Mittwoch, 7. Juli 2021

Rote Augen - Augenlieder (2020)

 

Augenlieder (2020)

Wenn es denn heute einen definitiven Namen für eine Rockband gibt, dann diesen: Rote Augen! Die Grazer Band um Matthias Krejan führt auf dem Debütalbum Augenlieder exemplarisch vor, wie es zu klingen hat, wenn sich einige nicht mehr ganz junge, also mit Vergangenheit ausgestattete Herren daran machen, Rock ’n’ Roll so zu spielen, wie es sich gehört: Die Faust passt aufs Auge, aber mit Schmäh. Man hat ja schon einige Zeit gelebt und weiß, wo man Meter gewinnen kann, und wo man nur sinnlos auf den Busch klopft.

Wir denken bei roten Augen übrigens nicht an Reizungen wegen zu langer Bildschirmarbeit. Auch saisonale Allergien oder falsch eingesetzte Kontaktlinsen spielen keine Rolle. Wir sprechen von zu wenig Schlaf, zu viel Alkohol und Zigarettenrauch. Dazu kommt eine Lautstärke, die einen terisch, aber glücklich macht.

Rock ’n’ Roll ist keine Kinderjause. Er gilt zwar aktuell als eine sich bestuhlt und mit Maske und Mindestabstand totstellende historische Unvernunft. Mit der hat man früher frohen Mutes seine Jugend verschwendet. Wenn man sich die Augenlieder allerdings daheim auf der Stereoanlage gut laut anhört, weiß man schon nach sehr kurzer Zeit, dass baldigst ein Impfstoff hermuss. Wir wollen die rohe, wilde und dreckige Livemusik zurück!

Matthias Krejan bespielt mit den Roten Augen ein weites Feld mit Schwerpunkt Retrorock in dessen Garagenzeit während der Sechzigerjahre. Dazu kommen psychedelische Elemente oder klassischer Britpop aus der Schule der Beatles. Weil die Zeit aber nicht immer nur früher stehen bleiben darf, gesellen sich dazu modernere Einflüsse – immerhin ist Matthias Krejan 37 und droht sonst von Retro auf Vintage überzugehen.

 

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