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Christian Ide Hintze (* 26. Dezember 1953 in Wien; † 10. Februar 2012 ebenda[1]) war ein österreichischer Lyriker und Aktionskünstler, Performance- und Multimediapoet. Er folgte in seinen Arbeiten einer 7-dimensionalen Poetik: akustisch, visuell, literarisch, performativ, interaktiv, infrastrukturell und instruktiv.
Hintze vertrat einen weit gefassten Poesiebegriff, der von den
Übergängen zwischen analogen und digalen Techniken geprägt ist. Er war
Autor von Aktionen, Installationen und Songs, von Audio-, Video- und
Performance-Gedichten, von Zettel-, Plakat- und Buchtexten. Er
initiierte mit Sonja Moor, Christian Loidl, Christine Huber und Gertraud Marinelli-König die Schule für Dichtung in Wien und war seit 1992 ihr Direktor.
Anfänge
Hintze wurde 1953 in Wien-Ottakring geboren, verbrachte seine Kindheit in Salzburg-Taxham und Laßnitzhöhe bei Graz und absolvierte die Matura in Wien-Landstraße. 1972 ging er nach München,
arbeitete als Reinigungskraft, Prospektverteiler und Schlüsseldienst
für die Olympischen Spiele und zog danach als Straßensänger durch
Skandinavien, England, Frankreich und Spanien. Von 1973 bis 1977
studierte er an der Universität Wien Theater- und Kommunikationswissenschaften. 1976 realisierte er im Rahmen der „Szene der Jugend“ in Salzburg das Instant Street Drama „Kundgebung der Anwesenden“ und beteiligte sich in Wien an der Besetzung der ARENA.
Im selben Jahr wurde er in Ostberlin von Organen der Volkspolizei wegen
Verbreitens von Flugzettelgedichten verhaftet und verhört. 1978 folgte
die Verurteilung wegen Beklebens des Wiener Burgtheaters mit Gedichten und Plakaten. Im Zuge seiner Aktionen ergaben sich Bekanntschaften mit H.C. Artmann, Wolfgang Bauer, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker und Helmut Seethaler. 1979 wurde der unter der Regie von Alfred Kaiser[2]
entstandene Kinofilm „Zetteldämmerung“, ein auf den Straßen
Deutschlands und den Niederlanden gedrehtes Portrait des Künstlers,
uraufgeführt.
1980er
In den
1980er Jahren gelangten Hintzes Arbeiten aus dem Bereich „expanded
poetry“ vermehrt in den Fokus der internationalen Wahrnehmung. Er
verfasste tetralogische Sprachwerke, die aus akustischen, visuellen,
literarischen und performativen Elementen bestehen, produzierte Beiträge
für Buch-, Tonband-, Video- und CD-Anthologie[3] n und war auf Festivals in Ljubljana,
Den Haag, Turin, Tokio, Rio de Janeiro und Bern mit Audio-, Video-, und
Performance-Poesie vertreten. Aus Begegnungen mit dem burgenländischen
Zeichner und Nervendarsteller Emil Siemeister, dem US-amerikanischen Beat Poeten Allen Ginsberg, dem französischen Audiopoeten Henri Chopin und dem österreichischen Popstar Falco,
entwickelten sich langjährige Bekanntschaften und Kollaborationen. 1984
baute Hintze in Wien, im Resselpark nahe der U-Bahn-Station Karlsplatz,
einen Dichtertempel. Das Projekt „LI-TE“, eine
closed-circuit-Installation im öffentlichen Raum, bestand aus vier
Buchstabenskulpturen, einem hölzernen Trompetenkreuz und einer Hütte, in
der Hintze drei Wochen lang lebte und arbeitet. Der Tempelbau wurde von
der Firma GRUNDIG-Austria gesponsert und war mit drei Live-Kameras und
elf Monitoren bestückt, über die 16 Videoloops liefen. 1987 erschien im
Kölner Kiepenheuer & Witsch Verlag sein Gedichtebuch „Die goldene Flut“.
1990er
1990
besuchte Christian Ide Hintze auf Einladung Allen Ginsbergs die „Jack
Kerouac School of Disbodied“ Poetics in Boulder, USA, und studierte die
Arbeits- und Organisationsprinzipien einer „poetry school“. 1991
gründete er gemeinsam mit Sonja Moor, Christian Loidl, Christine Huber
und Gertraud Marinelli-König die Schule für Dichtung in Wien, an der in der Folge H.C. Artmann, Wolfgang Bauer, Gerhard Rühm, Allen Ginsberg, Anne Waldman, Ed Sanders, Inger Christensen, Henri Chopin, Gert Jonke, Blixa Bargeld, Nick Cave, Falco, Sainkho Namtchylak, Marlene Streeruwitz, Robert Schindel, Ayu Utami, Humberto Ak’abal, Peter Rosei, Anne Tardos
und viele andere namhafte Autorinnen und Autoren unterrichteten. 1992
erschien die CD „30 Rufe“, auf der Gedichte mit Audio-Samples,
Drumcomputer, Solo- und Chorstimmen zu hören sind. 1993 unternahm Hintze
auf Einladung Miguel Barnets und des kubanischen Schriftstellerverbands UNEAC eine Lesereise durch Kuba, die ihn nach Havanna, Cienfuegos und Holguín führte. Im selben Jahr unterrichtete er als erster westlicher Autor am Literaturinstitut Nguyen Du in Hanoi (Vietnam). 1996 initiierte er gemeinsam mit Fernando Rendón, Angela Garcia und Gabriel Jaime die Gründung der „escuela de poesía“ in Medellìn, Kolumbien.[4]
1998 realisierte er im Kurbad Oberlaa das Projekt „Schreiben im
Wasser“. Hintze wollte herausfinden, ob die phylogenetische Herkunft des
Menschen aus dem Wasser etwas mit der Entstehung von Sprache und mit
Phänomenen wie Reim und Refrain zu tun hat.
2000er
2000
erschien die CD „[ampf]“, eine Sammlung von zum Teil sehr kurzen, mit
Hilfe der Programme SampleCell und ProTools produzierten asemantischen
Audiopoemen. 2004 nahm Hintze an der österreichischen Vorausscheidung
zum Eurovision Song Contest
teil und erreichte den dritten Platz. Sein Beitrag, der Song „Link
Love!,“ ist ein Statement gegen Rassismus und für gegenseitiges
kulturelles Verständnis. Der Text besteht aus vielsprachigen Versionen
von I love you. Im selben Jahr produzierte er anlässlich „75 Jahre Radio“ gemeinsam mit dem Komponisten Wolfgang Mitterer
für den ORF das Auftragswerk „Langsam Mahlen“. 2007 trat Hintze mit
einer Auswahl seiner performativen Poesie am Mailänder „Spazio Teatro
No'hma“ auf. 2008 entwickelte er die auf Videoclips basierende Online-Plattform „ide7fold“[5],
die erstmals eine integrale Darstellung seines Werks in den Kategorien
„akustisch, visuell, literarisch, performativ, interaktiv,
infrastrukturell“ und „instruktiv“ erlaubte. Die damit zusammenhängende
„7-dimensionale Poetik“ (7fold poetics) präsentierte Hintze im November 2008 am finnischen Orivesi College of Art, im Februar 2009 an der Universität von Barcelona und im Oktober 2009 im Rahmen des internationalen Poesiefestivals von Oslo.[6] 2009 Teilhaber des Unternehmens "acolono kg - produktion und vertrieb von zeitgenössischer kunst". 2010 erschien die DVD „nantzn“, die 72 Stücke seiner asemantischen, performativen Poesie enthält.
Die Familie von Christian Ide Hintze gab am 20. Februar bekannt,
dass der Autor in der Nacht vom 9. auf den 10. Februar 2012 in seiner
Wohnung in Wien an akutem Herz-Kreislaufversagen verstorben sei.[7] Hintze war Vater eines Sohnes.

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