Samstag, 21. November 2020

GLUTAMAT

Scheitern Inbegriffen (2008)

Scheitern Inbegriffen

 Überall im Leben braucht man Glutamat.

Glutamat juchzen, säuseln, heulen, lassen Synthesizer dröhnen, spielen mit der Bohrmaschine Gitarre, haben eine Geige mit einer Saite, sind kitschig, kaputt, brachial, wunderschön, monoton, aufwühlend, dilettantisch, sexy, hässlich, lassen nichts anbrennen und man kann übrigens auch dazu tanzen. Die überzeugendste Glam-Trashband der letzen Jahre präsentiert sich auf ihrem neuen Album (welches ungefähr das vierte sein müsste) in dadaistischer Hochform!

Sturm der Herzen (2012)

Sturm der Herzen

Weshalb sollte man eine Antwort geben, wenn noch nicht einmal geklärt ist, ob es überhaupt eine Frage gibt? In den 13 Songs ihres mittlerweile fünften Albums führen Glutamat wieder eine neue, weiterentwickelte Variante ihres vergnügten Tänzchens mit der Leichtgläubigkeit auf, das hier bereits mit dem Albumtitel beginnt. Sturm der Herzen – der Titel sagt doch alles! Ach so? Aber nein, hier gibt’s nicht den erwarteten Schlagerkitsch. Die musikalische Bandbreite reicht von trocken-brutalen Garagenpunkkrachern über bizarre Exkursionen in den Krautrock bis hin zu gefühlvoll verlogenen Liebesliedern, die ohnehin nur vom Tod aller Beteiligten handeln. Vieldeutigkeit ist hier der philosophische Unterbau, Vielfalt die gewählte Musikrichtung. Aber klar, man kann auch dazu tanzen! In jeder Hinsicht haben Glutamat ihr Spektrum nochmals deutlich erweitert, allerdings ohne damit irgendetwas anderes beweisen zu wollen, als dass der uns umgebende Schutthaufen aus Formen, Wörtern, Zeichen und Genres schleunigst besetzt und zweckentfremdet werden sollte, bevor es andere tun. Giftig, präzise und wohltuend.
 

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