, und schon nach kurzem Einhören gibt es nicht mehr den geringsten Zweifel am individuellem Können und der Authentizität dieses Mannes, der Jahrgang 1975 ist und aus Graz kommt.
Musik:
Ein guter Teil von „Weit weg“ ist im „Country-Sound“ gehalten, nämlich der Opener „Wäre das nicht schön“, der zweite Titel „I was eh“, „Sommer komm“, „Weil es ist so schön da“, und eigentlich auch das etwas langsamere „Herbst im Land“. Wer STS-Lieder wie „Zeit für ein paar Stunden“ oder auch "über 100 Wege“ kennt und mag, der liegt hier goldrichtig. Außerdem gibt es einige sehr gefühlvolle „typische Songwriter“-Balladen, die sich mit den „bittersüßen Seiten des Themas Liebe“ („Ohne Dich“, „Immer wieder“), der leisen Melancholie nach einer wunderschönen Nacht unter alten Freunden“ („Die Nacht ist vorbei“), der Frage nach dem wirklich Wichtigsten im Leben („Geld Leben“) und -als „Epilog“- mit einem leise-beklemmenden Endzeit-Szenario der menschlichen Existenz („Aus und vorbei“) befassen.
Weiters finden sich eine rockige, engagierte Mid-Tempo-Nummer, die unseren materialistischen und verlogenen Turbo-Kapitalismus anprangert („Robinson Crusoe“), die Rhythm ´n´ Blues-Mid-Tempo-Nummer „Ein freies Leben“ mit traumhaftem „Road-Movie“-Feeling, das bluesige „Jetzt steh ich da“ sowie der -durchaus kritische- Ausflug ins Jazzer-Genre „Jazznight in der Innenstadt“ auf dem Album.
Zu den Texten:
Keine Angst: Trotz der –vermeintlich- hochdeutschen Titel wird hier so gesungen, wie „der Schnabel gewachsen ist“, das heißt mit eindeutig zuordenbarer „steirischer Zunge“ – und das ist auch gut so!!!
Die Themen kreisen um die „wahren Werte des Lebens“ („Wäre das nicht schön“: Jungenträume von Starruhm werden Erkenntnissen des „gereiften Mannes“ gegenübergestellt; „Robinson Crusoe“, „Geld leben“ und „Ein freies Leben“ hatte ich oben schon erwähnt), Befindlichkeiten in schwierigen Beziehungssituationen bzw. an deren Endpunkten („Ohne dich“, Immer wieder“), die Freundschaft („Die Nacht ist vorbei“) und zeugen auch von einer großen Naturverbundenheit („Sommer komm“, „Weil es ist so schön da“, „Herbst im Land“). Die „leichteren/witzigeren“ Texte sind sicher auch nicht schlecht („I was eh“, „Jazznight“, „Jetzt steh ich da“), haben aber nach meinem Geschmack nicht die ganz große Klasse wie die anderen Titel.
QUELLE

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