Honeymoon Blues
Ash My Love • Bulbul - Split (Single) (Limited “Fucked Up” Edition) (2015)
Split (Single)
Money (2017)
Ich wollte wahrlich nicht daran glauben, doch es gibt sie: Hochwertige Musik in diesen wahrlich nicht schönen Zeiten! Doch dank eines Zufallsfundes im Plattenladen wurde ich nun eines Besseren belehrt.
Der Fund kommt naturgemäß aus der Indie-Ecke – genauer gesagt, von einem Duo aus Wien, das da Ash My Love heißt. Im Jahr 2013 erschien ihre erste EP, die ich leider verpasst habe (Hat sie wer?). Doch gelegentlich wurde spätabends ein Auszug aus ihrem damals neuen Album „Honeymoon Blues“ auf FM4 vorgestellt und sofort war ich hin und weg. Nach zunäxt vergeblicher, monatelanger Suche habe ich die Platte endlich in einem Plattenladen gefunden und sofort gekauft.
Kaum durchkämmt die Nadel die ersten Rillen der LP, fühlt man sich an die White Stripes erinnert. Doch bei genauerem Hinhören entsteht eine Klangwelt, die noch sehr viel tiefer geht. Völlig entfremdeter, dreckiger, verzerrter Gesang entführt in abtrünnige und morbide Welten, der fahle Geruch alten Bieres und selbstgebrannten Alkohols dringt förmlich aus den Lautsprechern. Hinzu kommt eine rauhe Instrumentierung ohne großflächigen Einsatz von Computern, wie er derzeit im Mainstream gang und gäbe ist. Die Texte drehen sich primär um die morbiden Abgründe menschlicher Liebe (Early this morning, My heart knocks at the door) und setzen der allgemeinen depressiven Atmospäre noch einen drauf. Das Album nur auf Vinyl zu veröffentlichen, war eine goldrichtige Entscheidung aller Beteiligten, denn für diesen dreckigen Sound wäre ein digitaler Tonträger eine wahre Beleidigung!
Ash My Love in ein Genre zu packen, ist wahrlich nicht einfach, am ehesten wäre die Bezeichnung „Bluespunk“ angemessen. Honeymoon Blues ist wahrlich schmutzig, an allen Ecken und Enden knarzt und raunt es, und die gesamte Produktion ist schon fast magisch, sie zieht einen wahrlich in ihren Bann. Das Album ist ein Erlebnis für jeden, der von kunterbuntem Electro-Pop die Schnauze voll hat und mal wieder handmade hören möchte. Für mich die Platte des Jahres 2014 und ganz sicher eine Investition wert!



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen