Samstag, 15. Februar 2020

Prolos - Lieder Aus Der Proletenpassion (2016)

Christine Eders neue Fassung der „Proletenpassion“ zählte zu den großen Wiener Theaterereignissen 2015. Beträchtlichen Anteil am Erfolg des ursprünglich 1976 als Kooperation des Autors Heinz R. Unger und der Politfolkband Schmetterlinge entstandenen Stücks über die Geschichte der Befreiungskämpfe unterdrückter Klassen hatte die neu arrangierte Musik von Eva Jantschitsch (alias Gustav) und Knarf Rellöm. „Lieder aus der Proletenpassion“ (Neustart) versammelt nun Auszüge daraus auf Schallplatte (mit Downloadcode).
Das überbordende 3-LP-Original wurde auf 17 revolutionäre Chansons verdichtet, die Surf und Elektronik ebenso zitieren wie Klezmer-Melancholie und punkige Angriffslust, was dem Stoff ein überzeugendes ästhetisches Update verpasst. Im Frühjahr 2017 soll „Proletenpassion 2015 ff.“ wieder in Wien zu sehen sein; die Lieder hauen derweil auch ohne zugehörige Bühnenaction gut hin.
2016 quittierte das stil- und qualitätssichere Wiener Label Totally Wired Records den Dienst. Die daraus hervorgegangene neue DIY-Plattform Cut Surface trägt die Fackel aber weiter, wie jetzt auch „The Lottery“ von Bruch (LP mit Downloadcode) nachdrücklich beweist. Versiert in allen dem Minimalismus zugeneigten subkulturellen Standardtänzen zwischen Rockabilly und Elektropunk gibt Bruch alias Philipp Hanich den romantischen Crooner in Grauschwarz hier ebenso überzeugend wie den zynisch grinsenden Gift-und-Galle-Spucker.
„Entangled and Entwined“ (Konkord), das auf oranges Ten-Inch-Vinyl gepresste Mittelformat (CD liegt bei) der Vorarlberger Musikerin Juleah, ist alt und neu zugleich. 2013 bereits online veröffentlicht, wurden diese fünf zeitlos schimmernden und von finsteren Dämonen und süßen Versprechungen bevölkerten Perlen reduziert-spröden Neo-Psychedelik-Gitarrenpops zwischen Sanftmut und Stacheligkeit nun völlig zu Recht aus dem digitalen Grab geborgen.

 Lieder Aus Der Proletenpassion

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