Montag, 3. Januar 2022

BEGGARS STREET INN

 

Probably The Best Record In The World (2009)

Beggars Street Inn (2015)


Österreich, das Land, wo der Rock’n’Roll gelebt wird? Nein, nicht die „Volks-Rock’n’Roller“, sondern Gert Katzianer, der mit seiner Band BEGGARS STREET INN geradezu das wilde, unberechenbare und unwägbare Element des stetig rollenden Rocks verkörpert. 1997 in Boston gegründet, erschien das Debüt „Money For The Dead“ vier Jahre später. Während der Aufnahmen verstarb Gründungsmitglied Alan Hutcheson und Katzianer zog es zurück nach Österreich, wo er BEGGARS STREET INN mit wechselnden Begleitern weiterbetrieb, und selbst in anderen Bands wie CIRCLE CREEK mitwirkte. 2008 schließlich erschien das zweite Album „Down And Out In Hollywood“. Das aktuelle, titellose Werk ist Tonträger Nummer vier.

Promotion und Infos über die aktuelle Zusammensetzung sind so chaotisch wie man es von Rock’n’Rollern im besten (oder schlimmsten) Klischeefall nur erwarten kann. So ist das Trio – bis auf Katzianer – auf der Homepage nicht identisch mit den auf Facebook angegebenen Musikern, auf der (Promo)-CD fehlt jeder Besetzungs-Hinweis, und das Presse-Info bringt es fertig, die Band groß als BEGGARS STREET IN anzupreisen. Kräftig beworben wird das Album bislang anscheinend auch nicht, man sonnt sich noch im Licht des Vorgängers „Probably The Best Record In The World“. Probably not really, aber Rock’n’Roll-Lifestyle allemal.

Viel Vorwort, bevor es um die Musik geht. Oder bereits mitten ins Zentrum? „Rip The Strip“ beginnt so allerweltsrockend, dass man fast Angst hat, Marius Müller-Westernhagen wankt gleich nölend um die Ecke. Stattdessen: Ein heißer Bläsersatz, der den Song schmetternd in eine eigene Sphäre hebt. Gut, den alten und liebgewonnenen Standardklängen entkommen BEGGARS STREET INN selten, doch mit welcher Power und Spielfreude die Stücke aufbereitet werden, berechtigt bereits ihre Existenz.

Gert Katzianer singt wie eine Kombination aus rotzigem Achim Reichel und Tom Waits nach einer Stimmbandglättung. Passt wohl, und führt selbst einen ROLLING STONES-„Country Honk“ wie „Desolated Angels“ in eigene Regionen. Die Zusammensetzung stimmt, es gibt weibliche Unterstützung, mitreißende Bläser, dezente Tasteneinsätze (Piano, Piano auf „Time Will Tell“) und einen Sound, der fast schon zu klar ist. Quatsch, macht Spaß so ein wohlklingendes Baby zu hören.

Die Mixtur aus energischem Powerrock und heimeligen Balladen stimmt; Blues, Country, Rock und ein wenig Psychedelik geben sich raumgreifend die Hand. Selbst das Lou Reed/VELVET UNDERGROUND-Cover „Whaiting For The Man“ ist auf wundersame Weise gelungen, wenn man akzeptiert, dass nicht auf den Heroin-Dealer sondern den Bierkutscher gewartet wird. Der natürlich einen Flachmann Whisky in seiner Manteltasche hat, die er gerne mit Stammkunden teilt.

 

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