Neuwirths Mutter arbeitete als Sonderschullehrerin, sein Vater war Maler, Bildhauer und Restaurator in der Wagenburg von Schönbrunn. Sein Onkel schenkte ihm eine Mundharmonika, wodurch Neuwirth schon als Kind zu musizieren begann. Mit etwa 13 begann er als Autodidakt Gitarre zu spielen, mit 18 spielte er Bass in einer Jazzband. Später entwickelte er sich mehr in Richtung Blues und Rock. Bei einem Konzert im Jazzland stellte Neuwirth fest, „kein Farbiger zu sein, sondern ‚born in Floridsdorf‘ und nicht in Chicago“.
Neuwirths wandte sich nun dem Wienerlied und der Schrammelmusik zu. 1973 begann er sein Studium der Gitarre bei Luise Walker an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, das er 1977 beendete. Während seiner Studienzeit gründete er die „Neuwirth Schrammeln“ die später in die „Extremschrammeln“ übergingen. Neuwirth ist gelernter Schriftsetzer und arbeitete, bevor er Berufsmusiker wurde (1985), als Setzer in der (in Wien sehr bekannten) Partezetteldruckerei Lischkar & Co.
Der Leiter der „Extremschrammeln“ schrieb an die 300 Lieder für Duo- und Schrammelbesetzung, darüber hinaus Tänze, Walzer und Neutöner, einige Orchesterwerke, Theater-, Film- und Hörspielmusik. Sein Ensemble besteht seit 1974 und hat bis dato 13 Tonträger eingespielt.
Neuwirth steht mit seinem Ensemble für die Erneuerung des Wienerliedes, erhielt dafür 1984 den Sonderpreis der Stadt Wien, wurde 1994 mit dem Nestroy-Ring und 2002 mit dem Silbernen Ehrenzeichen der Stadt Wien geehrt.
Von 1988 bis 2006 war er bei Warner Music Austria unter Vertrag. Nach der Fusion von Schrammelmusik und Pop-Sound auf seiner ersten Warner-CD Guat drauf kommt es – nach oftmaligem Wechsel der Streicher – zur aktuellen klassischen Besetzung mit dem spezifischen Klang:
Roland Neuwirth – Gesang und Kontragitarre
Doris Windhager – Überstimme
Manfred Kammerhofer – 1. Geige
Bernie Mallinger – 2. Geige
Marko Živadinović – chromatische „Knöpferl“-Harmonika
Die höchste Auszeichnung erhielten seine Schrammeln nicht nur durch die Arbeit mit den Dichtern H. C. Artmann und Ernst Jandl, sondern dass sie verstorbenen Fans die letzte Ehre erweisen durften. Neben der Herausgabe des Buches Das Wienerlied (Zsolnay) und einer CD-Anthologie Die besten Schrammeln mit historischen Aufnahmen (Trikont) ist Neuwirth als Gastdozent an Schulen, darunter auch an der Wiener Musikuniversität, tätig.
Die Extremschrammeln touren regelmäßig durch Österreich; dazu kommen immer wieder Auftritte in Deutschland. Konzertreisen führten Roland Neuwirth und seine Musiker auch nach Kroatien, Bosnien, Frankreich, Griechenland, auf die Kapverdischen Inseln, in die USA und Kanada. Zahlreiche Auftritte in Film und TV, außerdem zwei Fernsehporträts. Neuwirth wuchs in Wien-Hernals auf und hat darüber in der ORF-Doku Mein Hernals berichtet. Am 23. September 2016 starteten Neuwirth und die Extremschrammeln ihre Abschiedstournee.
Für 2017 wurde Neuwirth der Preis der Stadt Wien für Musik zugesprochen.
Auf dem ersten Album wärmt sich der symphatische Gastdozent an der Wiener Musikuniversität erst einmal auf. Die besten Neuwirth LPs kommen erst ein bissi später!
Neuwirth-Schrammeln – 10 Wienerlieder und 1 Fußpilz-Blues (1978)
10 Wienerlieder und 1 Fußpilz-Blues
Der Meister des modernen Wienerliedes ließ sich bis zur Veröffentlichung seiner zweiten LP mehrere Jahre Zeit. Gleichzeitig verwirrt er seine Fans und durchgeknallte Kompettisten wie mich damit, dass seine zweite LP in zwei unterschiedlichen Versionen erschienen ist:
Neuwirth Schrammeln - Alles is Hin (1981)
Alles is Hin
Neuwirth Schrammeln - Extrem (1983)
Extrem
Neuwirth Extrem Schrammeln - Alles is Hin (1984)
Alles is Hin
Roland Neuwirth - Guat Drauf (1988)
Guat Drauf
Roland Neuwirth & Extremschrammeln - Waß Da Teufel (1989) (2 CD)
Roland Neuwirth & Extremschrammeln - Essig & Öl (1994)
Roland Neuwirth & Extremschrammeln - Moment, der Christbaum brennt! (1995)
Roland Neuwirth & Extremschrammeln - I håb an Kårl mit mir (1996)
I håb an Kårl mit mir
Roland Neuwirth & Extremschrammeln - Nr. 9 - Die Pathologische (1998)
Nr. 9 - Die Pathologische
Roland Neuwirth & Extremschrammeln - Geschrammelte Werke, Auslese 1974 - 1999 (2 CD)
Geschrammelte Werke
Roland Neuwirth & Extremschrammeln - Nachtschicht (2002)
Nachtschicht
Roland Neuwirth & Extremschrammeln - Wien g’spürn (2006)
Auf „Alle meine Dichter“ bringt Roland Neuwirth seine Lieblingsgedichte gemeinsam mit Ulrike
Beimpold, Georg Kusztrich und Robert Reinagl, den Sopranistinnen Agnes
Palmisano, Andrea Budil und Sara Almazán-Gil, sowie dem RSO Wien unter der
Leitung von Dirigent Werner Steinmetz. Das Schrammelquartett liefert
dabei solistische Klangkörper.
Roland Neuwirth - Alle meine Dichter (2007)
Roland Neuwirth & Karl Hodina - Briada (2007)
Briada
Roland Neuwirth & Extremschrammeln - Christkind renn! (2013)
Christkind renn!
Des End vom Liad (2018)
Des End vom Liad
Mit seinen „Extremschrammeln“ hat Roland Neuwirth Wiener Musikgeschichte geschrieben. Jetzt tritt er von der Bühne ab. Der Musik will er sich aber weiter widmen.
Mit 66 Jahren ist es für Neuwirth Zeit, die Bühne zu verlassen, wie er sagt. Ein halbes Jahr war er auf Abschiedstournee - mehr dazu in Abschiedstour: Neuwirth & Extremschrammeln. „Mich von einem Publikum verabschieden zu müssen, fällt mir sehr schwer natürlich. Aber ich war nie ein Bühnenmensch. Es war nur eine Notlösung, es hat niemand anderer meine Lieder gesungen.
„Ich bin so reich beschenkt worden“
Ironische Texte und melodische Klänge. Neuwirth hat mit dem Wienerlied experimentiert und eine neue Dimension zugeführt. „Ich würde sagen, ich habe es in die heutige Zeit geführt und dadurch am Leben gehalten. Auf meine Art natürlich“, sagte Neuwirth.
Gesundheitsbedingter Abschied
Warum also dann jetzt der Abschied von der Bühne? Weil er nicht ganz gesund ist, sagt Neuwirth und weil er in Ruhe Musik machen will. „Ich komponiere eben und spiele für mich, vielleicht im kleinen Kreis. Ich weiß gar nicht, ob ich es auch aushalten werde. Ich habe noch nie, nie gespielt“, sagte der Musiker aus Hernals.














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