Freitag, 21. August 2020

Woody Melectric - Endlich daham (2015)

Endlich daham

Woody Melectric haben einen Bandnamen, der klingt wie eine neue amerikanische Zeichentrick-Serie, eine superbe Besetzung und eine musikalische Mission. Genau genommen kommen sie aus dem Waldviertel, spielen Musik, die in keine Schublade passt und einfach nur wunderschön klingt!
„ENDLICH DAHAM“, das Album, eingespielt mit dem neuen Drummer Michi Sator, ist laut Info „rhythmischer, abwechslungsreicher und weniger melancholisch als das Vorgängeralbum“. Noch abwechslungsreicher? Geht das? Klar, Woody Melectric können das! „Puls am Zenit“ schlägt in diese Kerbe, ist musikalisch ein Leckerbissen und gefällt mit Schneider’s U2-inspirierten Gitarren, insbesondere das Solo, alle Achtung! Sonja Schneider singt deutsch und kredenzt einen Text, der zwischen Reinhard Mey und den Phrasenmäher eine Brücke zwischen intelligenten Reimen und massenkompatiblen Zeilen a la Pur gekonnt schlägt. Fängt schon gut an. Und es wird gleich noch besser: „Voglzug“ ist in Mundart gesungen, plätschert so richtig relaxt aus den Boxen und Schneider, der Schelm , zitiert im Solo „Somewhere Over The Rainbow“, bevor das Solo in eine Octaver-Wah-Wah-Orgie kippt. Und dann gehts wieder poppig relaxt weiter, eher ein trancig-psychedelischer (!) Synthesizer-Schluss den Zuhörer endgültig verblüfft. „Twist In My Sobriety“ – im Original von Tanita Tikaram –  ist Sonja Schneider natürlich auf den Leib, äh… die Stimme! – geschrieben. OK, englisch, Coverversion, – langsam überrascht mich eh nix mehr, denn Woody Melectric sind auf ihre Art so einzigartig, dass man mit Allem rechnen muss. So auch auf dieser Coverversion des Megahits von 1988, wo ein Streichquartett einen Kontrast zur doch rockigen Band bildet. Der Titeltrack „Endlich daham“ ist dann wieder in Mundart gesungen, allerdings rhythmisch vertrackt und dennoch gerade im Refrain volksmusikalisch angehaucht ist. Interessanter Song, in welchem Sigi eine schönes, melodiöses Solo beisteuert. Sie singt „s Lebm is so wunderschee“, das kommt hin! Und es wären nicht Woody Melectric,  würde es jetzt mal für ein, zwei Songs „normal“ weitergehen… „Tief“ beginnt mit einem astreinen Heavy Metal-Riff, ehe es zappaesk dahinpoltert, gesungen wird hochdeutsch, einmal mehr rhythmisch irgendwo im 7/8-Nirvana, dazu die engelsgleichen Vocals und dann ein jazzrockiger Instrumentalteil. Heavy Riffs im Chorus… unpackbar geil! „Lied“ ist wieder hochdeutsch gesungen und diesmal bewegen wir uns musikalisch im Pop-Rock-Bereich mit jazzigen Einlagen, einem Refrain wie aus der Jungschar-Chorstunde und ein souveränes Gitarrensolo. Das angeheuerte Streichquartett tritt bei „Unermüdlich“ erneut an, also anfangs ist dieser deutsch gesungene Song eher klassikangehaucht, später dann smoothig relaxt bis hin zu medium Rock. Coole Bass-Lines sprengen dann „Grenzen“, so der Titel des nächsten Songs, der auch von Jethro Tull sein könnte, gesungen wird abermals Hochdeutsch. Man kann jetzt schon feststellen, dass der neue Schlagzeuger noch viel besser in den „Sigi-Schneider-Woody-Melectric-Musik-Kosmos“ passt, rhythmisch versierter spielt und mehr Dynamik in den ohnehin schon dichten Sound-Katalog bringt. Und dann die nächste Überraschung: „Drifting“ ist ein Instrumental-Song, der den Ausnahmebassisten Wolfgang Frosch mal in den Mittelpunkt des akustischen Interesses stellt. Tolles Thema und Bass-solistisch allererste Sahne und so sieht man auch augenzwinkernd darüber hinweg, dass der Schlingel bei Stanley Clarke ein paar Fills geklaut hat. Nach den Bass-Ausflügen in jazzrockig-balladeske Instrumentalgefielde mit virtuosen Bassläufen, singt Sonja „parapa di du di a di da da…“ – also textfrei a la Astrud Gilberto, ehe der Bass-Frosch wieder die Frequenzen übernimmt, dazwischen stimmt man sowas ähnliches wie „Superstitious“ an und das letzte Drittel dieser hochkarätigen Instrumental-Nummer, die mit 12:31 Minuten auch relativ lang ist, dominiert dann Sigi’s E-Gitarre, die sich zwischen Hendrix-Style bis bluesig heavy bewegt. Spezialisten haben ohnehin schon bemerkt, dass der Song eine Neuinterpretation des Instrumentals ist, das Komponist Frosch auch schon mit seiner Stammband Bluespumpm gespielt hat. „Jo zua Sunn“ ist der letzte Song, in Mundart gesungen und eine „Cover-Version“ ihres eigenen Tracks „Yes To The Sun“, also der Titeltrack des ersten Albums. Somit schliesst sich der Kreis und somit macht dieses Doppel-Review auch doppelt Sinn.
Woody Melectric ist eine jener Überraschungen, nach denen der echte Musikkenner sucht. Frei von Zwängen und Trends wird hier in erster Linie Musik gemacht um der Musik Willen! Die Musiker scheren sich nix um Schubladen-Denken, überwinden locker sprachliche Barrieren und musikalisch machen sie sowieso, was sie wollen. Und das ist gut so!

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