Samstag, 11. September 2021

SAIKO

 

Saik Rider (2019)

Six Million Dollar (2020)
 


Leopoldau, Endstation. Schon aus einiger Distanz ist Saiko zu sehen, der mit verschränkten Armen und Sonnenbrille vor seinem Auto wartet – einem älteren VW Passat, an dem der gelernte Autolackierer mit sichtbar viel Leidenschaft herumgebastelt hat. Aber wir sind aus einem anderen Grund hier, zumal Saikos Passion für Beats mindestens genauso groß ist.

„Hättet’s gern was? Bier, Radler, Almdudler – Wasser hab ich auch. Oder wollt‘s ein Balisto?“, bewirtet uns Saiko aus seiner Kühlbox, ehe wir zu einer nahegelegen Gstettn fahren. Dort gibt es viel Redebedarf. Denn obwohl der Wiener seit Ende der 1990er-Jahre aktiv ist und zu den bedeutsamsten HipHop-Produzenten Österreichs zählt, stand er bis dato nie wirklich im Rampenlicht. Jahrelang investierte er einen beträchtlichen Teil der freien Zeit nach dem Nine-to-five-Hustle in Produktionen für hiesige Rapper. Darunter in etliche Tracks mit Kamp – inklusive der 1998 erschienenen gemeinsamen Debütsingle „Wo“ –, MadoppelT, Gerard, Vearz, Guilty, Ansa, PerVers oder iLLu$ioN. 2002 gründete er sein Label stiege44, über das einige der genannten Artists ihre Alben releasten. „Da war ich immer sehr kreativ. Ich hab in der Saikogasse auf der Stiege 44 gewohnt, zum Produzieren angefangen und ein Label gegründet“, sagt er schmunzelnd. Abseits dieses Umfelds waren seine Beats etwa schon auf Tracks von Disarstar, Olexesh, Absztrakkt & Cr7z oder Gimma zu hören.

Doch jetzt ist alles eine Spur anders. Seit dem ersten Soloalbum fokussiert sich Saiko auf Instrumentals, um endlich aus dem Schatten der Rapper hervorzutreten. Die Kehrtwende führte ihn kürzlich sogar dazu, beim Studioumbau die Gesangskabine zu zerschneiden. „Es ist natürlich egoistischer, aber ich muss ab sofort bissl mehr auf mich schauen. Ich hab immer die anderen mehr supportet als mich. Jünger werd ich auch nicht mehr und ich kann jetzt das machen, was ich will und wie‘s aus mir rauskommt.“ Die Entscheidung scheint Saiko aus einem Gefühl der Stagnation zu befreien – auch weil die Reichweite österreichischer Rap-Projekte meist überschaubar bleibt und der zeitliche Aufwand auf lange Sicht kaum dafürsteht. „Es sind teilweise echt gute Hawara und ich mag sie sehr, aber es bringt mich in der Musiklandschaft Österreich mit all ihren Hürden und dem nicht vorhandenen Support der Musik aus dem eigenen Land nicht weiter. Da besteht auch kaum Interesse seitens der Medien. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt“, meint Saiko. Wenn die Plattform passt, könne er sich daher auch in Zukunft Rap-Produktionen vorstellen. Aber wohl nicht mehr in der alten Intensität, dafür sind seine Solo-Tracks mittlerweile zu gut im Streaming-Zeitalter angekommen.

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