Heart Break
Es ist so eine Sache mit der Zukunft. Manchmal fühlt sie sich
unglaublich nahe an, dann wieder wirkt es so, als wäre es noch längst
nicht notwendig, sich mit Zukünftigem auseinanderzusetzen. Letztlich
hilft es auch nichts, für sich selbst zu entscheiden, dass man noch
nicht bereit ist für ein wie auch immer geartetes Morgen, weil es einen
in der Regel schneller einholt, als man »Ich bin noch nicht bereit«
sagen kann. Auf ihrem Debütalbum »Heart/Break« tun es Anger,
also Julian Angerer und Nora Pider, trotzdem. Im Song »Sie schreit«
soll der Zukunft genau mit diesem Satz Einhalt geboten werden.
Allerdings nicht schreiend, sondern mit ruhiger, beinahe andächtiger
Stimme, die sich, zu groovig-jazziger Melodie, gegen einen gemeinsamen
Weg in Richtung Zukunft ausspricht: »Ciao, ragazzo.«
Keine Zukunftsängste
Obwohl
im Song »Future«, der vor allem zu Beginn stark an die neueren Releases
von Bilderbuch erinnert, genau danach gefragt wird, dürften Anger nicht
von Zukunftsängsten geplagt sein. Auf jeden Fall nicht, was ihre Musik
betrifft. Dafür kommen die Songs auf »Heart/Break« viel zu selbstbewusst
daher, dafür ist man sich der eigenen musikalischen Bandbreite viel zu
sehr bewusst und dafür ist das Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz
viel zu ausgeklügelt.Auf
»Heart/Break« geht es nämlich nicht nur darum auszuloten, wie sehr man
schon in der Zukunft steckt oder wie viel Spielraum sie einem noch
lässt, sondern auch um Nähe und Distanz in einem ganz klar
zwischenmenschlichen Kontext. Es geht zum Beispiel darum, nicht alleine
aufwachen zu müssen, und um die Angst davor, dass es doch passiert
(»Baby«). Damit bedienen sich Anger sehr weit verbreiteter Sorgen und
Ängste, stellen dabei mit ihrem eingängigen, einnehmenden Sound und
ihren klar formulierten Gedanken aber ein besonderes Naheverhältnis zu
ihren HörerInnen her.

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