Man kann mit Sigi Maron nicht
streiten. Ich meine: natürlich kann man. Wie mit kaum jemandem sonst in
unserem Kulturkreis. Dieser Künstler ist ein streitbarer Geist par
excellence. Aber es macht – bei aller (Eigen-)Ironie, der ihm wie ein
Schalk im Nacken sitzt – keinen Sinn, Details kleinlich in Frage zu
stellen. Wie ich es versucht habe. Der Frosch zu Beispiel, dieses
harmlose Tier, erschien mir zu niedlich, zu nichtssagend, zu – nunja,
nichtig. Jedenfalls nicht passend für ein spätes, reifes Album eines
wortgewaltigen und bildmächtigen Liedermachers. Bis mir Sigi Maron die
Beweggründe erläuterte. Man kann sie nur in Demut und Respekt vor einer
Grösse, die keine Kleinheit kennt, zur Kenntnis nehmen. „Es gibt kan
Gott“ erscheint also mit einem Frosch auf dem Cover, gemalt von Nina
Maron, Sigis Tochter. Die Motivation wird er Ihnen live auf der Bühne
darlegen. Oder sonstwie und sonstwo. Da bin ich mir ziemlich sicher.Denn mit Sigi Maron kehrt eine wirkliche
Legende auf die Bühne, in die Feuilleton-Spalten und in die noch
verbliebenen Plattenläden zurück. Es ist kein Comeback der üblichen,
meist rein kommerziell motivierten Art. Krankheitsbedingt ist Maron, die
Galionsfigur der heimischen Polit-Singer-/Songwriter-Szene, über
fünfzehn lange Jahre nicht aufgetreten. Die Rückkehr des engagierten,
impulsiven und geliebt-gefürchteten Schmäh- und Wortführers, der seit
seiner Jugend im Rollstuhl sitzt, darf als überaus kräftiges
Lebenszeichen gewertet werden. Und nie waren Marons Songs besser,
bissiger, brisanter als heute.Anno 2010 tritt Sigi Maron
gemeinsam mit den jungen Musikern der Rocksteady Allstars auf – Ska und
Reggae in Verbindung mit Maron-Texten (u.a. nachzulesen im Buch „Fahrrad
gegen Mercedes. Gedichte und so“, erschienen im Verlag Bibliothek der
Provinz), das ist eine ganz frische, unorthodoxe und vergnügliche
Kombination. „Die Musik macht mir, bei aller Anstrengung, wieder eine
unbändige Freude“, erläutert der Sänger. Die Unbill diverser
Lebens-Handicaps, Zeitgeisterstunden und Alltagswidrigkeiten wird
solchermassen flugs mit dem Rock’n’Rollstuhl entsorgt.
1944 in Wien geboren, wuchs Sigi Maron mit sechs Geschwistern in Gneixendorf bei Krems auf. In den siebziger Jahren reifte er im Umfeld der „Arena“-Bewegung zum sozialkritischen Liedermacher heran. Sein erstes Album („Schön is des Lebn“, 1976) produzierte André Heller. In Zusammenarbeit mit den Schmetterlingen, später mit dem Kevin Coyne-Produzenten Bob Ward und mit Konstantin Wecker schuf er zeitlos gültige Meisterwerke wie „Laut & leise“, „He Taxi“, „5 vor 12“ oder „Unterm Regenbogen“. Die Single „Geh’ no net fort“ rangierte 1985 zehn Wochen lang in den Charts. Maron galt dabei immer als eine der personellen Speerspitzen der heimischen Polit-Künstler. 1998 und 2003 kandidierte er für die Kommunistische Partei für den niederösterreichischen Landtag. Vom beissenden Spott, der zärtlichen Zynik und volksverbundenen Derbheit seiner Formulierungswut blieben aber auch die eigenen Genossen meist nicht verschont.
Manche erinnern sich: einst, Anfang der achtziger Jahre, protestierte Maron gegen den weitgehenden Ö3-Boykott der kritischen Liedermacher – die „Musicbox“ war eine Ausnahme – vor dem Wiener Funkhaus. Und wurde dafür von der Polizei in die Psychatrie eingeliefert. Daß er dereinst am selben Ort geliebt, gehört, geehrt würde, war damals nicht abzusehen.
Textauszug von Walter Gröbchen, August 2010
1944 in Wien geboren, wuchs Sigi Maron mit sechs Geschwistern in Gneixendorf bei Krems auf. In den siebziger Jahren reifte er im Umfeld der „Arena“-Bewegung zum sozialkritischen Liedermacher heran. Sein erstes Album („Schön is des Lebn“, 1976) produzierte André Heller. In Zusammenarbeit mit den Schmetterlingen, später mit dem Kevin Coyne-Produzenten Bob Ward und mit Konstantin Wecker schuf er zeitlos gültige Meisterwerke wie „Laut & leise“, „He Taxi“, „5 vor 12“ oder „Unterm Regenbogen“. Die Single „Geh’ no net fort“ rangierte 1985 zehn Wochen lang in den Charts. Maron galt dabei immer als eine der personellen Speerspitzen der heimischen Polit-Künstler. 1998 und 2003 kandidierte er für die Kommunistische Partei für den niederösterreichischen Landtag. Vom beissenden Spott, der zärtlichen Zynik und volksverbundenen Derbheit seiner Formulierungswut blieben aber auch die eigenen Genossen meist nicht verschont.
Manche erinnern sich: einst, Anfang der achtziger Jahre, protestierte Maron gegen den weitgehenden Ö3-Boykott der kritischen Liedermacher – die „Musicbox“ war eine Ausnahme – vor dem Wiener Funkhaus. Und wurde dafür von der Polizei in die Psychatrie eingeliefert. Daß er dereinst am selben Ort geliebt, gehört, geehrt würde, war damals nicht abzusehen.
Textauszug von Walter Gröbchen, August 2010
Auf dem Label Bunny (0119028) erschien 1973 das Frühwerk des Sigi Maron.
Schön is' das Leb'n (1976)
Schön is' das Leb'n
Laut & Leise (1978)
Laut & Leise
He Taxi (1979)
He Taxi
Sonst gar nichts (1980)
Sonst gar nichts
05 vor 12 (1981)
05 vor 12
Der Tag is net weit (1982)
Der Tag is net weit
Unterm Regenbogen (1985)
Unterm Regenbogen
Von heut nach morg'n (1986)
Von heut nach morg'n
Saitenhiebe (1989)
Saitenhiebe
Lieder 1981-1986 (1989)
Lieder 1981-1986
Liib Haimadland Adee (1992)
Liib Haimadland Adee Geh no net furt (1993)
Geh no net furt
Hoizweg (Best of Ballad) (1993)
Hoizweg
Raps und Rübsen (1996)
Raps und Rübsen
Live im Jugendzentrum der Keller (Bad Ischl 30.04.1983) (2007)
Live im Jugendzentrum
Live am Attersee (Festival des politischen Liedes) (2009)
Live am Attersee
Es gibt kan Gott (2010) (2 CD)
Es gibt kan Gott
Sigi Maron & The Rocksteady Allstars - Es is net ollas ans (Live ORF Kulturhaus) (2012)
Es is net ollas ans
Dynamit und Edelschrott (2014)
Dynamit und Edelschrott
San aufn Weg (2017)
San aufn Weg
Sigi Maron (* 14. Mai 1944 in Wien als Siegfried Maron[1]; † 18. Juli 2016 in Baden bei Wien[2]) war ein sozialkritischer, österreichischer Liedermacher.
Maron wuchs mit sechs Geschwistern in Gneixendorf (damals:) bei Krems an der Donau auf. Seit er 1956 an Kinderlähmung erkrankte, war er auf einen Rollstuhl angewiesen. Der Arzt empfahl ein Musikinstrument. Er bekam eine Gitarre, um das Greifen mit der linken Hand zu trainieren und hat sich so wie er selbst sagt "die linke Hand wieder erobert."[3] Seit 1997 war er aus gesundheitlichen Gründen nur noch sehr selten live zu sehen. Ende 2014 teilte er mit, dass er keine Konzerte mehr geben werde.
In seinen Liedern verwendete er den Wiener Dialekt und scheute dabei auch vor derben Kraftausdrücken nicht zurück. Inhaltlich befasste sich Maron als Atheist und Kommunist zumeist mit politischen und sozialkritischen Themen wie der Arbeitslosigkeit, dem Bau des Atomkraftwerks Zwentendorf, den Rüstungsausgaben oder dem Organhandel, die er unter „Scheisskapitalismus“ subsumierte. Seine Kündigung durch eine große Plattenfirma, bei der er lange als EDV-Spezialist gearbeitet hatte, im Rahmen einer Rationalisierungsmaßnahme, ordnete er in diesen Kontext ein.[4] Bekannt wurde er im Umfeld der Besetzung der Arena in Wien 1976 mit seinen Alben Schön is’ das Leb’n (1976) und Laut & Leise (1978). Er trat bei zahlreichen Demonstrationen auf, wie etwa der großen Friedensdemonstration in Wien am 15. Mai 1982.[5]
Im ORF war er lange unerwünscht. Auftritte und Songs von Maron zu senden, war drei Jahrzehnte lang allen Redaktionen verboten. Ein Star, dessen Konzerte im Hauptabendprogramm ausgesendet wurden und dessen Platten bei Amiga in hohen Auflagen verlegt wurden, war er in der DDR.[6]
Mit seiner Single Geh no net fort war er 1985 zehn Wochen lang in den österreichischen Charts, die beste Platzierung des Liedes war Platz 5. Nach 14-jähriger krankheitsbedingter Pause veröffentlichte er im Oktober 2010 das Doppelalbum Es gibt kan Gott.[7] Nach zwei Livealben, darunter das im Ö1-Radiokulturhaus mitgeschnittene Es is net ollas ans, veröffentlichte er im Frühjahr 2014 das Album Dynamit und Edelschrott. Im Herbst 2014 ging er auf Abschiedstour.[8]
1998 und 2003 kandidierte Maron für die Kommunistische Partei Österreichs erfolglos für den Niederösterreichischen Landtag. 2004 war er einer der Juroren des Protestsongcontests.
Sein nach Meinung der linken Tageszeitung junge Welt bekanntestes Lied, die Ballade von ana hoatn Wochn, stattete er mit dem „manifestartigen Refrain“ aus, der auch als „Schwäbischer Gruß“ geläufig ist: mit Leckts mi aum Oasch.[9] Er sprach, wie er einmal sagte, „höflich, vornehm und dezent, wie ich es immer tu, allerdings unter Einschluss eines gewissen ordinären Wortschatzes“.[10]






















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