Alles wird zu Aktivismus – Schapkas überzeugendes Debüt »Wir sind Propaganda«
Schapka haben euch was mitgebracht: das
Album »Wir sind Propaganda«, das euch endlich den letzten Rest der
binären Geschlechterordnung aus dem Hirn blasen wird. Versprochen.
Kunst ist immer politisch. Das haben sich die vier Schapka-Mitglieder
wohl irgendwo auf die Stirn tätowiert, so der Eindruck, wenn man ihrem
Debütalbum »Wir sind Propaganda« lauscht. Vielleicht auch auf Russisch –
wie ihr Bandname, der eigentlich Шапка geschrieben wird und übersetzt
»Haube« bedeutet. So wird alles, was Schapka angreifen, zu Aktivismus:
Wenn sie am Internationalen Hurentag am Urban-Loritz-Platz auf- und
damit für ein Ende der Stigmatisierung eintreten. Wenn sie am
Protestsongcontest 2017 mit »USQQ« und Herzchen auf den Wangen
Queerness-Quoten fordern. Oder wenn das vor Kurzem veröffentlichte
Musikvideo zur Single »Vibratorinnen« vom lila Ladyfinger mit Wackelkontakt erzählt.Und jetzt auch das Debüt, das sich mit seinen Nummern wie das Zehn-Punkte-Programm einer fantastischen Queer-Partei liest. Gleichzeitig ist »Wir sind Propaganda« aber auch ein Geburtstagsgeschenk an die Bandmitglieder selbst, feiern Marie Luise Lehner, Laura Gstättner, Dora Lea de Goederen (überdies Drummerin bei Dives) und Lili Kaufmann damit doch auch das fünfjährige Bestehen Schapkas.
Eine verliebte Waschmaschine
Was bei so einem Debüt natürlich nicht fehlen darf? Ein eigens kreiertes Zine. Ganz gemäß der Riot-Grrrl-Tradition. Musikalisch verbirgt sich aber noch viel mehr als Drei-Akkorde-Punk hinter den zehn Songs auf »Wir sind Propaganda«. Zwischen hingerotzten Gitarrenriffs und politischen Kampfansagen kommt die Band mit Songs wie »Durchnachtet und überlebt« auch einmal zur Ruhe. Das klingt dann schon wieder fast mehr nach verjazztem Experimental als nach Bikini Kill. Und ein Song wie »Elisabeth« wird gar zur Indie-Ballade an eine verliebte Waschmaschine.
Mit Wortspielereien wie »Oder in der Bim noch ein Sudoku am Weg in die Boku« (»Fahrschule Ekstase«) beweisen Schapka außerdem Gespür für die richtige Line. Jeder einzelne Song verbirgt ein kleines Manifest, etwa »No No No«: »Feminism is not a radical theory against man. No!« Wer Antworten abseits des herkömmlichen, auf H&M-Shirts gedruckten Marketplace Feminism sucht, wird hier fündig.

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