Dass eine respektvolle Verbeugung vor der
musikalischen Vergangenheit und Tradition nicht notwendigerweise immer
altbacken und uninspiriert erklingen muss, sondern sehr wohl auch
frisch, knackig und modern, diesen Beweis liefern der Saxophonist Tom Mueller und seine Ensemble Hot BBQ auf eine doch sehr eindrucksvolle und unterhaltsame Weise ab.“ It`s Alright“
(Styx Records), so der Titel des soeben erschienen Erstlingswerks der
Wiener Formation, zeigt sich als ein sehr gelungener Versuch, den
Souljazz des 50er und 60er Jahre neue Blüten treiben zu lassen. Was
regiert sind unnachahmlicher Spielwitz, fesselnde Dynamik, zündende
Ideen und eine aller Banalität ferne Gefälligkeit.Es sind nicht das große ausufernde
Experiment, das Beschreiten der avantgardistisch angehauchten Pfade oder
der bewusste Bruch mit der Musikalität, dem sich Tom Mueller
verschrieben hat. Auch scheint das Verlangen nach der kompletten
Neuerfindung des Rades im musikalischen Sinne nicht unbedingt der
Hauptantrieb seines künstlerischen Wirkens zu sein. Natürlich sind seine
außergewöhnlichen instrumentalen Fähigkeiten und Qualitäten
unbestritten, auch jene seiner Mitmusiker Roland Stonek (Gitarre), Bernd T. Rommel (Drums), Ewald Gaulhofer (Congas), Hannes Steif, Peter Strutzenberger (beide Bass), Stefan Goessinger (Trompete) sowie Gery Schuller
(Organ)sind auf dem allerhöchsten Niveau anzusiedeln, nur mit dem
Unterschied, dass im Vergleich zu manch anderen Bands aus dem Bereich
des Jazz dieser Umstand von den Beteiligten nicht hervorgekehrt oder in
den Mittelpunkt des Geschehens gerückt wird. Vielmehr verhält es sich
so, dass sich die Musik des Wiener Saxophonisten und seines Ensembles
als ein vielschichtiges, nuancenreiches und homogenes Ganzes erschließt,
zum dem man schnell Zugang findet.In weiter Distanz zu aller Kopflastigkeit
haben die Nummern durch die Bank einen Flow, sie grooven und besitzen
diese eigene Note, die zwar Erinnerungen an eine musikalisch vergangene
Zeit hervorruft, die aber nicht das Gefühl entstehen lässt, dass es sich
hier um einen einfachen Abklatsch eines bereits bekannten Repertoires
handelt. Es ist vor allem der Sound des um Elemente des Blues
erweiterten Souljazz der 50er und 60er Jahre in der Tradition solcher
Ikonen wie Willis Jackson, Bill Doggett, Jack McDuff, Jimmy Smith aber
auch The Mar Keys, der es dem Wiener Saxophonisten, der in der
Vergangenheit unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit der
britischen Bluessängerin Dana Gillespie auch international zu
Bekanntheit gelangt ist, besonders angetan hat und den er wirklich mit
Stil, Eleganz und viel Lässigkeit zu interpretieren weiß. Die aus den
sehr lebendigen und spielfreudigen Interaktionen erwachsenden und in
wirklich spannende Arrangements eingebetteten stimmungsvollen
Melodiebögen finden ohne Umwege Eingang in die Gehörgänge und gefallen
auch nach mehreren Durchläufen, eben weil sie einem so unkonventionell
und leichtfüßig verspielten Charakter aufweisen.

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