Mittwoch, 11. Mai 2022

KARL HORAK (Leo Bei)

 

Horak'n'Roll (2003)

Horak'n'Roll #2 (2012)

Jammin' All Nite Long (2012)

No Endlich (2012)

 Karl HORAK wurde am 9. 1. 1958 als Leo Gustav BEI in Mödling als Sohn von Neda und Leo Albert BEI geboren. Laut Aussagen vieler Verwandter kann mit diesem Datum auch der Beginn des Kalten Krieges gleichgesetzt werden. Der Eintritt in das Schulleben begann 1964, zeitgleich mit dem Durchbruch der Beatles in den USA (John Lennon und so.) 1968 zettelte sein Statement, dass Nonnen in der Klausur mit dem Kruzifix masturbieren (und das im Sacré Coeur) mehrere weitreichende Studentenunruhen (Paris, Cohn-Bendit und so) an.

Der Soundtrack seiner Volksschulzeit wurde von einer herrlichen Blockflöte, mehreren christlich determinierten Kinderchören sowie den Rock’n Roll Platten der um sechs Jahre älteren Schwester zusammengesetzt, was nachträglich zu mehreren neurotischen Verhaltensmustern führte (Autoritätsunverträglichkeit, lange Haare und so...). Ab 1969 Mittelschüler, entwickelte das wohlbehütete Mittelstandskind Leo starkes Interesse an der Ausübung von Musik (die erste Gitarre und so) und entdeckte mit Hilfe der älteren Schwester eines Mitschülers seinen zweiten Lebensmittelpunkt (erster Sex und so). Es kam wie es kommen musste, und er gründete mit seinem Freund Georg Gabler und dessen Bruder Michael seine erste Band CRUMB. Das war 1971 (und so).

Wird aus dem dicklichen Kind ein Hippie oder ein Spießer, ein Rock’n Roll Star oder ein Bundesbahnbeamter? Wer war an der Ölkrise (autofreier Tag und so) schuld? All diese Fragen werden beantwortet, unter Umständen auch viel zu ausführlich.

Ostbahn Kurti & die Chefpartie

Aus einem Titel wurde die ganze (damals noch) Platte, und im Jänner 85 wurde um eine Bandmitgliedschaft angefragt („Hättast Zeit ?“). Doch da gab es einige heute merkwürdig anmutende Prämissen: Niemand sollte von der Band leben, und wenn der Spaß an der Sache verloren ginge, würde das Ganze eben aufgelöst werden. Außerdem müsse jeder Zeit genug für seine eigenen Projekte haben, und so wurde Ostbahnkurti & die Chefpartie als Hobbyprojekt verankert. So wie wenn Marx zu Engels gesagt hätte: Komm Fritz, wir schreiben einen fünfseitigen Aufsatz über ein paar kleine Ungerechtigkeiten – und wer weiß, vielleicht war das auch wirklich so.

Es gab einen Plattenvertrag und die Plattenpräsentation war als Gig im Schutzhaus am Schafberg, auch nach seinem Pächter Tschida genannt, festgelegt. Der durchaus stattlich wirkende Wirt Pepi Tschida galt übrigens als einer der lautesten Schnarcher der Bundeshauptstadt, weshalb nie jemand während der über zwei bis drei Tage dauernden legendären Trinkausflüge, die der gute Mann für seine Gäste organisierte, ein Zweibettzimmer mit ihm teilen wollte – so jedenfalls lautet die Legende, die über ihn im Umlauf ist und dem Autor von einer nicht genannt werden wollenden, aber normalerweise gut informierten Quelle zugetragen wurde. Der Band gehörte außer dem Grünen, Helmut, Willi und Leo noch der Keyboarder Harry Pierron-Cuny an und der Textautor Günter Brödl, in dessen genialen Kopf das gesamte Projekt entstanden war; er stand allen Beteiligten mit Rat und Tat zur Seite – eine Funktion, die Jahre später mit dem Ausdruck „Trainer“ bedacht werden sollte.
Das Styling der Band sollte laut seinen Vorstellungen einen starken Obdachlosentouch haben, und er hatte sich auch eine Vorgeschichte ausgedacht, deren Kernpunkt darin bestand, dass die Musiker alle einer fiktiven Rhythm and Blues Szene aus den Wiener Vorstädten entsprangen, etwas, das in dieser Form hier nie wirklich existiert hatte. Deshalb wäre es gut, den Bühnenfiguren eigene Namen und Charaktere [sic] zu geben, und er hatte auch schon einige Vorschläge: Mario Adretti - der Glückspieler, der galante Edi Jedelsky, der im Lauf seiner Karriere zum Diplomingenieur mutierte, Josef Hawliczek, der Ostbahnkurti und Leo wurde zu Charly Horak. Den Namen entwickelte er selbst - Karl ist für ihn der Wiener Name schlechthin, und Horak hatte zwei Ursprünge: Er war mit elf Jahren unsterblich in seine Mitschülerin Claudia Horak verliebt, und es gab auch noch den Bierversilberer Horak in einem Roman über eine Wiener Lebedame des 19ten Jahrhunderts. Und der Name war urwienerisch. Votava wäre auch noch zur Debatte gestanden, aber dem Brödl gefiel Horak viel besser – außerdem stellt euch mal vor www.karlvotava.at. Auch der Kampfruf vieler Fans klingt als „Votava – du Sau“ zumindest mehr nach Autofahrer unterwegs als nach Rock ´n Roll – für mich zumindest. Ob sie das beim Votava rufen bin ich mir ja nicht so sicher. Der Autofahrerunterwegs Votavakurtl hat den Ruf als Ansager diverser wiener Bandwettbewerbe vielleicht schon das eine oder andere mal gehört, aber über den Alten laß ich nix kommen, er hat dem 19jährigen Leo nach einem schweren Autounfall sehr geholfen und ihn persönlich ins Unfallkrankenhaus geführt. Also an dieser Stelle: Danke - und alle falsch ausgesprochenen Bandnamen seiner Ansagerkarriere seien ihm hiermit bis in alle Ewigkeit verziehen. Und so begann am 20. Februar 1985 am Schafberg die legendäre Karriere von Ostbahnkurti & der Chefpartie. Ostbahnkurti & die Chefpartie gab es von einigen Abschiedskonzerten 2003 (und den Jubiläumskonzerten auf der Kaiserwiese, 2011) abgesehen bis zum 29 Oktober 1994. Die Band setzte Massstäbe für den österreichischen Rock´n Roll, und es ist viel über sie geschrieben worden; wer akribische Aufzeichnungen sucht wird diese auf der Espresso Rosi Page finden, doch diese schöne, aber auch schwierige Zeit bedarf an dieser Stelle einer etwas anderen Aufarbeitung: Es wäre ein Leichtes eine Ansammlung von Anekdoten aufzulisten oder Intima über diesen Zeitraum zu verbreiten, doch das würde ein ganzes Buch füllen und vieles dennoch nicht auf den Punkt bringen, weshalb ein Exklusivinterview auf dieser Seite eine sehr probates Mittel zu sein scheint eine einzigartige Karriere, deren musikalische wie auch menschlichen Aspekte zu beleuchten und auf diesem Weg auch interessante Einblicke zu gewähren.

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