Dear Beloved Asshole (2020)
„Dear Beloved Asshole“ – selten wurde ein Albumtitel so sehr auf den Punkt gebracht, wie es Nnella auf ihrem Erstling tut. Die mittlerweile in Linz beheimatete Künstlerin mit vorarlbergischen Wurzeln veröffentlicht mit diesem Debut eine Platte, die viele Facetten ihres künstlerischen Schaffens beleuchtet. Ein Debut, das eine gelungene Ergänzung für das heimische Plattenregal darstellt.
Eins vorweg: das Album „Dear Beloved Asshole“ ist als Doppel-EP arrangiert – aber auch als Album allein funktioniert das wunderbar. Die ersten vier Songs („In A Way“, „All I Can Say“, „22 Wutanfälle“ und „Lover You Should’ve Come Over“) und somit EP #1 lassen sich derzeit auch auf bekannten gängigen Streamingplattformen hören. Nadja Bodlak alias Nnella, die uns bereits im Februar im Rahmen eines unserer Wohnzimmerkonzerte in der Damen- und Herrenstraße DH5 mit ihrer Stimme beeindruckte, gibt hier bereits einen kurzen Überblick über ihr Schaffen, das in der zweiten Hälfte des Albums, der zweiten EP, wenn man so will, verfeinert wird. Was sofort beim Opener deutlich wird: die Frau kann singen. Verdammt gut sogar. „In A Way“ bewegt sich zwischen klassischem Singer/Songwriting, vielleicht etwas poppiger, und versteht sich wohl als Einleitung zum roten Faden der ersten EP, ehe es mit „All I Can Say“ etwas trauriger und regnerischer wird. Melancholie? Kann sie, die junge Frau. Mit den dazu passenden Arrangements (Jakob Gschwandtner – Drums/Percussion, Alex Matheis / Bass, Valentin Goidinger / Guitar) der wohl berührendste Track des „ersten“ Abschnittes der Platte. Mit „22 Wutanfälle“ wechselt Nnella danach in ihre Muttersprache Deutsch. Vielleicht ist es einfacher, Sehnsucht und Wehmut in seiner Muttersprache zu verarbeiten, vielleicht wollte man hier einfach nur eine weitere Facette inmitten des musikalischen Daseins hinzufügen – macht aber nix, funktioniert in beiden Fällen. „Ich weine genug, um nicht mehr aufs Klo zu müssen!“ – kurz und prägnant könnte man die Stimmung des Songs in dieser einen Lyric-Zeile zusammenfassen, und in der zweiten Hälfte des Tracks darf sich auch die Band austoben. „Lover, You Should’ve Come Over“ beschließt dann die erste EP, einen viertelstündigen Salzstreuer in offene Wunden. Stimmlich gewohnt gewaltig.

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