(Alfred) Goubran - Irrlicht
Eine Stimme wie zwei Metallbauträger die rau aneinander reiben, ein
Sound, der tief im schäbigen Blues hängen bleibt, Songs, die irrlichtern
zwischen Zorn und Zärtlichkeit – Alfred Goubrans Musikprojekt [goubran]
geht nach dem gefeierten Debütalbum Die Glut (produziert von Oliver
Welter) in die zweite Runde: Sein neues Album Irrlicht ist kein
Soundtrack fürs Candlelight-Dinner und Alfred Goubran kein Mann fürs
gefällige Honig ums Maul schmieren. No way! Aber mal ehrlich: Für
freundliches Gewäsch sind die Zeiten auch einfach zu roh und düster. „Du
hast dich lieb, und stellst dich taub, du fühlst dich gut, und bist nur
laut.“ – grantelt Alfred Goubran in Der Tod der schönsten Stunde.
„Captain Thomas denkt, er hat den Blues, doch er tut sich nur selber
leid …“, heißt es in Captain Thomas, dem Opener, der uns mit seinem
Nebelhornjaulen gleich auf Konfrontationskurs bringt: In jedem Song
lauern Abgründe, in jedem Wort eine Streicheleinheit oder eine
Maulschelle. Um deutliche Worte ist Goubran auf Irrlicht nicht verlegen:
„Der Herr Minister … liebt die kleinen Kinder / vor allem Jungs und
schwarze Kabelbinder / Er ist der Richter, der über den Gesetzen steht / er ist das Übel und die Nacht, die von der Ahnungslosigkeit der Menschen lebt …“
Mit einem crazy bunch von illustren Mitmusikern – unter anderen Stefan
Deisenberger (Naked Lunch), Lukas Lauermann (A Life, A Song, A
Cigarette), Hannes Wirth (Ernst Molden), Markus Perner (Garish) raspelt
Alfred Goubran einen Sound, der an tonnenschweren Grunge-Gitarren
genauso seinen Spaß hat wie an sanften Cello-Melodien und
störrisch-jazzigem Laidback. Ich hab mich nicht verlaufen, weiß nur
nicht, wo ich bin, aus mir ist nichts geworden, weil ich nie
fortgegangen bin. Mit Irrlicht weiß [goubran] ganz genau, wo er hin
will: rein in die Kopfhörer, raus aus den Lautsprechern! Ich hure und
fluche, doch keiner hört hin, deshalb ist es keine Sünde, wenn ich nicht
gut zu mir bin. Da können wir von KONKORD beruhigen: Wenn Alfred
Goubran loslegt mit dieser rauen, angeknacksten Stimme loslegt, hört man
hin. Und vom Gut-Sein ist die Welt auch noch nie besser geworden.
Ein Rezensent bescheinigte seinen früheren Songs, sie seien „Lieder voll
Leidenschaft und Düsternis, durch die umso mächtiger gelegentlich ein
Lichtstrahl bricht.“ Düster ist Irrlicht noch immer, aber neu ist der
offenbar große Spaß an Noise und krachenden Gitarren. Und ein Blitz, der
einfährt, ist ja auch ein Lichtstrahl. Irgendwie.

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