OldSchoolBasterds No.1 (2011)
OldSchoolBasterds No.1
Holy S*it (2012)
Holy S*it
Whole Lotta Love Songs (2015)
Whole Lotta Love Songs
The Lost Tapes (2017)
The Lost Tapes
Dance Potion No. 5 (2019)
Dance Potion No. 5
Jerry Lee, Johnny, Stanley, Charlie und Hank Basterd – gemahnt
ja eher an eine räudige Banditengang, die im Wilden Westen Postkutschen
ausgeraubt hat. Weit gefehlt: dahinter verbirgt sich eine
Rock’n’Roll-Band der alten Schule, die sich Musikstandards der 50er
Jahre virtuos zu eigen macht. Backbeat bat Schlagwerker Charlie Basterd
zum Gespräch. Von Martin Macho
Von wegen The day the music died! Die OldSchoolBasterds wühlen sich
seit Herbst 2010 tief in den Musikfundus der Fifties ein. Den geborgenen
Kleinoden wird höchste Sorgfalt zuteil: Originaltreue und Hingabe zum
Detail sind den Virtuosen der alten Schule allemal wichtiger als das
flache Revival mit Staubschicht.
Akribie und Übernahme damals gängiger Technik
Ganz gleich ob Rock’n’Roll, Boogie, Gospel oder Calypso, die fünf Könner
beherrschen schlichtweg alles. In der klassischen Besetzung Gesang,
Gitarre, Standbass, Klavier und Schlagzeug sind die OldSchoolBasterds
durch akribisches Einleben in das Liedmaterial immer verdammt nah am
Original.
Die Songschemata der 50er haben aber auch – oder gerade – für
Spitzenmusiker vom Schlage der Basterds die eine oder andere Falltür
eingebaut. „Es ist scheinbar einfach, 50er-Musik zu spielen, mit wenigen
Akkorden und wenig abwechslungsreichen Grooves, verglichen mit den
Beats aus den 70ern bis heute. Man muss dadurch aber höllisch bei dem
aufpassen, was man alles nicht tun darf. Die Palette der unerlaubten
Dinge ist sehr groß“, weiß Charlie um die ganz besondere Krux bei der
Erarbeitung des Songrepertoires.
Völlig anders gelagert ist die Sache beim Gesang. In dem Wissen um
die herausragende Qualität des Harmoniegesangs der damaligen Zeit sind
Chorproben regelmäßiges Pflichtprogramm. „Ohne drei- bis vierstimmig zu
singen, klingt es einfach nicht nach Fifties. In den 50er Jahren gab es
ja für den Leadsänger zusätzlich zu den Instrumentalisten eigene
Gesangsgruppen als Begleiter. Wenn du dir zum Beispiel anhörst, wie
extrem gut Crying In The Chapel bei Elvis klingt – für Musiker, die
keine Profisänger sind, kaum zu schaffen. Aber wir bemühen uns.“
Wie überhaupt die Regeln, denen die Musik der Basterds unterliegt, in
den Rang alttestamentarischer Gebote gehoben werden. Der Drummer dazu:
„Wir nehmen das sehr ernst. Unser Hauptanspruch ist, dass die Nummern so
echt wie möglich sind. Wenn wir Little Richard spielen, muss das
dieselbe Energie wie damals haben. Oder bei Harry Belafonte ist es das
Ziel, den Song karibisch rüberkommen zu lassen.“
On stage streben die Basterds das Echtheitszertifikat an. „Damit es
tatsächlich alt klingt, benutzen wir alte Instrumente. Das alles ohne
Kompressoren, ohne Gates. Unser Sänger Stanley versucht seine Lead
Vocals mithilfe digitaler Technik nach dem charakteristischen
Fader-Hall-Sound klingen zu lassen. Die Bass Drum war in den 50ern im
Mix kaum auszumachen. Das ist für Live-Tontechniker, die den heutigen
Pop-Standard im Ohr haben, natürlich ungewohnt. Die schreien dann
‚Kick!‘, ‚Kick!‘, und wenn’s nicht voll kracht, sind sie unzufrieden.“
Die durchwegs positiven Resonanzen nach Live-Shows belohnen die
Bemühungen.
Dieselbe Authentizitätsklausel wird für die Band auch im Studio
schlagend: „Wenn du so willst, ist es noch echt handgemachte Musik. Die
einzelnen Titel werden allesamt unter 50er Jahre-Bedingungen
aufgenommen, wir spielen alles gleichzeitig im gleichen Raum. Das
bedeutet, wenn sich einer einmal verspielt, war’s das mit dem Take.
Entweder lässt man den Fehler drin, oder man macht es noch einmal. Der
Moment soll eingefangen werden, ohne Netz. Keine Pro
Tools-Glattbügelung, kein Auto-Tune.“
Umtriebigkeit im Studio und live
Auf zwei CD-Produktionen können Charlie Basterd und Co. schon stolz
verweisen. Ein Coveralbum mit dem Titel No. 1 ist gleichsam die
Vierkant-Essenz der 50er: I’m Walking, Tutti Frutti, Summertime Blues
oder Johnny B. Goode sind nur einige der 16 Klassiker, vor denen die
OldSchoolBasterds sich in überzeugender Manier musikalisch verneigen.
„Wir wollten eigentlich nie eine Platte mit Covers machen“, berichtet
Charlie, „aber dadurch, dass die Band so cool geworden ist, haben wir es
riskiert. Alles über eine große Firma, die an uns herangetreten ist,
das Album in deren Filialen zu vertreiben. Wir haben 1.000 CD’s
produziert, mit großem Aufwand hergestellt und schick aufbereitet. Und
dann ist die Firma plötzlich abgesprungen. Ist aber egal, wir verkaufen
regelmäßig CD’s über unseren Online-Shop und auf Konzerten.“ Dagegen
stellt das Album Holy Sh*t Weihnachtsstandards als originellen
Kontrapunkt vor. Noch nicht spruchreif ist eine Produktion mit
Eigenmaterial, Charlie versichert den Fans jedoch dahingehende
Daueranstrengungen.
Die Live-Aktivitäten der Band oszillieren zwischen künstlerischer und
finanzieller Wertschöpfung. Zwischen ausgesuchten Veranstaltungen mit
hohem Aufmerksamkeitsfaktor beim Publikum, und den großen Events, bei
denen die Basterds darum ringen müssen, nicht zum Beiwerk zu verkommen.
„Natürlich spielen wir gern im Kulturverein für Leute die kommen, um uns
zuzuhören. Ist halt geldmäßig weniger interessant wie beispielsweise
eine Gala für die Ennstal-Classic. Wir machen beides, weil wir das Ding
auch irgendwie finanzieren müssen.“
Der Altersquerschnitt bei Basterds-Konzerten straft Don McLeans
eingangs erwähnte lyrische These der verblichenen 50er-Musik
eindrucksvoll Lügen. Wenn Charlie Basterd ins Publikum blickt, sieht er,
„Leute, die die Zeit noch selbst erlebt haben, neben ganz jungen, die
von der Energie dieser Musik mitgerissen werden.“ Am Tag, als das
Flugzeug vom Himmel fiel, mögen Holly, Valens und Bopper vielleicht
draufgegangen sein, deren Musik erfreut sich bester Gesundheit.
Um nicht zu rührselig zu werden: allen nostalgischen Puristen erteilt
selbst Charlie Basterd eine gehörige Abfuhr: „Früher war es um nichts
besser als heute, anders war es. Nur ist es durch die heutigen
Möglichkeiten für Leute, die kein Instrument im herkömmlichen Sinne
beherrschen, sicher leichter. Jetzt kannst du mit Netbook und Mikro auch
schon produzieren.“
Womöglich sogar im Duckwalk.





Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen